Deutsche Firmen: Hacker? Nur bei den anderen

Eine Umfrage ergab, dass deutsche Firmen das Hacker-Risiko massiv unterschätzen und Daten nur sehr schlecht schützen.

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Deutsche Firmen Hacker anderen – (c) REUTERS (� Laszlo Balogh / Reuters)

Deutsche Unternehmen wiegen sich einer Studie zufolge auch nach den jüngsten Enthüllungen über US-Spähprogramme in falscher Sicherheit. Neun von zehn Managern sehen kein oder nur ein geringes Risiko, dass die auf Firmenrechnern gespeicherten Patente oder Kundendaten durch Cyber-Angreifer ausspioniert werden, wie eine am Montag vorgestellte Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ergab.

Verblüffend sei, dass zwar 91 Prozent der Unternehmen allgemein mit einem starken Anstieg der Dateneinbrüche rechnen - sich viele aber selbst offenbar als wenig bedroht betrachten. "Die Einschätzung der Konzerne ist gefährlich: Ich selbst bin geschützt, andere aber nicht", sagte Studienleiter Bodo Meseke.

Er nannte es erschreckend, dass die meisten Unternehmen ihre wertvollen Daten nur stümperhaft sicherten. Mehr als Firewalls und Passwort-Abfragen auf allen Rechnern fahren 85 Prozent der befragen Firmen zur Abwehr von Cyber-Eindringlingen nicht auf. Automatische Überwachungssysteme, die Attacken von Außen erkennen und abblocken, seien lediglich bei jeder zehnten Firma im Einsatz, hieß es.

Am häufigsten spionieren Konkurrenten

Die Höhe des Schadens durch die Computer-Einbrüche ist nach Aussage der Autoren nur schwer zu beziffern, da Manager aus Angst vor einem Vertrauensverlust ihrer Kunden die Zwischenfälle lieber geheim halten. Nur sieben Prozent der befragten Firmen hätten in den vergangenen drei Jahren überhaupt konkrete Hinweise auf Spionageattacken im eigenen Unternehmen gehabt. Hinter den Angriffen stünden in der Hälfte der Fälle ausländische Rivalen, die in erster Linie auf Patente und Produktentwürfe aus seien. In einem von vier Fällen stahlen die eigenen Mitarbeiter die Daten.

Die Erhebung basiert auf einer telefonischen Umfrage unter 400 Geschäftsführern oder IT-Sicherheitsleitern von deutschen Unternehmen, die im Juli durchgeführt wurde. Im Monat zuvor hatte der ehemalige US-Geheimdienstler Edward Snowden Dokumente veröffentlicht, nach denen US-Dienste die eigenen Bürger sowie Regierungen anderer Staaten in beispiellosem Umfang ausspähen.

(APA/Reuters)

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