Provider-Vorhaben: Manche Daten schneller, dafür teurer

13.06.2012 | 11:23 |   (DiePresse.com)

Das Prinzip der Netzneutralität soll nach Wunsch des europäischen Verbands ETNO verschwinden. Wer schnellen Datenverkehr will, soll zahlen. Beobachter befürchten eine drohende "Internet-Steuer".

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Geht es nach dem Willen des Verbands der europäischen Netzbetreiber (ETNO), sollen in Zukunft Daten über Kabel und Funk anders abgefertigt werden. Anstatt wie bisher ein Paket nach dem anderen so schnell wie möglich weiterzuleiten, wollen die Mitglieder des Verbands in Zukunft manche Daten schneller und manche langsamer schicken. Wer mehr Speed will, muss dafür natürlich auch mehr zahlen, so die Idee dahinter. Die ETNO bezeichnet das als "Ökosystem, in dem die Umsätze der Betreiber nicht von den benötigten Investitionen getrennt sind".

UNO soll Netzneutralität auflösen

Damit stellen die ETNO-Mitglieder (darunter die T-Mobile-Mutter Deutsche Telecom und Orange) wieder einmal die Prinzipien der Netzneutralität in Frage. Der neue Vorstoß ist an die International Telecommunications Union (ITU) gerichtet, eine Unterorganisation der UNO, die etwa die weltweite Nutzung von Funkfrequenzen koordiniert und Standards für Telekommunikation definiert. Und derzeit arbeitet die ITU an einer Anpassung, um der Entwicklung des Internet-Datenverkehrs Rechnung zu tragen.

"Internet-Steuer" befürchtet

Der ETNO-Vorschlag soll bei der ITU-Jahrestagung im Dezember in Dubai behandelt werden. Würde er ins Regelwerk der ITU einfließen, könnten die Provider damit gewissermaßen eine Zweiklassengesellschaft im Internet einführen und sich dabei auf internationale Standards berufen. Cnet will sogar eine "Internet-Steuer" im Vorhaben der ETNO erkennen.

Österreichs Provider-Verband skeptisch

Der Verband der Internetprovider Österreichs (ISPA) reagiert auf Anfrage von DiePresse.com negativ auf das Vorhaben der ETNO. Die ISPA spreche sich dagegen aus den Einflussbereich der ITU auf das Internet auszuweiten, sagt Generalsekretär Maximilian Schubert. Der Verband beobachte das "heikle Thema" Netzneutralität schon seit einiger Zeit auf europäischer Ebene. "Grundsätzlich messen wir der Netzneutralität als Basisgedanken des Internets sehr große Bedeutung zu. Gleichzeitig gehen wir aber davon aus, dass ein funktionierender Wettbewerb der beste Garant für Netzneutralität ist", erklärt Schubert.

(db)

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14 Kommentare
Gast: Pedro
13.06.2012 22:11
2 0

Wer sich als erster der Telcos bewegt ist tot!!

Wir Kunden werden das verhindern. ACTA hat gezeigt, dass derartige Themen mehr Menschen am Herzen liegt als diese Unternehmen glauben.

Bewegt sich einer der Telcos als erster, kündigen wir halt die Verträge dort und gehen zu denen die die Netzfreiheit hochhalten.

Liebe Telcos: Ihr seit auf unser Geld angewiesen, wir aber nicht auf euch!

Re: Wer sich als erster der Telcos bewegt ist tot!!

Träumer

Gast: Feuervögelchen
13.06.2012 19:33
0 1

Wenn sich die Sache so entwickelt - ich brauche das Internet nicht.

Manche Anbieter wollten schon Geld für Abfragen, hat sich alles erledigt.

Wenn die Leute sagen, danke, um diesen Preis nicht, dann wird es eben ein paar supergscheite Anbieter zerreissen.

Allein diese 10 € von aon jährlich ist eine Sauerei, aber wenn die Bolidiger bedient werden ist alles möglich in der Bananenrepublik.


Re: Wenn sich die Sache so entwickelt - ich brauche das Internet nicht.

Schwachsinn!

Die neue, einseitig eingeführte, Gebühr beträgt bei (fast) allen Betreibern 15 Euro pro Jahr.

Und interessanter Weise hat es bei der Erst-Einführung keine wie immer geartete Flucht zu anderen, Internet-Gebühr-freien Anbietern gegeben!

Andererseits, warum muss alles gratis sein?

