Coca-Cola verschwieg folgenschweren Hacker-Angriff

Hacker brachen 2009 in die Computersysteme des Konzerns ein. Wenige Tage später platzte ein Übernahme-Deal mit einer chinesischen Firma.

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CocaCola verschwieg folgenschweren HackerAngriff
(c) REUTERS (� Stringer Shanghai / Reuters)

Der US-Konzern Coca-Cola erlebte 2009 einen folgenschweren Hackerangriff, der bis heute verschwiegen wurde. Der Nachrichtendienst Bloomberg hat nun einen internen Bericht in die Finger bekommen, laut dem Unbekannte im Frühjahr 2009 ein Monat lang sensible Dokumente aus dem Computernetzwerk von Coca-Cola kopierten. Drei Tage nach dem Vorfall platzte ein Deal, der die größte Übernahme einer chinesischen Firma durch einen ausländischen Konzern geworden wäre. 

2,4-Milliarden-Dollar-Deal platzt

Coca-Cola wollte damals die Huiyuan Juice Group übernehmen, der größte chinesische Safthersteller des Jahres. 2,4 Milliarden Dollar hätte der US-Konzern bezahlt. Die Dokumente, die die Hacker auf den Servern fanden, drehten sich genau um diesen Deal, berichtet Bloomberg. Mitte März 2009 blockierte die chinesische Regierung die Übernahme offiziell aus wettbewerbsrechtlichen Gründen. Kleinere nationale Firmen würden durch den Deal geschwächt und die Auswahl für die Konsumenten eingeschränkt, hieß es damals. Im Vorfeld wurde die Übernahme in China teilweise heftig kritisiert. Es gab Sorgen um Protektionismus und den möglichen negativen Einfluss des Deals auf chinesische Investitionen in ausländische Firmen.

"Comments Group" unter Verdacht

Von dem Hackerangriff erfuhr Coca-Cola bereits 2009 durch das FBI, verschwieg den Zwischenfall aber bis heute. In das System gelangten die Täter über Schadsoftware, die ein ahnungsloser Mitarbeiter durch den Klick auf einen Link in einem E-Mail installierte. Von dem infizierten PC aus verbreitete sich der Virus im Netzwerk und las unter anderem Passwörter aus. Laut dem internen Bericht geht Coca-Cola davon aus, dass die Hacker von einer staatlichen Behörde beauftragt wurden. Sicherheitsexperten halten es für möglich, dass hinter dem Angriff die sogenannte "Comments Group" steckt. Die Gruppe gilt als eine der aktivsten Hackertruppen Chinas und steht schon seit Jahren unter Beobachtung von US-Behörden und Sicherheitsfirmen.

 

(sg)

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