Google Earth vereint Mutter und Sohn nach 25 Jahren

16.04.2012 | 12:19 |   (DiePresse.com)

Im Alter von fünf Jahren wurde ein indischer Junge von seiner Familie getrennt. Als Erwachsener fand er zu ihr zurück. Die virtuelle Weltkarte half ihm, seinen Heimatort zu finden.

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Es ist eine Geschichte wie in einem Hollywood-Familiendrama. Ein kleiner indischer Junge wird im Alter von fünf Jahren von seiner Familie getrennt und findet sie nach 25 Jahren wieder. Dabei nutzte er die virtuelle Weltkarte Google Earth, um sein Heimatdorf wiederzufinden. Wie die BBC berichtet, arbeitet Saroo Brierley im Jahr 1986 mit seinem älteren Bruder als Kehrer für die Eisenbahn. Dabei erwischte er einmal einen falschen Zug, schlief ein und wachte 14 Stunden später im für ihn fremden Kalkutta auf.

"Ich war vollkommen verschreckt", erinnert sich Brierley. Als Bettler musste er sich durch die Slums durch Indiens drittgrößte Stadt schlagen, bis er in ein Waisenhaus kam und schlussendlich von einem australischen Ehepaar adopziert wurde. "Ich akzeptierte dass ich verloren war und meinen Weg nachhause nicht mehr finden konnte, also dachte ich, es sei toll nach Australien zu gehen", berichtet der heute 31-Jährige.

"Wie Superman" durch Google Earth

Obwohl er sich gut einlebte, begann mit den Jahren immer wieder seine Vergangenheit an ihm zu nagen. Irgendwann begann er, mit Google Earth "wie Superman" über Indien zu gleiten und nach seinem Heimatort - und seiner Familie - zu suchen. Er hatte aber erst Erfolg, als er die Sache methodischer anging. Brierley multiplizierte die 14 Stunden mit der Geschwindigkeit indischer Züge und gelangte bei einer ungefähren Distanz von 1200 Kilometer außerhalb Kalkuttas an. Recht bald fand er Khandwa, sein Heimatdort. "Ich zoomte hinein und 'Bang' kam es hoch", berichtet er. Anhand eines Wasserfalls, bei dem er als kleines Kind gerne spielte, erkannte er seine alte Heimat wieder.

Als nächstes reiste Brierley nach Indien und fand das Haus seiner Eltern wieder. Allerdings lebte dort niemand mehr. Mit seinen Kindheitserinnerungen und einem alten Foto von sich fragte er sich durch. Ein Gespräch mit einem Nachbar führte dann dazu, dass jemand auftauchte und ihn zu seiner Mutter führte, die er seit 25 Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Nur ein Sohn fand wieder zurück

Das Wiedersehen war für beide nicht einfach. Denn Brierleys Bruder wurde einen Monat nach seinem Verschwinden tot auf den Eisenbahnschienen gefunden. Die Mutter hatte geglaubt, beide Söhne verloren zu haben. "Sie ergriff meine Hand und nahm mich in ihr Haus. Sie konnte nichts zu mir sagen. Ich glaube, sie war genauso benommen wie ich", erzählt Brierley von dem Treffen. Obwohl der Tod seines Bruders an ihm nagt, ist er dankbar für die Zusammenkunft mit seiner neu gefundenen alten Familie.

(Red.)

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3 Kommentare

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Wenn Hollywood und Bollywood gemeinsame Geschichten schreiben/drehen, würde das vermutlich so aussehen.
Natürlich "unterstützt durch Produktplatzierung"

Alternatives Ende:

Dank der Abwässer der Handyfabrik ist der Wasserfall jetzt eine giftige Kloake, der Bruder ist gestorben als es in der Foxconn Fabrik zu einer Aluminum-Stab Explosion gekommen ist. Die Mutter hat Krebs- ausgelöst durch die Produktion der Betterien fuer Hybrid-Autos.

1 0

Re: Alternatives Ende:

Ah ja. Aber das ein damals fünfjähriger, indischer Junge bei der Eisenbahn arbeiten musste schockiert sie in ihrer eigenen Welt weniger, als ihre fiktive Geschichte der Familie, in der die Handyproduktion vorkommt. Interessant.

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