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Menschenrechte: Telekom öffnet Daten für den Diktator

25.05.2011 | 18:11 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

In Weißrussland werden Oppositionelle nach der Auswertung von Handydaten durch die Polizei verhaftet. Die Handlanger von Diktator Alexander Lukaschenko können auf die Daten der Telekom-Austria-Tochter zugreifen.

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Wien. In Weißrussland sind die Schauprozesse angelaufen: In der Vorwoche wurde der Oppositionelle Andrej Sannikow zu fünf Jahren Straflager verurteilt, weil er Unruhen geschürt haben soll. So etwas kommt bei Alexander Lukaschenko, dem weißrussischen Präsidenten und letzten Diktator Europas, nicht gut an. Er regiert das Land seit 17 Jahren mit eiserner Hand. Opposition und Pressefreiheit werden unterdrückt.

Vergangenen Dezember wurde der Herrscher mit fast 80 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Bei dem Urnengang gab es laut internationalen Beobachtern Unregelmäßigkeiten. Sannikow und andere Oppositionelle organisierten auf dem Minsker Oktoberplatz eine Demonstration, zu der 20.000 Leute kamen. Wer sein Handy dabei hatte, beging einen schweren Fehler. Mehr als 600 bis 700 Aktivisten sind verhaftet worden – viele nach der Protestaktion.

Die Polizei konnte anhand der Auswertung der Handydaten feststellen, wer auf dem Oktoberplatz gewesen ist. Dies wirft ein schlechtes Licht auf die Telekom Austria, die in Weißrussland mit ihrer Tochter Velcom 4,4 Millionen Kunden betreut und dort auf einen Marktanteil von 41,9 Prozent kommt. Beim Konzern ist der österreichische Staat mit 27 Prozent größter Einzelaktionär.


Schnittstelle zum Regime? „Wir haben zu keinem Zeitpunkt Personen- und Rufdaten von Oppositionellen und Demonstranten an weißrussische Behörden weitergegeben“, versichert Telekom-Sprecherin Elisabeth Mattes. Aber: Wie alle weißrussischen Netzbetreiber ist Velcom gesetzlich verpflichtet, technische Schnittstellen zur Verfügung zu stellen, damit Behörden Daten abrufen können. „Ein allfälliger Zugriff auf Personen- und Rufdaten erfolgt – im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern – ohne richterlichen Beschluss und ohne Involvierung der Mobilfunkbetreiber“, so Mattes.

Daher könne die Telekom einen allfälligen Datenzugriff durch die Behörden weder dementieren noch bestätigen. Mit anderen Worten: Velcom hat zwar aktiv keine Informationen weitergegeben, Lukaschenkos Leute können sich die Daten aber selbst beschaffen.

Das wiederum ruft Menschenrechtsorganisationen auf den Plan. „Ich kenne den konkreten Fall in Weißrussland nicht“, sagt Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich. Sein Standpunkt lautet grundsätzlich: „Wenn durch die Tätigkeit eines Unternehmens Menschenrechte verletzt werden, ist diese Tätigkeit infrage zu stellen.“ Patzelt will das Amnesty-Hauptbüro in London über die Telekom informieren. „Denn wir haben in Österreich nicht die Möglichkeiten, solchen Fällen nachzugehen.“ Amnesty kritisierte zuletzt Telekomkonzerne – etwa Vodafone, weil diese in Ägypten auf Anordnung des früheren Präsidenten Hosni Mubarak das Handynetz abgeschaltet hatte, damit sich Regimegegner nicht organisieren konnten.

Der grüne Justizsprecher, Albert Steinhauser, kritisiert das Verhalten von Telekom Austria: „In Weißrussland zeigt sich, was mit der Vorratsspeicherung von Daten möglich ist.“ Durch Velcom sei Telekom ungewollt in die Rolle gedrängt worden, Handlanger für ein diktatorisches Regime zu sein.


Auch wirtschaftliche Folgen. Laut Astrid Steinkellner vom Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte (BIM) sollen Unternehmen generell vor einem Einstieg in Problemländern „eine grundlegende menschenrechtliche Folgenabschätzung vornehmen“. Bereits 2008 sei die Telekom an das BIM herangetreten, menschenrechtliche Beratung im Zusammenhang mit Weißrussland durchzuführen. Laut Steinkellner steht das Projekt auf „Stand-by“.

