Sicherer im Internet, das ist das Anliegen des Safer Internet Day, der vergangenen Dienstag bereits zum neunten Mal stattgefunden hat. In rund 70 Ländern werden rund um diesen Tag Aktionen zur Bewusstseinsbildung durchgeführt. Während im Vorjahr Senioren im Blickpunkt gestanden sind, geht es heuer um Kinder und Jugendliche. Diese sind immer früher und – dank Smartphones – auch immer freier, sprich unkontrollierter im Netz unterwegs, wie Saferinternet.at-Koordinator Bernhard Jungwirt berichtet. „Facebook etwa erlaubt Nutzer ab 13 Jahren, nach unserer Erfahrung haben aber bereits viele der älteren Volksschulkinder ein Profil“, weiß Jungwirth.
Das führt mitunter zu Problemen, wie eine vor einer Woche präsentierte Market-Umfrage zum Thema „Eltern und Interneterziehung“ zeigt. Mehr als die Hälfte der Eltern findet, dass ihre Kinder zu viel surfen, zu hohe Handyrechnungen folgen auf Platz zwei der Beanstandungen, danach kommen ungeeignete Inhalte. Die Weitergabe persönlicher Daten ist 14 Prozent ein Dorn im Auge.
Reden ist Gold
Was man dagegen tun kann, ist für Experten klar: das Gespräch suchen. „Reden, reden reden“ ist laut Jungwirth das Patentrezept. Nur bei den Jüngsten, die noch nicht aktiv nach ungeeigneten Inhalten suchen, wären Filterprogramme, die von 45 Prozent der Eltern in Betracht gezogen werden, sinnvoll. Ansonsten ist für den Saferinternet-Koordinator eine gute Gesprächsbasis entscheidend. Nur dann würden Kinder bei Problemen wie Cybermobbing – der Verunglimpfungen auf Online-Plattformen – den Rat der Eltern suchen. Dazu gehört auch, dass die Kinder keine Überreaktion in Form genereller Internetsperre befürchten müssen. „Das Internet ist heute fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen und bietet auch für den späteren Lebensweg große Chancen“, gibt Jungwirth übervorsichtigen Eltern zu bedenken. In die gleiche Kerbe schlägt auch Sonia Livingstone, Leiterin des Projekts EU Kids Online: „Mit Kindern über das Internet zu sprechen, sie zu ermutigen, es selbstständig zu erkunden, und für den Fall negativer Erlebnisse in der Nähe zu bleiben, damit können Eltern am ehesten die Onlinerisken verringern, ohne die positiven Erfahrungsmöglichkeiten zu beschneiden.“
Parallel dazu raten Experten wie Jungwirth dazu, gewisse Grundregeln wie „nichts ohne Zustimmung online kaufen“ oder „keine persönlichen Daten weitergeben“ zu vereinbaren. Ein wichtiger Aspekt ist die Unterscheidung zwischen „echt“ und „fake“. Die Kinder diesbezüglich zu sensibilisieren kann sie nicht nur vor Betrügern und Kriminellen im Netz schützen, auch bei ungeeigneten Inhalten wie Pornografie ist es wichtig zu wissen, dass es sich hierbei nicht um ein Abbild der Realität handelt. Zu den weiteren Themen, die besprochen werden sollten, gehört, ein Bewusstsein für Urheberrechte zu schaffen, erklärt Jungwirth. Bezüglich der Problematik, andere durch die gedankenlose Veröffentlichung von Informationen oder Fotos bloßzustellen, rät der Experte, an die Empathie der Jugendlichen zu appellieren. Es sei nämlich nicht so, dass Jugendliche im Netz keinen Wert auf Privatsphäre legen. Nur in der Gewichtung, welche Inhalte als „privat“ gelten und wem diese gezeigt werden, gäbe es Unterschiede zu Erwachsenen.
Dass vor allem die Eltern gefragt sind, wird von diesen selbst bestätigt. Laut besagter Market-Studie sehen sie sich als Hauptverantwortliche für die Sicherheit ihrer Sprösslinge im Netz, deutlich vor Schule oder Politik. Der Großteil der Befragten hält Gespräche über die Risken des Internets oder über dort Gesehenes für wichtig. Allein, die guten Vorsätze werden selten eingehalten. Der Anteil der Eltern, die derlei Gespräche tatsächlich führen, liegt bei unter 50 Prozent, 18 Prozent der Eltern von Sechs- bis 13-Jährigen surfen nie gemeinsam mit ihrem Nachwuchs, 27 Prozent nur gelegentlich.
Ein Grund mag sein, dass Eltern sich nicht kompetent genug fühlen. Hier relativiert Jungwirth: „Zwar kennen sich die Jugendlichen technisch oft besser aus, mögliche Gefahren und Fallen können aber Erwachsene besser einschätzen, sie haben also durchaus etwas zu sagen.“ Ebenfalls ermutigend: Laut EU-Studie sehen zwei Drittel der Kinder elterliche Schutzmaßnahmen positiv.
Eltern-Workshops
Damit Eltern noch kompetenter werden, finden sich auf der Saferinternet-Website Infomaterial und Selbsttests für Eltern und Pädagogen. Zusätzlich organisieren Partner wie Microsoft oder A1 Workshops. A1 bietet im Rahmen des „A1 Internet für alle“-Programms in Wien wöchentliche Eltern-Workshops an. Laut Trainer Wolfgang Pospischill drehen sich die dort behandelten Fragen meist um Facebook, Privatsphäre, Cybermobbing und illegale Downloads. Auch Pospischill plädiert dafür, diese Themen mit den Kindern zu besprechen und sich die Online-Aktivitäten zeigen zu lassen – wobei es aber nicht darum gehe, die Privatsphäre der Kinder offenzulegen, sondern Interesse zu zeigen.
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
www.saferinternet.at, www.it-initiative.at/ http://a1internetfüralle.at/campus/
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)
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