Bis 1992 war der britische Geheimdienst-Chef oberstes Staatsgeheimnis. Ganz wie in Flemings James-Bond-Filmen war nicht einmal der Name des MI6-Direktors bekannt - statt "M" wurde eben das Tarnkürzel "C" verwendet. Ganz so vorsichtig ist der Spionagedienst heute nicht mehr. So viel Öffentlichkeit, wie der künftige MI6-Chef Sir John Sawers jüngst genoß, dürfte aber auch nicht erwünscht sein. Auf Facebook war nachzulesen, wo der derzeitige UN-Botschafter urlaubt, wer seine Freunde sind, wo er, seine Kinder und seine Eltern wohnen. Nicht genug: Britanniens oberter Spionagechef war auf einem Foto in Badehose zu sehen.
Ins Internet gelangt sind diese Details aus dem Privatleben von Sir John durch die Hand seiner Ehefrau. Lady Shelley wollte Verwandte, Freunde und Bekannte über die Ernennung ihres Gatten zum MI6-Chef informieren und gleichzeitig die wachsende Fangemeinde mit zusätzlichem Bildmaterial versorgen. Dass die Sichtbarkeit der privaten Urlaubsfotos auch auf den engsten Freundeskreis eingeschränkt werden kann, wusste sie angeblich nicht. Ihr Profil war so öffentlich, dass alle 200 Millionen Facebook-Mitglieder darauf hätten zugreifen können. Die Opposition in Großbritannien findet die Panne weniger witzig und fordert nun eine genaue Untersuchung, ob Sawers sein Amt überhaupt antreten könne. Außenminister David Milibrand versucht inzwischen zu beruhigen: "Der Chef von MI6 geht schwimmen und trägt Speedos - wow, aber das ist kein Staatsgeheimnis und überhaupt keine Nachricht wert", meinte er in einem Interview.
(Red. )
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