Die Zukunft des Internet-Riesen Yahoo! steht auch nach dem neuerlichen Annäherungsversuch durch Microsoft weiter auf der Kippe. Auf einer Konferenz in Budapest betonte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Montag erneut, dass der Softwarekonzern eine komplette Übernahme von Yahoo! auch weiterhin in Betracht ziehe. Unterdessen halten Branchenbeobachter aber auch eine Zerschlagung des Internet-Konzerns für möglich.
Direkte Verhandlung mit Icahn möglich
Yahoo!-Investor Carl Icahn hatte die Yahoo!-Spitze für ihr Nein zum Angebot in Höhe von 47,5 Mrd. Dollar (30,5 Mrd. Euro) massiv kritisiert. Sollte Microsoft erneut einen Komplett-Kauf anstreben, werde das Unternehmen möglicherweise direkt mit Icahn verhandeln oder sich an andere Aktionärsrebellen wenden, sagte Ballmer in Budapest.
Icahn könnte Chefetage auswechseln
Icahn hatte bereits gedroht, gemeinsam mit anderen über den geplatzten Deal verärgerten Aktionären den Verwaltungsrat von Yahoo! mit eigenen handverlesenen Kandidaten neu zu besetzen und damit auch Yahoo!-Chef Jerry Yang zu vertreiben.
Ob der aggressive Investor auch mit Gesprächen über eine begrenzte Partnerschaft zufrieden sein wird, ist ungewiss. Microsoft hatte dem Internet-Konzern eine Kooperation angeboten, in der Microsoft Anzeigen verkaufen will, die auf den Trefferlisten der Yahoo!-Suchmaschine geschaltet werden. Im Markt mit solchen Anzeigen ist der Erzrivale Google mit Abstand Marktführer.
Teilkauf der Suchmaschine möglich
Nach bisher offiziell unbestätigten Berichten erwägt Microsoft allerdings auch eine Übernahme des Internet-Suchanzeigengeschäfts sowie des Asien-Geschäfts von Yahoo, einem Filet-Stück des Unternehmens. Das berichtet etwa das "Wall Street Journal". Microsoft würde im Gegenzug als Minderheits-Aktionär beim dann verbleibenden Rest-Yahoo! einsteigen. Mit dem Verkauf könnte Yahoo zusammen rund 31 Milliarden Dollar lukrieren, schätzt Sandeep Aggarwal, Analyst bei Collins Steward LLC dem Bericht zufolge.
Microsoft oder Google
Bei einer möglichen Kooperation im Suchanzeigen-Geschäft mit Microsoft könnte die Yahoo!-Führung allerdings vor anderen Problemen stehen: Der Internet-Konzern hatte über Wochen bereits eine intensive Werbe-Partnerschaft mit Google getestet. Der Suchmaschinen-Primus hatte der Yahoo-Führung wiederholt Hilfe beim Abwehren einer Übernahme durch Microsoft angeboten.
"Microsoft hat viele böse Dinge getan"
Mit-Gründer Sergey Brin kritisierte unterdessen auch die neuen geplanten Kaufabsichten von Microsoft. "Es wäre schlecht, wenn ein Unternehmen mit einer Geschichte wie Microsoft, das viele böse Dinge getan hat, in einem gewissen Sinn das Internet kaufen könnte", stichelte Brin in der Zeitung "Russian Daily" in Moskau gegen Microsoft. (Ag.)

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