Wien/red. „In eurem Alter haben wir noch gegoogelt.“ So oder so ähnlich könnten sich in nicht allzu ferner Zukunft sentimentale Kommentare anhören. Dann jedenfalls, wenn der Analyst und Fondsmanager Eric Jackson recht behält. Er sagte in einem viel beachteten Interview mit dem US-Finanzsender CNBC kürzlich den baldigen Untergang des Google-Giganten voraus.
Jackson kann bei Google keine Ideen dafür erkennen, wie man mit einer Suchmaschine auf Smartphones Geld verdienen kann. Platzierte Werbung auf den Displays kleinerer Mobilgeräte verärgere die Nutzer. Deswegen sagt Jackson Google das Schicksal von Yahoo und Altavista voraus und glaubt, dass „in fünf bis sieben“ Jahren eine neue Suchmaschine den Markt übernimmt. Als Kandidaten Nummer eins sieht er Googles Konkurrent Nummer eins: Apple. Er glaubt, dass es sich bei Apples Sprachsteuerungssoftware „Siri“ um einen ersten Feldversuch für die mobile Suchmaschine der Zukunft handelt.
Argumentation mit Tücken
Google hat zuletzt überraschend schwache Zahlen vorgelegt. Die Wachstumsrate bei „bezahlten Klicks“ (also jenen, mit denen Google Geld verdient) flacht weiter ab. Jackson erwartet in „wenigen Jahren“ auch einen Rückgang bei Suchanfragen generell.
Seine Argumentation weist aber einige Tücken auf: Anders als bei Yahoo und Altavista basiert Googles Erfolg keineswegs nur auf der Suchmaschine. Das mobile Betriebssystem Android wächst schneller als Apples iOS – und warum sollte Google einer Apple-Suchmaschine auf Android eine Chance geben? Auch die Zahlen für das mobile Geschäft sehen gar nicht so schlecht aus. 2012 erwartet Google einen Anstieg der mobilen Einnahmen von 2,5 auf acht Mrd. Dollar. Hier zählen zwar auch die Einnahmen aus dem App-Store von Android dazu. Der Großteil komme aber aus mobiler Werbung, so der Konzern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2012)
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