NEW YORK (br). Yahoo und Google haben ein Online-Werbeabkommen für die USA und Kanada vereinbart, das Yahoo jährlich zusätzliche Suchanzeigen-Werbeeinkünfte von 800 Mio. Dollar (520 Mio. Euro) bringen könnte. Yahoo gab außerdem das Scheitern der Diskussionen mit Microsoft über eine vollständige Übernahme oder den Kauf des Suchanzeigengeschäfts durch den Software-Branchenführer bekannt.
Microsoft hatte 33 Dollar je Aktie oder 47,5 Milliarden Dollar geboten, doch wollte Yahoo-Konzernchef Jerry Yang 37 Dollar je Aktie haben, woraufhin Microsoft auf einen vollständigen Yahoo-Kauf verzichtete. Doch der Konzern wollte weiterhin das Yahoo-Suchanzeigengeschäft übernehmen und nach Darstellung von Branchenkennern 16 Prozent der Yahoo-Aktien für 35 Dollar je Anteil kaufen. Yahoo lehnte dies ab und entschied sich stattdessen für die Kooperation mit Google. Microsoft betonte in einer Erklärung, dass man weiter die „alternative Transaktion“ diskutieren könne.
Die Wall Street wertete die Yahoo-Vereinbarung als eindeutigen Sieg für Google. Die Yahoo-Aktien sackten um um rund zehn Prozent auf 23,52 Dollar ab, während sich der Google-Kurs um 1,4 Prozent auf 52,95 Dollar festigte. Die Microsoft-Anteile stiegen um 4,1 Prozent auf 28,24 Dollar.
Gewinner ist Google
Google habe Yahoo und Microsoft neutralisiert, die beiden größten Konkurrenten im Internet-Suchanzeigengeschäft, argumentierten Marktkenner. Yahoo könne zwar kurzfristig höhere Einnahmen verbuchen, gerate aber langfristig durch eine teilweise Übertragung des Suchanzeigengeschäfts an Google weiter in Rückstand. Google stärke seine dominierende Position weiter.
Washington wird die Werbekooperation zwischen Google mit einem US-Marktanteil von rund zwei Dritteln und Yahoo, der Nummer zwei, kartellrechtlich genau unter die Lupe nehmen. Microsoft liegt weit abgeschlagen auf Platz drei und wollte Yahoo haben, um Google im Online-Werbegeschäft besser Konkurrenz machen zu können. Google und Yahoo haben die Umsetzung der Vereinbarung um bis zu dreieinhalb Monate aufgeschoben, um eine Überprüfung durch das US-Justizministerium zu ermöglichen. Die nicht-exklusive Werbevereinbarung zwischen Yahoo und Google hat eine Laufzeit von zunächst vier Jahren mit zwei jeweils dreijährigen Verlängerungsperioden, falls Yahoo dies wünscht.
Der Internet-Werbemarkt wird nach Darstellung von Yahoo von 40 Mrd. Dollar in 2007 bis 2010 auf 75 Mrd. Dollar wachsen. Microsoft könnte sich nach Ansicht von Branchenkennern um AOL von Time Warner oder um gut laufende Internet-Sites wie MySpace sowie um Facebook bemühen, um sein schwaches Online-Werbegeschäft zu stärken. Der amerikanische Investor und Yahoo-Minderheitsaktionär Carl Icahn will Yahoo-Chef Yang ausbooten. Er macht Yang für die geplatzte Übernahme durch Microsoft verantwortlich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2008)

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