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Google stuft Websites mit vielen Copyright-Beschwerden herab

13.08.2012 | 09:06 |  von Daniel Breuss (DiePresse.com)

Wenn ein Angebot sehr viele Beschwerden erhalten hat, wird es in der Websuche schlechter eingestuft. Die Musikindustrie freut sich. Google macht sich damit zu einer Art Kurator des Internet.

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Ein neues Update für den Such-Algorithmus von Google hat es in sich. Internetangebote, die "gültige" Urheberrechtsbeschwerden kassiert haben, werden ab sofort schlechter bewertet. Dadurch soll es Nutzern erleichtert werden, "rechtmäßige, qualitative Quellen für Inhalte" zu finden. Google erhielt nach eigenen Angaben in den vergangenen 30 Tagen mehr als vier Millionen Anfragen, die auf eine Entfernung aus Googles Internetsuche aufgrund von Urheberrechtsverletzungen pochten. In seinen FAQ erklärt das Unternehmen, das es 97 Prozent der Beschwerden Folge leistet. In einer ersten Reaktion zeigten sich Vertreter der Musik- und Filmindustrie erfreut über die Maßnahme.

YouTube bevorzugt? Google verneint

Kritiker fürchten jetzt, dass der Webkonzern damit sein eigenes Videoportal YouTube nun ungerecht besser behandelt. Dieses verfügt über eine eigenes System, um Urheberrechtsverletzungen zu melden und nutzt nicht die Beschwerdefunktion, die für andere Websites gilt. Google beteuert aber, dass es YouTube "wie jeder andere Website" in den Suchergebnissen behandeln würde. In der Auflistung der Beschwerden findet sich das Videoportal allerdings nicht. Dessen Entfernungs-Aufforderungen werden ausschließlich intern behandelt.

Musik und Pornos an erster Stelle

Googles Statistiken weisen die Filesharing-Suchmaschine filestube.com als beliebtestes Ziel der Rechteinhaber aus. Mehr als 300.000 Adressen zu diesem Dienst wurden beanstandet. Das bedeutet, dass unter dem neuen Algorithmus dieses Portal nur noch ganz unten (wenn überhaupt) in Suchergebnissen auftauchen wird. Der Großteil der Beschwerden auf filestube.com wurde von der britischen Musikindustrie eingebracht. Insgesamt ist die Musikindustrie weltweit ein aktiver Beschwerdeführer bei Google. Dicht auf den Fersen ist ihr die Pornoindustrie. Sie lässt sich vom Unternehmen Degban Ltd. vertreten. Dieses hatte mehr als eine Million Links zu urheberrechtlich geschütztem Material bei Google gemeldet. Mit rund 800.000 URLs liegt die Musikindustrie auf dem zweiten Platz.

Keine reine Suche mehr

Google startete 1996 und wurde als Suchmaschine beliebt, die jegliche Inhalte schnell und zuverlässig fand. Inzwischen ist das Produkt aber um etliche Ebenen erweitert worden. Außerdem versuchen Unternehmen such Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, SEO), ihre eigenen Angebote relevanter und dadurch weiter oben in den Ergebnissen aufscheinen zu lassen. Hier hat Google bereits versucht, übertriebenen Maßnahmen einen Riegel vorzuschieben. Die neue Änderung an Googles Suche bewegt den Anbieter noch weiter weg von einer reinen Suchmaschine und hin zu einem Kurator des Internet. Wie viele legale Angebote dabei unberechtigt durch den Rost fallen werden, lässt sich noch nicht abschätzen.

Anbiederung an Unterhaltungsbranche

Google muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit der neuen Maßnahme die Unterhaltungsindustrie zu besänftigen. Diese sieht in der Suche des Webkonzerns schon seit Langem ein Mittel zur Softwarepiraterie. Google versucht sich aber über den Play Store inzwischen selbst als Anbieter legaler digitaler Inhalte. Gerüchten zufolge soll Google bei Verhandlungen mit einem Label eine Milliarde Dollar für weltweite Lizenzen angeboten haben. Nach Angaben des Branchenkenners Wayne Rosso soll die Musikindustrie aber zögern. "Sie wollen das Geld aber hassen Google", sagte ein Kenner der Verhandlungen. Grund sei, dass die Suchmaschine auch Ergebnisse zu illegal angebotenem, urheberrechtlich geschütztem Material liefert. Das neue Algorithmus-Update könnte nun die Verhandlungen für Google erleichtern.

