Neuer "Polizeivirus" schockt Nutzer und fordert 100 Euro

29.01.2013 | 16:27 |   (DiePresse.com)

Um ihren Rechner von dem Schädling zu befreien, sollen Nutzer das Geld überweisen. Die Polizei spricht von "digitaler Erpressung". Bisher gibt es vorrangig Fälle in Deutschland.

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Das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben vor einer neuen Erpressungswelle im Internet gewarnt. Auf betroffenen Computern öffnet sich ein Fenster, in dem die Rede davon ist, dass der Rechner angeblich im Zusammenhang mit der Verbreitung von Kinderpornografie, bei terroristischen Aktionen, Urheberrechtsverletzungen oder anderen Straftaten genutzt worden sei, erklärten BKA und BSI am Dienstag in Wiesbaden.

Das Bundeskriminalamt in Wien (BK) teilte auf Anfrage der APA mit, dass in Österreich bisher keine Fälle mit diesem Virus zur Anzeige gebracht worden sind. Im Prinzip handle es sich um eine Abwandlung des Polizeivirus, das in den vergangenen Monaten für viel Ärger bei Usern gesorgt hatte, so BK-Sprecher Mario Hejl. Neu und besonders gefährlich sei diese Variante, weil eine kinderpornografische Abbildung enthalten sei.

Infiziert mit Schadsoftware

Der Nutzer wird bei dem Virus aufgefordert, 100 Euro für einen angeblichen Freigabecode zur Entsperrung des Rechners zu zahlen. In dem Fenster sind die Logos des BSI und der Gesellschaft für Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) eingeblendet. Behauptet wird den Angaben zufolge, dass die Funktion des Computers "aus Gründen unbefugter Netzaktivitäten ausgesetzt worden" sei. Tatsächlich ist der Computer mit einer Schadsoftware infiziert. Diese sorgt demnach auch dafür, dass eine jugendpornografische Darstellung auf dem Bildschirm erscheint.

Das BKA und das BSI mahnten Internet-Nutzer, den geforderten Betrag "auf keinen Fall" zu zahlen. Weder BKA noch GVU seien Urheber der Meldung. Verbraucher sollten sich von dem Foto und der Behauptung, dass die "Wiedergabe von pornografischen Inhalten mit Minderjährigen" festgestellt worden sei, nicht einschüchtern lassen. "Es handelt sich hierbei um eine Form der digitalen Erpressung", erklärten die Sicherheitsbehörden. Sie wiesen zugleich darauf hin, dass die Sicherung der jugendpornografischen Darstellung einen strafbaren Besitz von Jugendpornografie darstelle. Auf der Webseite www.botfrei.de gebe das Anti-Botnetz-Beratungszentrum Hinweise zur Reinigung des infizierten Computers.

(APA/AFP/dpa)

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