Der nächste Schritt wäre gewesen, die Schnittstellen zwischen Telekom Austria und den weißrussischen Behörden zu überprüfen. „Wir wollen wissen, wie die Datenabfrage genau abläuft“, so Steinkellner. Zudem sollte geklärt werden, ob die Rechtslage in Weißrussland den europäischen und internationalen Menschenrechtsstandards entspricht. „Telekom Austria ist eine österreichische Firma. Das heißt, auch deren Töchter müssen sich im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung an EU-Standards halten.“

Abgesehen von menschenrechtlichen Aspekten droht der Telekom auch wirtschaftlich eine negative Überraschung. Zu Wochenbeginn wurde der weißrussische Rubel um 50 Prozent abgewertet. Dazu Telekom-Sprecherin Mattes: „Wir evaluieren die Situation – und werden sehr rasch zu einer Entscheidung hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise kommen.“ 2009 gab der Rubel um 33 Prozent nach, was eine Wertberichtigung von 290 Millionen Euro in der Bilanz notwendig machte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2011)

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46 Kommentare
 
1 2
Gast: Imperialist
27.05.2011 09:48
0 0

Zensur

Sind die Zensoren bei der "Presse" die inoffiziellen Mitarbeiter des Lukaschenko-KGB? Dann wundert mich nicht, daß mein Kommentar nicht veröffentlicht wurde, dafür aber die widerliche Diktaturpropaganda von "Belaruski 1"

0 0

Re: Zensur

Vielleicht haben Sie es an Hoeflichkeit fehlen lassen, bei Imperialisten kann man nie sicher sein.
Ich kann keine "Diktaturpropaganda" in den Feststellungen von Belaruski 1 erkennen, oder haben Sie sich von der Demokratie schon so weit entfernt, das die Aufzaehlung von Tatsachen von Ihnen bereits als "widerlich" eingestuft wird ?

Antworten Antworten Gast: Imperialist
27.05.2011 16:17
0 0

Re: Re: Zensur

Tja, Genosse KGBiski 2 (wie seine übrigen Artgenossen) kann alles nicht erkennen, was nicht im Einklang mit seiner totalitären Ideologie ist. Es war schon zu den Zeiten des Genossen Stalin so, als die linken Fanatiker vom glücklichen Sowjetleben schwärmten und die wildesten Propagandamärchen als Tatsachen eifrig aufzählten. Die Lernfähigkeit ist nicht gerade die Stärke der International-Sozialisten.

0 0

Re: Re: Re: Zensur

Wenn jemand die Zeit von Stalin mit den heutigen Zustaenden vergleicht und meint diese seinen genauso wie damals, dann gebe ich Ihnen Recht:
Sie sind nicht Lernfaehig !

Gast: wenn wunderts ?
27.05.2011 08:12
0 0

die rot,schwarze Bande verkauft doch schon seit Jahren die Daten ihrer Bürger und ihre Staats? tun halt das selbe.


Gast: iridium
26.05.2011 22:18
0 0

Schade

Schade, dass ich mich in der oesterreichischen Presselandschaft nicht so gut auskenne. Schon am 08. Januar habe ich auf derStandard.at gefragt:

"Die Mobilfunkfirma VELCOM (100% Telekom Austria Group (28.42% ÖIAG)) gibt massenhaft Daten a l l e r am Abend des 19.12. im Minsker Zentrum eingeloggten Handys ihrer Kunden an den KGB, der in dieser Woche begonnen hat, diese Leute vorzuladen, bzw. per Telefon zu kontaktieren. Kann mir jemand hier weiterhelfen, wer in Österreich die politische Verantwortung fuer die ÖIAG traegt, um Betroffenen in Belarus zu ermoeglichen, wiederum diesen massenhaft zu kontaktieren? Danke."

aber leider keine Reaktion bekommen. Haette ich wohl eher hier fragen sollen...

GKRIEGL
26.05.2011 22:16
1 0

Wer sagt eigentlich,

daß das bei uns in Österreich nicht auch geschieht?
Die EU hat uns die Bürgerrechte schon sehr weit geschmälert.
Und unsere Politiker stimmen brav zu, sonst gibt es ja keine gutbezahlten Posten in Brüssel.
Man muß ja an die Zeit nach der nächsten Wahl denken!

Gast: Beno
26.05.2011 20:10
1 0

gefärbte Berichte

Über Osteuropa wurde noch nie fair berichtet, immer nur einseitig.
Meinungsbildung einer so genannten Demokratie hier.

Gast: Netzteufel
26.05.2011 19:49
1 0

Mein Gott die Telekom würde für Gewinne alles tun.

Momentan verkauft sie gerade Ihre Daten. Ja, auch Ihre.

