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Google vergleicht sich mit US-Verlagen

05.10.2012 | 18:24 |   (Die Presse)

Bis 2015 will Google 15 Millionen Bücher scannen und im Internet zur Verfügung stellen. Nun legte der Konzern den Urheberrechtsstreit mit fünf US-Verlagen bei.

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Wien/Red. Was wäre die Welt ohne Johannes Gutenberg? Und wo wäre sie, hätte er sich mit Verwertungsgesellschaften und Urheberrechten herumschlagen müssen? Mit derart epochalen Argumenten erwidert Google die Kritik an seinem Weltprojekt „Google Books“. 2004 verkündete der Internetgigant seinen Plan. Bis zum Jahr 2015 will er 15 Millionen Bücher scannen und im Internet frei zur Verfügung stellen. Im kalifornischen Mountain View steht die Scanfabrik, in der täglich hunderttausende Seiten kopiert werden. Am Ende werden es 4,5 Milliarden Seiten sein.

Mit Containerschiffen und Sattelschleppern wurden die Millionen an Büchern aus den großen US-amerikanischen Universitätsbibliotheken in Harvard und Stanford und der New Yorker Public Library herangekarrt. Für die Bibliotheken ist es eine tolle Sache. Sie bekommen ihre Werke gratis digitalisiert. Auch die Österreichische Nationalbibliothek setzt auf die Dienste von Google (siehe Bericht auf Seite 28).

„Alle Bücher, die je geschrieben wurden, und von denen die meisten in Bibliotheken verstauben, werden ein neues Leben beginnen. (...) Es ist die Demokratisierung des Weltwissens (...). Es ist nichts weniger als das große Ideal der Aufklärung, das nun endlich Wirklichkeit werden kann“, schrieb einst Robert Darnton, der Leiter der Universitätsbibliothek in Harvard.

 

Rechtsstreit dauerte sieben Jahre

Verleger und Verwertungsgesellschaften gingen gegen die „Demokratisierung des Weltwissens“ auf die Barrikaden. Denn Google beabsichtigt, auch Werke ins Internet zu stellen, die noch urheberrechtlich geschützt sind. Fazit: Rund um den Globus hagelte es Klagen. Am Freitag endete eine derartige Auseinandersetzung in New York mit einem Vergleich. Google hat sich mit den US-Verlagen The McGraw-Hill, Pearson, Penguin Group, John Wiley & Sons und Simon & Schuster geeinigt.

Sieben Jahre lang hat der Rechtsstreit zwischen den Verlagen und dem Internetgiganten gedauert. Nun können die Verleger entscheiden, ob sie ihre Bücher Google überlassen oder entziehen. Im Falle einer Zusammenarbeit erhalten die Verlage nicht nur eine digitale Kopie, sie dürfen ihre Bücher auch im Google Play Store zum Kauf anbieten. Abgesehen davon hat sich Google mit jedem Verlag individuell und streng vertraulich finanziell verglichen.

Bereits 2008 hat sich Google mit dem US-Autorenverband geeinigt. Jeder Autor erhielt pro gescanntes Buch 60 Dollar. Zwei Drittel der Verkaufserlöse (Google bietet Abonnements an) fließen den Rechteinhabern zu. Mittlerweile dürfte Google also hunderte Millionen für diverse Vergleiche bezahlt haben: auch sehr zur Zufriedenheit vieler Autoren und Verleger. Trotzdem verstummt die Kritik an dem gigantischen Google-Projekt nicht überall. Vertreter des Buchhandels fürchten nämlich das „Such-Monopol“ des Internetkonzerns. Erst im März dieses Jahres sorgte eine Erhebung in Deutschland für Aufregung. Der Marktanteil von Google bei Online-Suchanfragen liegt dort bei 95,9 Prozent. In Österreich dürfte dieser Wert nicht viel anders sein.

Der Stuttgarter Verleger Matthias Ulmer ist einer der großen Kritiker dieser Entwicklung. Er fürchtet, dass Google sein Informationsmonopol auch missbrauchen könnte. „Was passiert dann mit Büchern, die politisch nicht erwünscht sind?“, sagte Ulmer bereits vor Jahren zur „Presse“. Könnten diese nicht genauso verbannt werden, so wie Google einst auch regimekritische Internetseiten in China streichen ließ?

Google beschäftigte im vergangenen Jahr weltweit 32.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 37,9 Mrd. Euro. Auf der „Forbes“-Liste der mächtigsten Unternehmen der Welt rangiert Google auf Platz fünf.

Auf einen Blick

Google verglich sich mit fünf US-Verlagen in einem Urheberrechtsstreit. Die Verlage hatten die digitale Verwertung von Büchern im Zuge des Google-Books-Projekts angefochten. Google will bis 2015 etwa 15 Millionen Bücher scannen und im Internet zur Verfügung stellen. Wie viel Google den Verlagen zahlt, wird nicht verraten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2012)

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Mehr aus dem Web

9 Kommentare
Gast: TV Kucker
09.10.2012 03:41
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Bei den Simpsons

Kan sich wer an die Folge Simpsons erinnern, in welcher der Musiklehrer die SchülerInnen auffordert, die kopierten Noten rauszunehmen zu Beginn der Musikstunde. Klassisch komisch. =D

Gast: ToommyFox
06.10.2012 08:57
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iBooks

Da mecht es Apple, meiner Meinung nach mit iBooks um einiges besser wie Google. Allein die Qualität der gescannten Bücher wird nie an die von iBooks herankommen

Antworten Gast: Thomas Fuchs
07.10.2012 01:30
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Re: iBooks

"... um einiges besser wie ..."

wann hatten Sie denn zuletzt ein Buch in der Hand, so eines mit Seiten aus Papier?

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Re: iBooks

Ja, da gebe ich Ihnen recht!

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Frechheit!

Eine bodenlose Frechheit, sich hier auf Gutenberg zu beziehen! Der würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass wir GESCANNTE Bücher in einer grauenvollen Qualität auf einem Bildschirm lesen sollen! Das grafische Gewerbe verkommt immer mehr wegen der digitalen Welt!

doch das passt schon..

...sie sehen das zu einseitig. mit gutenberg wurden bücher 'massentauglich'. das gleiche passiert grad wieder.... natürlich ein bisschen anders... grenzen des zugangs verschwinden.

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Re: doch das passt schon..

Das stimmt!

Re: Frechheit!

Pudl dich nicht so auf. in Österreich gibt eh noch keine Google Books. Für manche zählt halt auch der Inhalt.

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Re: Re: Frechheit!

Wenn Sie aus dem Gewerbe kommen würden, würden Sie mich verstehen! :-)