Google: Jeder ist Kartograf

15.09.2012 | 18:08 |  von Sara Gross (Die Presse)

Google Maps sind gut, aber nicht perfekt. In Map Maker können Nutzer Wanderwege, City-Bike-Stationen oder Campus-Grundrisse nachtragen.

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Google hat mit seinem Kartendienst die Art, wie wir mit Orientierung und unbekannten Adressen umgehen, völlig verändert. Früher musste man daheim einen Stadtplan aufschlagen, sich auf verschiedenen Seiten die Route zusammensuchen und einprägen oder in Stichworten notieren. Heute ist das alles überflüssig. Im kompliziertesten Fall sucht man in Google Maps via Computer nach einer Adresse und druckt das Ergebnis aus. Nur wenige Sekunden dauert es, unterwegs das Smartphone zu zücken, seinen eigenen Standort anzeigen und die schnellste Route berechnen zu lassen – und das funktioniert mittlerweile sogar mit Radwegen. Google Maps führt auch dann zum Ziel, wenn man sich nicht sicher ist, wie die Gasse genau heißt oder wo ein bestimmtes Restaurant zu finden ist - vor einigen Jahren wäre das noch ein großes Problem gewesen. Dennoch, perfekt ist der digitale Kartendienst nicht. Die Suche nach vielen Campus-Gebäuden der Universität Wien oder nach dem genauen Standort des Spielplatzes im Stadtpark bleiben etwa erfolglos. Jeder Erstsemestrige weiß, wie praktisch es wäre, einen Hörsaal wenige Minuten vor der Vorlesung einfach in Google Maps finden zu können. Diese letzten dunklen Punkte will Google jetzt nach dem Vorbild der Online-Enzyklopädie Wikipedia erhellen. Jeder Nutzer darf mithelfen, Details aus seiner Region nachzutragen.

Bagdad bestand nur aus einem Fluss. Begonnen hat das Projekt bereits 2008. Davor hatten nur 15 Prozent der Weltbevölkerung Zugriff auf detaillierte Karten ihrer Umgebung, schrieb Google in einem Blogeintrag. Ziel war es damals also nicht, City-Bike-Stationen hinzuzufügen, sondern in einigen Regionen der Welt komplett weiße Stellen mit Straßennetzen und Basisinformationen zu füllen. Bagdad bestand in Google Maps früher lediglich aus dem Verlauf des Tigris und drei Hauptstraßen. Ähnlich sah die Situation in Kabul und Tiflis aus. Mittlerweile können in mehr als 200 Ländern Änderungen eingetragen werden. Jede Minute entstehen detaillierte Pläne von Golfplätzen, Zoos oder Häfen, Trampelpfade werden eingetragen und Schleichwege für Radfahrer verraten. Die Schwelle zum Mitmachen ist niedrig. Notwendig ist lediglich ein Google-Account. Angemeldete Nutzer können unter google.com/mapmaker Linien oder Formen zeichnen und angeben, worum es sich handelt.


Lainzer Tiergarten ohne Tor. Die kollektive Erfahrung mit dem Werkzeug fließt in die „Map Makerpedia“ ein, deren Name nicht zufällig an die Wikipedia erinnert. Dort sind auch trickreiche Änderungen genau beschrieben – zum Beispiel, wie man eine Straßenunterführung zeichnet. Der Map Maker hat aber auch Grenzen. Jede Änderung muss von anderen Nutzern geprüft und schließlich von einem Google-Mitarbeiter freigeschaltet werden. Erst dann ist sie für alle Nutzer normaler Bestandteil der Karte.

Nicht alles, was man selbst für nützlich erachtet, ist auch für Google ein willkommener Karteneintrag. Eingänge, etwa zu Parkanlagen, fallen in eine solche Kategorie. Wo genau zum Beispiel die wenigen Tore des Lainzer Tiergartens liegen, wird man also nicht so bald in Google Maps finden. Aber für fast alles gibt es eine alternative Lösung: Das Lainzer Tor ist schließlich auch eine Busstation und als solche eingetragen. Wenn Nutzer beginnen, mit Kreativität Grenzen zu umgehen, kann das aber auch nach hinten losgehen. Wikipedia kann da ein Lied davon singen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2012)

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2 Kommentare

frechheit

dieser artikel ist eigentlich eine frechheit - denn so zu tun, als ob google da was neues erfunden hat ist insofern völlig falsch als das es openstreet-map seit jahren gibt. und katographen machen was anderes als die eingabe von daten.

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Re: frechheit

Das passt schon. Kreative sind heute auch Leute mit einer Kreativfunktion in der Kamera.

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