Sie haben seit Mittwoch deutlich weniger Angebote für Viagra und diverse Verlängerungen bekommen? Das dürfte an einem schweren Schlag gegen die Spam-Verbreiter liegen: Der Webhosting-Provider McColo ist vom Netz getrennt worden. Das berichtet die Washington Post.
Zentrale der Zombie-Netze gekappt
Offenbar haben Cyberkriminelle massiv das Hosting-Angebot (Unterbringung von Websiten auf einem Server) von McColo genutzt. "Sie waren Host für die Computer, die in großen Botnetzen als Kommando- und Kontrollserver fungiert haben", erklärt Paul Wood, Senior Analyst bei MessageLabs. Jetzt sind große Spamschleuder-Botnetze deutlich beeinträchtigt.
Der Besitzer der Computer merkt meist nicht, dass sein Rechner als Bot missbraucht wird.
Bis zu zwei Drittel weniger Spam
Das weltweite Volumen an Spam-E-Mails ist seit Dienstagabend deutlich zurückgegangen und liegt aktuell auf einem relativ geringen Niveau. Nur mehr ein Drittel bis ein Viertel der zuvor üblichen Spam-Aktivität weist beispielsweise die Statistik der Plattform SpamCop aus.
Etliche große Botnetze haben durch das McColo-Aus offenbar wesentliche Server verloren. "Eine weitere Analyse unserer Messungen deutet darauf hin, dass die Aktivitäten von
- 'Mega-D' um 80 Prozent,
- 'Srizbi' um 60 Prozent und jene von
- 'Rustock' um 50 Prozent
abgenommen haben", sagt der Experte. Alle drei zählen zu den größten Botnetzen der Welt. rizbi wurde im Mai von Marshal Limited mit geschätzten 60 Mrd. E-Mails pro Tag als größte Spamschleuder der Welt identifiziert.
Langfristige Wirkung unklar
"Es wird einige Tage dauern, ehe wir sicher wissen, wie die langfristigen Auswirkungen aussehen", meint Wood. Unter anderem liegt das daran, dass bei vielen Botnetzen die tägliche Spam-Menge stark variiert und ein normales Tief zufällig mit dem McColo-Aus zusammenfallen könnte.
Doch die Cyberkriminellen hinter den großen Spam-Netzwerken werden nicht kampflos aufgeben. "Die Hinterleute versuchen Wege zu finden, um die Kontrolle über ihre Botnetze wiederzuerlangen", sagt Wood. Wie schnell und effizient ihnen das gelingt, bleibt noch abzuwarten.
(pte/red)

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