Wer ordentlich recherchierte Informationen zusammenträgt, sammelt, archiviert und der Allgemeinheit zur Verfügung stellt wird wohl das Recht haben, (zumindest) seine Unkosten einspielen zu können. Viele machen's über eingeblendete Werbung, andere wollen Bares sehen.

Wenn sie eine Tageszeitung zuhause haben, werden sie diese hoffentlich nicht klauen sondern bestenfalls im Abonnement beziehen und somit bezahlen. Warum also keine Bezahlung für's Zeitung lesen via Internet?

Es wird immer peinlicher und immer absurder wie mit technischer Technologie politisch kapital geschlagen wird!

Ich hab schon vor 7 Jahren gesagt: Wenn die Politisch sich mal ins Internet einmischt, leben wir in einer Diktatur. Und genauso ist es gekommen

Re: Es wird immer peinlicher und immer absurder wie mit technischer Technologie politisch kapital geschlagen wird!

statt politisch = Politiker,

pardon

0 3

neu?

ist doch jetzt schon so, dass man für schnell Leitungen, LtE, ... ERC mehr bezahlt. und warm auch nicht? schnelle Autos, Räder, ... kosten auch mehr.

Antworten Gast: AchJa1524
13.06.2012 16:47
3 0

Re: neu?

Wissen Sie was mit Netzneutralität gemeint ist? Derzeit wird jedes Paket gleich behandelt, das hat nichts mit der theoretischen Geschwindigkeit Ihres Netzes zu tun. Derzeit können Sie 24 Stunden, 7 Tage die Woche ununterbrochen mit der vollen Kapazität Datenrunterladen, immer zu den gleichen Kosten.
Genau dort setzt dieser Vorschlag an: Firmen oder Personen mit hohen Datenvolumen (z.B. Youtube, Google etc.) sollen mehr zahlen, damit ihre riesen Datenmengen/Pakete dementsprechend gleich behandelt bzw. bzw. vorrangig behandelt werden, also beim Provider weitergeleitet werden. Das ist unabhängig davon, ob die nun 1GBit Leitung haben oder nicht! Für den Otto Normalverbraucher kann das den Effekt haben, dass er zwar eine 8Mbit Leitung hat, der angesurfte Server aber langsam ist, weil die keine höheren Gühren für vorrangigen Datentransport zahlen. Ergo eine Geschwindigkeitsbremse.
Anders erklärt. Jetzt kommt ein Paket rein und wird gleich behandelt wie jedes andere. Mit dem neuen Vorschlag kommt ein Paket niedriger Gebührenart rein und wird auf die Seite gestellt um z.B. 10 andere Pakete höherer Gebührenart vorbeizulassen und wird erst danach behandelt! Netztbremse!!

Im Prinzip geht es darum,

daß die Provider wissen, daß sie letztenlich austauschbar sind und sie sich daher in einem Preiswettbewerb bis hinunter zu den Grenzkosten des Datentransfers befinden.

Bei den Endkunden ist nicht viel zu holen, sonst wechseln sie zur Konkurrenz, also versucht man es nach Art der Raubritter bei den Content-Anbietern - "Wenn Du willst, daß wir Deinen Content mit vernünftiger Geschwindigkeit befördern, musst Du erstmal einmünzen".

Wenn es gelingen sollte, derartiges durchzusetzen, wird das Internet nicht mehr dasselbe sein: Die Provider werden wieder mehr Macht haben, das Innovationstempo auf Seiten der Content-Provider wird sich dramatisch reduzieren - schließlich treffen diese Kosten ja nicht nur Google, Apple und Amazon, sondern auch jedes kleine Startup, das nicht nur seine eigene Infrastruktur aufbauen muß, sondern auch das Schutzgeld an die Provider weltweit abdrücken muß.
Compuserve 2.0 statt Web 3.0.

1 1

immer neue Belastungen

Es gibt noch keine Steuer auf SMS, Daten pro MB etc. Hier liegt noch Geld für die Bankenrettung.

2 0

Re: immer neue Belastungen

doch die USt!

Gast: fnsn
13.06.2012 12:38
0 0

Und die Gründe für diese Gedanken?

Wie und wo kann man noch (mehr) abzocken?

Gast: selbst2
13.06.2012 11:41
0 1

die sollen sich lieber über andere dinge gedanken machen...

als wenn es nicht wichtigere dinge gäbe...

Antworten Gast: b754
13.06.2012 12:06
0 1

Wichtigere Dinge?

Für Sie und für mich vielleicht. Aber dieser Bagage ist halt das Geld das Wichtigste ....

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