(db)

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12 Kommentare
Gast: gast543
13.08.2012 19:01
0 0

wenn man es weiß

geht man eben gleich auf seite 20 und gut ist

ob sich die musikindustrie dann immer noch freut???

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Re: wenn man es weiß

Ja, freilich. Aber auch dann, wenn man nach Legalem normal sucht, muss man schon mindestens fünf Seiten blättern bis die Datenmüll-Seiten überstanden sind. Da sogar ich schon - ich verwende das nicht so oft - diese Müllseiten fast alle kenne, scheint Google das nicht wirklich im Griff zu haben.

Die Suchergebnisse sind mittlerweile sehr schlecht selektiert hinsichtlich der Relevanz. Das hatte früher viel besser funktioniert.

Also...

...ich erinnere mich, dass meine ProfessorInnen auf der Schule immer meinten Google sei 'böse'.

Nach dieser Aktion glaub ich, distanziere ich mich auch mal von Google, dieser alten Datenkrake.

Gast: Ein Ätzer
13.08.2012 12:33
5 1

Und los geht's!

Die Mitbewerber mit Urheberrechtsbeschwerden eindecken!

Das nenne ich wahren Wettbewerb!

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Und wer...

... "bestraft" google?!?

Gast: Gastastast
13.08.2012 11:34
6 0

Ausser Youtube

Youtube ist die Seite mit den meisten DMCA Beschwerden. Die wird von Google allerdings weiter hoch gerankt. Na dann, ist ja alles in Ordnung.

Ganz nebenbei mal, kann bitte irgendwer endlich diese "Contentindustrie" abschaffen?

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Re: Ausser Youtube

Bei aller Kritik daran, wie sich die oft aufführen: Die Content-Industrie produziert den Content. Sie haben keinen Vorteil, wenn es keinen neuen Content mehr gibt und sie diesen frei heruntladen könnten.

Bevor es den Urheberschutz gegeben hatte, hatten Komponisten ihre Werke selbst aufgeführt. Notenblätter konnte man nicht bekommen, weil die Werke eben nicht geschützt waren.

Konsumieren Sie einfach nichts davon, dann ist es für Sie so wie wenn es die Content-Industrie nicht gäbe. Einzelne Musikgruppen, die sich auf Sponsoring ihrer Fans verlassen hatten haben schon aufgegeben und gehen mittlerweile einer anderen Tätigkeit nach. Die schaffen schon einmal nichts Neues mehr dank der Gratis-"Kultur".

Re: Ausser Youtube

>>Ganz nebenbei mal, kann bitte irgendwer endlich diese "Contentindustrie" abschaffen? <<

Keine Angst das macht sie schon selbst!!!

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Re: Re: Ausser Youtube

Schaffen Sie einfach selbst etwas und verschenken Sie das. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran.

Gast: Frustriert?
13.08.2012 10:16
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So, und jetzt bitte eine Suchmaschiene entwickeln welche es genau umgekehrt auflistet :-)


Gast: FreeBird4
13.08.2012 09:51
9 0

Kein Problem

Das ist die große Chance für andere Suchmaschinen-Anbieter. Hab auf Yahoo umgestellt.

Die Musik/Filmindustrie ist übrigens dämlich. Sie bieten bei vielen Produkten keinerlei Möglichkeit, sie sofort, unkompliziert und - bei Filmen - in jeder bevorzugten Sprache zu kaufen - Verzeihung. Das "Nutzungsrecht auf einem bestimmten Medium" zu erwerben.

Und sie erwarten tatsächlich, dass die Leute heutzutage noch Monate lang auf eine offizielle Release warten, wenn sie bereits jetzt Werbung dafür machen.

Statt dass sie ihre Vertriebsmethoden endlich an die Zeit anpassen, versuchen sie die Zeit an ihre antiquierten Vertriebsmethoden anzupassen.

Gast: gugln
13.08.2012 09:25
4 0

Unternehmensseiten und die auch noch aus Deutschland stehen ganz vorne