AnonAustria veröffentlicht wieder Scientology-Mails

Die E-Mails zeigen, wie die Sekte versucht, ein Ex-Mitglied zu diskreditieren. Im Gespräch mit DiePresse.com bestätigt dieses die Methoden. Scientology hält ihn für die treibende Kraft hinter Anonymous.

AnonAustria veroeffentlicht wieder ScientologyMails
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AnonAustria veroeffentlicht wieder ScientologyMails
(c) EPA (Robin Utrecht)

Nachdem Anonymous Austria bereits vorige Woche E-Mails von Scientology Österreich veröffentlicht hat, hat die Gruppe nun nachgelegt. Über das Twitter-Konto @AnonAustria wurden mehrere Gespräche veröffentlicht, die allesamt nach dem ersten Schub an E-Mails stattgefunden haben und offenbar auch eine Racheaktion gegen ein Ex-Mitglied beschreiben. Außerdem findet sich darunter eine holprige Übersetzung eines Artikels von DiePresse.com, beziehungsweise eines von DerStandard.at, die zusammengeführt wurden. Wofür das nur schwer verständliche englische Endergebnis gedacht war, ist unbekannt.

Ex-Scientologe im Kreuzfeuer

Ein wesentlicher Teil der nun geleakten E-Mails behandelt Maßnahmen gegen den Scientology-Aussteiger Wilfried Handl. Dieser hatte in seinem Blog aus den von AnonAustria veröffentlichten E-Mails zitiert. Nun berichtet er von einer saftigen Klagsandrohung von Scientology. Für "jede Gesetzesübertretung" soll er 10.000 Euro zahlen und eine Unterlassungserklärung unterzeichnen. Das Anwaltsschreiben und die Erklärung hat Handl auf seinem Blog veröffentlicht.

"Das ist eine gezielte Aktion gegen mich", sagt Handl im Gespräch mit DiePresse.com. Er ist von der Echtheit der E-Mails überzeugt. Dass seine Exfrau in einem der E-Mails darum gebeten wird, ein Video zu drehen, um ihn zu diskreditieren, unterstreicht seinen Verdacht. "Denen ist jedes Mittel recht." Allerdings amüsiert es den Ex-Scientologen, dass man ihn gewissermaßen als Rädelsführer von Anonymous Austria hochstilisiert. "Das ist fast schon eine Adelung durch Scientology", sagt Handl. Mit Anonymous habe er aber nichts zu tun. "Die kommen nur zu meinen Demonstrationen gegen Scientology", wiegelt er ab. Lediglich eine Kontaktperson kenne er genauer.

"Final handling" und "Bean Return"

In den E-Mails wird das Einschalten des Anwalts gegen Handl als "Final handling des mainattackers" (sic!) bezeichnet. Nachdem die österreichische Abteilung der Sekte dafür um Geld bittet, wird nach dem Profit für die Sekte gefragt. Der "Bean Return" für die Investition in tausende Euro Anwaltskosten sei "entheta eingeschränkt und attacker angeklagt" (sic!). "Der sich daraus ergebende PR-Gewinn ist bahnbrechend", heißt es in einem anderen E-Mail.

Handl hat die Unterlassungserklärung übrigens nicht unterzeichnet, wie er gut gelaunt am Telefon erklärt. Generell beobachtet er die Angelegenheit mit Humor. Allerdings warnt er auch vor der Sekte, der er einmal angehört hatte. "Man darf nicht vergessen, dass Scientology in Deutschland und Österreich vom Verfassungsschutz beobachtet wird." Eine Anfrage von DiePresse.com bei Scientology Österreich zu der Sache wurde bisher nicht beantwortet.

(db)

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