Ein neues Update für den Such-Algorithmus von Google hat es in sich. Internetangebote, die "gültige" Urheberrechtsbeschwerden kassiert haben, werden ab sofort schlechter bewertet. Dadurch soll es Nutzern erleichtert werden, "rechtmäßige, qualitative Quellen für Inhalte" zu finden. Google erhielt nach eigenen Angaben in den vergangenen 30 Tagen mehr als vier Millionen Anfragen, die auf eine Entfernung aus Googles Internetsuche aufgrund von Urheberrechtsverletzungen pochten. In seinen FAQ erklärt das Unternehmen, das es 97 Prozent der Beschwerden Folge leistet. In einer ersten Reaktion zeigten sich Vertreter der Musik- und Filmindustrie erfreut über die Maßnahme.
YouTube bevorzugt? Google verneint
Kritiker fürchten jetzt, dass der Webkonzern damit sein eigenes Videoportal YouTube nun ungerecht besser behandelt. Dieses verfügt über eine eigenes System, um Urheberrechtsverletzungen zu melden und nutzt nicht die Beschwerdefunktion, die für andere Websites gilt. Google beteuert aber, dass es YouTube "wie jeder andere Website" in den Suchergebnissen behandeln würde. In der Auflistung der Beschwerden findet sich das Videoportal allerdings nicht. Dessen Entfernungs-Aufforderungen werden ausschließlich intern behandelt.
Musik und Pornos an erster Stelle
Googles Statistiken weisen die Filesharing-Suchmaschine filestube.com als beliebtestes Ziel der Rechteinhaber aus. Mehr als 300.000 Adressen zu diesem Dienst wurden beanstandet. Das bedeutet, dass unter dem neuen Algorithmus dieses Portal nur noch ganz unten (wenn überhaupt) in Suchergebnissen auftauchen wird. Der Großteil der Beschwerden auf filestube.com wurde von der britischen Musikindustrie eingebracht. Insgesamt ist die Musikindustrie weltweit ein aktiver Beschwerdeführer bei Google. Dicht auf den Fersen ist ihr die Pornoindustrie. Sie lässt sich vom Unternehmen Degban Ltd. vertreten. Dieses hatte mehr als eine Million Links zu urheberrechtlich geschütztem Material bei Google gemeldet. Mit rund 800.000 URLs liegt die Musikindustrie auf dem zweiten Platz.
Keine reine Suche mehr
Google startete 1996 und wurde als Suchmaschine beliebt, die jegliche Inhalte schnell und zuverlässig fand. Inzwischen ist das Produkt aber um etliche Ebenen erweitert worden. Außerdem versuchen Unternehmen such Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, SEO), ihre eigenen Angebote relevanter und dadurch weiter oben in den Ergebnissen aufscheinen zu lassen. Hier hat Google bereits versucht, übertriebenen Maßnahmen einen Riegel vorzuschieben. Die neue Änderung an Googles Suche bewegt den Anbieter noch weiter weg von einer reinen Suchmaschine und hin zu einem Kurator des Internet. Wie viele legale Angebote dabei unberechtigt durch den Rost fallen werden, lässt sich noch nicht abschätzen.
Anbiederung an Unterhaltungsbranche
Google muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit der neuen Maßnahme die Unterhaltungsindustrie zu besänftigen. Diese sieht in der Suche des Webkonzerns schon seit Langem ein Mittel zur Softwarepiraterie. Google versucht sich aber über den Play Store inzwischen selbst als Anbieter legaler digitaler Inhalte. Gerüchten zufolge soll Google bei Verhandlungen mit einem Label eine Milliarde Dollar für weltweite Lizenzen angeboten haben. Nach Angaben des Branchenkenners Wayne Rosso soll die Musikindustrie aber zögern. "Sie wollen das Geld aber hassen Google", sagte ein Kenner der Verhandlungen. Grund sei, dass die Suchmaschine auch Ergebnisse zu illegal angebotenem, urheberrechtlich geschütztem Material liefert. Das neue Algorithmus-Update könnte nun die Verhandlungen für Google erleichtern.
(db)
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