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Herr Hoeller, was reimen Sie da zusammen ?

Bereits am 19 Dez 2010 wurden 619 Personen festgenommen, diverse Ueberwachungskameras haben die Gesetzesuebertritte, wie Schlaegerein, Fensteinwerfen etc festgehalten. Seither wurden keine weiteren Festnahmen in dieser Angelegenheit gemeldet. In den Gerichtsverhandlungen wurden keine Mobil Daten als Beweis vorgelegt. Was erzaehlen Sie uns da fuer Rauebersgeschichten ?
Waere es nicht besser Sie wuerden eine ganze Seite den armen Weissrussischen Kindern widmen, die zur Zeit durch die Wirtschaftskrise schwer zu leiden haben und die in manchen Gebieten noch immer unter der Tschernobyl Katasthrophe leiden. Es waere daher fuer Oesterr. eine Soziale Tat nicht so wie jedes Jahr nur 200 Kinder im Sommer auf Erholung aufzunehmen sondern mit Hilfe der Bundesregierung oder der Telekom oder Raiffeisenbank diese auf 1000 aufzustocken. Gerade erst erhoeht die Velcom/Telecom Belarus die Gebuehren um mindestens 10% ! Ein Kind kostet 150 Euro an Reisespesen, Gastfamilien finden sich sicher. Es sind daher 150 000 Euro aufzubringen !! Nur diese Meldungen wollen wir lesen, nicht ob die Telecom vielleicht zukunftsorientiert investiert hat. Uebrigens, Lukaschenka wird bald in Pension gehen, die Kinder werden aber noch in 50 Jahren von dem Aufenthalt in Oesterr. berichten und Botschafter Oesterreichs /leider gibt es ja keine Oesterr Botschaft in Belarus, viel wichtiger ist ja d Oesterr in Simbabwe eine Vertretung hat!/ sein!

vegetation
26.05.2011 15:58
0 0

nord- korea

vielleicht hat nord-korea auch eine lizenz fuer die tekekom zuverkaufen

0 0

Re: nord- korea

Die neue Global Peace Liste mit 153 Staaten:

Belarus Nr 112
Turkey Nr 127
Russland Nr 147
North Korea Nr 149

Ansonsten verweise ich auf einen fair geschriebenen Kommentar weiter unten von Belaruski 1 !

Karl Kater
26.05.2011 15:24
0 0

Das Problem

Das Problem heisst Alexander Lukaschenko.

Telekom bashing ist zweifellos wesentlich einfacher.

Gast: Hinweis_1
26.05.2011 13:45
1 1

sollte

Lukaschenko bei dieser verfluchten "internationalen Staatengemeinschaft" in Ungnade fallen, wird dieses beschissene Land Oesterreich wieder ganz oben sein beim (laecherlichen) Sperren von Konten und bei Buffets, bei denen eine Kreatur wie Spindelegger seine Erleichterung ueber die politischen Veraenderungen in der Welt zum Ausdruck bringen wird. Bis dahin agiert die Telekom. Es stoert nicht im geringsten das Agieren und Cashen. Es stoert diese kotzige Moral.

Gast: Gasti
26.05.2011 12:44
5 1

Frechheit war aber zu erwarten, und wird bald in

der EU nicht anders sein. Der Westen ist mittlerweile auch nur noch eine reine Diktatur in den USA werden Richter von den Gefängnisbetreibern bezahlt um Kinder einzusperren und um möglichst hohe Strafen auszusprechen. Die US Gefängnisse werden jedoch nicht von Amerikanischen Firmen geleitet und gebaut sondern von einem Europäischen Unternehmen. IMSI Catcher zum Leben Retten, Rasterfahndung, Terrorparagraph, Vorratsdatenspeicherung, etc... Was unterscheidet uns noch groß von Ländern wie Weißrussland. Blogger wurden auch bei uns verhaftet, kurz vor Wahlen Server der Opposition beschlagnahmt, Oppositionelle Politiker in der Presse vernadert, etc...

Antworten Gast: Notiz4
26.05.2011 13:40
3 1

Re: Frechheit war aber zu erwarten, und wird bald in

Sie fragen, was uns noch unterscheidet ? Die Antwort ist ganz klar: in anderen Diktaturen WEHREN SICH die Menschen gegen die Tyrannei - und wenn es nur im Untergrund ist. In Europa, im speziellen in Laendern wie A sind diese angepassten Idioten mit den Zustaenden zufrieden. Sonst sind die Unterschiede sehr, sehr gering

marketbg
26.05.2011 10:38
3 1

Telekom Austria

Typisch österreichischer Staat- bei jedem Monopol im Ausland dabei sein, Willkür über Kunden walten lassen und dann behaupten: Wir haben nichts mit diesen Firmen zu tun, wir kassieren nur tüchtig mit ab! Und so lange die Kasse stimmt - Menschenrechte hin, Menschenrechte her.

