Google-Glass-Verbot war reiner PR-Gag

Die Datenbrille von Google ist noch nicht am Markt, eine Bar in Seattle hat sie aber bereits verboten und damit für viel Wirbel gesorgt.

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GoogleGlassVerbot reiner PRGag
(c) REUTERS (� Carlo Allegri / Reuters)

Eine kleine Bar in Seattle hat sich die allgemeine Hysterie um Datenschutz und Privatsphäre zunutze gemacht. Die Datenbrille "Google Glass" werde aus dem Lokal verbannt, schließlich könne man damit unauffällig andere Menschen spionieren, verlautete das "The 5 Point Cafe" auf Facebook und traf damit den Nerv der Internetszene. Die Botschaft verbreitete sich in Windeseile und schürte Diskussionen um die Schattenseiten der viel beachteten Datenbrille, die wohlgemerkt noch gar nicht erhältlich ist. In einem Radio-Interview gestand der Bar-Besitzer, dass es sich "eher um einen PR-Gag" handelte. Allzu viel Wert auf die Privatsphäre seiner Kunden dürfte er ohnehin nicht legen - die Bar verfügt über Überwachungskameras. 

Der PR-Gag jedenfalls ist gelungen: Das Versprechen, jenen, die sich nicht daran halten, in den Hintern zu treten, machte das kleine Restaurant auf einen Schlag weltberühmt. Dabei könnte die erste Gelegenheit, das Verbot anzuwenden, noch weit entfernt sein. Der Internet-Konzern Google ist gerade erst dabei, erste Exemplare seiner Datenbrille "Google Glass" unter Test-Nutzern zu verteilen. Die Auserwählten müssen dafür 1500 Dollar (1145,91 Euro) lockermachen.

Gag mit ernstem Hintergrund

Hinter dem durchsichtigen Gag der "5 Point"-Betreiber steckt aber ein ernsthaftes Problem. Auf die Gesellschaft kommen mit Geräten wie Googles Wunderbrille neue Datenschutz-Fragen zu. Schon jetzt kann man dank Smartphones und Kamera-Handys überall auf einem Foto oder Video und damit binnen Sekunden im Internet landen. Neue tragbare Kamera-Computer wie Google Glass könnten dieses Phänomen noch verstärken.

"Wenn ich ein Foto mit meinem Telefon aufnehme, wird die Person im Bild es wahrscheinlich merken", umreißt Analystin Carolina Milanesi vom Marktforscher Gartner den Unterschied im "Guardian". Mit Google Glass hingegen könne das ganz unauffällig geschehen. In ersten Vorstellungen zeigte Google, wie Träger der Datenbrille per Sprachsteuerung ein Bild mit der eingebauten Kamera knipsen. Letztlich könnte damit die Horror-Vorstellung von Datenschützern, dass jeder Mensch Bilder von Fremden auf der Straße durch eine Bilderkennungs-Software jagen kann, einen Schritt näher rücken.

Die Google-Brille, an der der Internet-Gigant schon seit Jahren arbeitet, ist ein Lieblingsprojekt des Mitgründers Sergey Brin. Ein kleiner Bildschirm vor dem rechten Auge soll Informationen aus dem Netz wie Routenanweisungen oder Antworten auf Suchanfragen anzeigen. Das Gerät soll sich nahtlos ins Leben der Träger einfügen - theoretisch zumindest, denn Erlebnisse aus dem Alltag sind noch rar.

Dank neuer technischer Möglichkeiten für immer kleinere Computerteile wird Googles Datenbrille erst der Vorreiter einer ganzen Generation winziger Geräte sein. So sammelt das schwedische Start-up Memoto gerade Geld für eine ansteckbare Mini-Kamera, die alle 30 Sekunden ein Foto schießen und damit das Leben ihrer Nutzer in Bildern festhalten soll.

 

(APA/dpa/Red.)

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