Eltern gegen Facebook: Kinder von Schulstunde ausgeschlossen

Ein Geschichtenerzähler hatte die Schule besucht. Weil sechs Eltern nicht wollten, dass Fotos ihrer Kinder von dem Event auf Facebook veröffentlicht werden, mussten diese in andere Klassen.

Eltern gegen Facebook Kinder
Schließen
Eltern gegen Facebook Kinder
(c) Dapd (Joerg Koch)

Weil ihre Eltern nicht wollten, dass Fotos ihrer Kinder auf Facebook veröffentlicht werden, durften diese an einer Schulstunde mit einem Geschichtenerzähler nicht teilnehmen. Wie die Goslarsche Zeitung berichtet, mussten die sechs Schüler in Braunlage im Harz Ersatzunterricht in anderen Klassen besuchen. Die Entscheidung der Schule könnte die Diskussion, wie weit Kinder beziehungsweise deren Fotos auf Facebook zugelassen werden dürfen, neu entfachen.

"Ich bin entsetzt", empört sich der schleswig-holsteinische Landesdatenschützer Thilo Weichert im Gespräch mit Golem. Er könne das Verhalten der Schule "nicht nur aus rechtlicher, sondern vor allem aus pädagogischer Sicht nur kritisieren". Kinder dazu zu zwingen, Facebook zu nutzen, müsste seiner Meinung nach "nicht nur öffentlich kritisiert, sondern aufsichtlich gerügt werden". Generell müssen deutsche Schulen vor der Veröffentlichung von Kinderbildern die Erlaubnis der Eltern einholen.

Eltern in die Pflicht nehmen

Auf Facebook selbst macht sich Unmut gegen Kinderfotos auf dem Portal breit. Die Gruppe Keine Kinderfotos im Social Web fordert Eltern auf, nicht nur keine Fotos ihrer Kinder zu veröffentlichen, sondern die Kinder auch aktiv davor zu bewahren, dass Fotos von ihnen veröffentlicht werden. Die Gruppe sieht als Hauptargument die Privatsphäre der Kinder und die Tatsache, dass diese sich oft nicht wehren können, wenn ein Foto von ihnen online gestellt wird. "Zeigt den Kindern die Welt, und nicht die Kinder der Welt", heißt es in einem Statuseintrag der Gruppe.

An sich ist Facebook erst für Personen ab 13 Jahren gedacht. Es gibt aber bereits Gerüchte, dass Facebook an einem Zugang für jüngere Kinder arbeitet. Wie das aussehen soll und ob dieser Kinderbereich dann vom Rest des Social Network abgeschottet wird, ist unbekannt. Datenschützer sind aber schon jetzt besorgt.

(Red.)

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.