Gast: ROTER OKTOBER
26.05.2011 08:51
1 4

Das taugt den Kontrarevolutionären natürlich nicht, dass man ihre kriminellen Umtriebe beweisen kann!

Zum Glück wird auch in Österreich beherzt die Handyüberwachung genützt um gefährliche Personen auszuschalten.
Und gut, dass man das auch ohne richterlichen Beschluss und so undemokratische Massnahmen machen kann!

Gast: edwood123
26.05.2011 08:45
1 2

... mein handy vertrag


... läuft in ca. 3 monaten aus.

auch ich kann ein zeichen setzen und werde bei einem anderen anbieter meinen nächsten handyvertrag abschliessen


Antworten Antwelm
26.05.2011 10:21
0 0

Re: ... mein handy vertrag

oder dir ein PrePay Handy kaufen das ist noch besser.

Antworten Gast: .pns
26.05.2011 10:04
1 0

Re: ... mein handy vertrag

...aber wer garantiert dir dort einen besseren Umfang mit den anfallenden Daten?

Leider kann man sich Heute diesbezüglich gar nicht mehr sicher sein.
Traurig, aber is' so.

Antworten Gast: Verzweifelter
26.05.2011 09:42
1 0

Re: ... mein handy vertrag

edwood123! Keine Ahnung oder Pisa-Studien Vertreter?

Es ist egal - jeder andere Anbieter wird sie auch in Österreich "mit richterlicher Parafe" in die Pfanne hauen!

Gast: markus trullus
26.05.2011 06:58
2 1

Quadratur des Machtmißbrauchs

Jetzt ist das geschehen, vor dem alle Kritiker der Datentrasparenz gewarnt haben: dass Datensicherheits- Preigabe derartigen Regimes zum Machtmissbrauch mit unabsehbaren Folgen treibt. Dank Vernachlässigung des Datenschutzes. Ja, ich weiß, in der VRC ist das eh die Normaliltät. Aber bitte nicht in Europa! Leute, unterstützt die Datenschützer jetzt noch viel mehr, im Netz und überall! Unterstützt, was immer ihr könnt! Ich tus auch!

anna89
26.05.2011 06:43
6 0

Wenn's um's Geld geht, gibt es keine Moral


Die Telecom hängt vom Goodwill der Regierung ab und wird so zum Werkzeug.

In anderen Sparten gibt es die umgekehrten Konstellationen, die ebeso Menschen verachtend sind.

Deprimierend.

und?

Schauprozesse gibt's bei uns auch.

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Opposition und Pressefreiheit

In Belarus gibt es keine geordnete Opposition. Wenn sie es geben würde, hätten sie einen Kandidaten in das Rennen geschickt und nicht deren NEUN.
Die Pressefreiheit ist wesentlich höher einzustufen als im EU-Staat Ungarn.
Kein internationaler Beobachter hat namentlich bei den Wahlen Ungereimtheiten festgestellt.
Die Verhaftungen im Bezug auf das erstürmen des Regierungsgebäude am 19. Dezember erfolgten nicht durch die Handydaten, sondern durch Perlustrierungen vor Ort.
Was die Überwachung (Handy, Internet) betrifft, muß sich die EU selbst anklagen.
Weiters:
In Belarus werden bei Unruhen weder Wasserwerfer noch Tränengas eingesetzt. In den EU-Staaten ein völlig normaler Vorgang.
Zur Erinnerung:
Was sich am 19. Dezember in Minsk abgespielt hat, war keineswegs eine friedliche Demonstration sondern ein Putschversuch.
In so einen Fall (Unruhen und dergleichen) haben in der EU laut Lissabonvertrag die Sicherheitsorgane die Erlaubnis zu töten.

Ich verbringe seit Jahren viel Zeit in Belarus, und fühle mich dort keineswegs in einer Diktatur.
Eine interressante Stellungnahme eines österreichischen Nationalrates letzte Woche.
Volksbefragungen sind nur in autoritären Staaten wie Belarus ist üblich.
Merkwürdige Ansichten eines Abgeordneten eines demokratischen Staates.
In der EU sind solche Aktionen wie Volksbefragungen unbekannt. Daher sind Staaten wo diese durchgeführt werden Diktaturen.

 
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