Google: US-Nutzer halten Frankreich für schwul

Die Eingabe "Warum ist Frankreich so" wird von Google automatisch um "schwul" ergänzt - weil das eben die häufigste Ergänzung ist.

A Google search page is seen through the spectacles of a computer user in Leicester
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A Google search page is seen through the spectacles of a computer user in Leicester
(c) REUTERS (Darren Staples / Reuters)

Google zeigt seit 2009 welche Wortkombinationen häufig gesucht werden und gewährt damit auch einen erbarmungslosen Einblick in Vorurteile und gängige Meinungen. Der US-Informatiker Randal Olson hat die Erkenntnisse dieser "Autocorrect"-Funktion in Hinblick auf Vorurteile seiner Landsleute gegenüber anderer Länder ausgewertet. Nach der Eingabe "Warum ist Österreich so" schlägt Google automatisch ergänzende Adjektive vor, die in dieser Kombination eben häufig eingegeben werden. Allen voran "reich".

Litauen? selbstmörderisch

Google-Nutzer scheinen sich bei europäischen Ländern hauptsächlich dafür zu interessieren, warum sie reich oder arm sind. Für vermögend werden neben Österreich auch Deutschland, die Schweiz, Großbritannien und Norwegen gehalten. "Arm" wird bei fast ganz Osteuropa ergänzt. Eine Ausnahme bildet Litauen. Englischsprachige Google-Nutzer fragen sich offenbar, warum das Land so selbstmörderisch ist. Das liegt schlicht daran, dass dort die Selbstmordrate am höchsten ist.

Deutlich aus der Reihe tanzen aber auch Frankreich ("schwul") und Italien ("rassistisch"). Dass die Türkei für "trocken" gehalten wird, stimmt übrigens nicht ganz. Hier liegt eine Verwechslung vor. Google-Nutzer aus den USA interessieren sich eher dafür warum ihr Truthahn (turkey) so trocken ist. Die Eigensicht der Amerikaner dürfte auch nicht so kritisch sein. Ihr eigenes Land verbinden sie bei der Suche am liebsten mit "mächtig", "reich" und "religiös".

Ärger wegen Rufschädigung

"Autocorrect" hat Google bereits öfter Ärger eingebracht. Ganz besonders dann, wenn es um Ehrverletzung oder Rufschädigung von Personen geht. Die Ehefrau des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Bettina Wulff hatte Google 2012 geklagt, da Google nach der Eingabe ihres Namens automatisch die Ergänzung "Rotlicht" vorschlug. In Deutschland entschied der Bundesgerichtshof in einzelnen Fällen auch schon für den Kläger. Google sei es aber nicht zumutbar, aller Ergänzungsvorschläge vorab zu prüfen, hieß es 2013.

>> Website von Randal Olson

 

(sg)

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