Wien/Weber. Die Veröffentlichung der Zahlen fürs dritte Quartal hatte sich Google-Chef Larry Page mit Sicherheit anders vorgestellt. Mitten im Börsenbetrieb und damit einige Stunden zu früh erschien die Mitteilung an Presse und Investoren, dazu noch in einem unfertigen Zustand. „Zitat von Larry fehlt noch“, war da an einer Stelle in Großbuchstaben zu lesen. Die Reaktion im Internet war schnell: Kurz später ging der Twitter-Account „Pending Larry“ online, in Anspielung auf die Originalpassage „Pending Larry Quote“.
Doch nicht nur die Form, auch der Inhalt des Schreibens war wenig erfreulich: Der Gewinn brach im dritten Quartal um 20 Prozent ein. Die Anleger reagierten entsetzt. Zeitweise verlor die Google-Aktie über zehn Prozent und musste vom Handel ausgesetzt werden. 20 Mrd. Dollar an Börsenwert wurden auf diese Weise vernichtet. Normalerweise sollen solche vorschnellen Reaktionen verhindert werden, indem Quartalsergebnisse erst nach Börsenschluss veröffentlicht werden. Das soll Investoren die Zeit geben, sich in das Zahlenwerk einzuarbeiten.
Mit 9,03 Dollar je Aktie fiel der Gewinn zudem deutlich niedriger aus als erwartet. Unter anderem belastete der Kauf des defizitären Handyherstellers Motorola. Am wenigsten dürfte den Anlegern jedoch geschmeckt haben, dass ausgerechnet das Kerngeschäft Werbung langsamer wuchs.
„Google ist bestens gerüstet“
Wie so viele in der Branche kämpft Google mit dem rasanten Wandel der Nutzer hin zu mobilen Geräten. In einer Telefonkonferenz gestand Page, dass sein Unternehmen für Werbung auf mobilen Geräten weniger einnimmt als auf Webseiten, die von einem PC oder Laptop aus geöffnet werden. Die Folge: Der durchschnittliche Preis, den Google von Werbekunden pro Klick erhielt, fiel gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal stand ein Minus von drei Prozent. Gleichzeitig versprach Page aber, für die mobile Zukunft bestens gerüstet zu sein. Mithilfe von YouTube und seinem mobilen Betriebssystem Android habe Google auf allen Geräten eine starke Wettbewerbsposition.
Auch der Software-Riese Microsoft kämpft mit dem Trend zu mobilen Endgeräten. Weil sich immer mehr Kunden anstatt für einen PC für einen Tablet-Computer oder ein Smartphone entscheiden, verkauft sich das Betriebssystem Windows schlechter. Allerdings dürften auch viele mit einem Kauf gewartet haben, weil die neue Version Windows 8 kurz vor dem Verkaufsstart steht. Der Gewinn von Microsoft brach im abgelaufenen Quartal jedenfalls um 22 Prozent auf 4,5 Mrd. Dollar ein, der Konzernumsatz sank um acht Prozent. Auch hier wurden die pessimistischen Erwartungen der Analysten noch einmal unterboten.
Hoffnung: Mobile Endgeräte
Laut dem Marktforscher Gartner hat sich der Absatz im vergangenen Quartal um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert. „Niemand erwartet für das vierte Quartal einen Anstieg“, sagt Colin Gillis, Analyst bei BGC Partners in New York. Aus diesem Grund kündigte am Donnerstag auch der zweitgrößte Chiphersteller der Welt, AMD, an, 15 Prozent seiner 11.000 Arbeitsplätze zu streichen.
Microsoft schickt deswegen nicht nur ein neues Betriebssystem für Computer ins Rennen, denn die Aussichten am PC-Markt sind trübe. Große Hoffnungen setzt man in Redmond, Washington, daher auf das neue Betriebssystem für Mobiltelefone, Windows Phone 8, und auf den iPad-Konkurrenten Microsoft Surface. Beide Produkte werden in den kommenden Wochen näher vorgestellt beziehungsweise für den Verkauf freigegeben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)

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