Sunnyvale. (mac). Fast trotzig meldete sich das angeschlagene Internetportal Yahoo jüngst zu Wort und verteidigte die geplante Kooperation mit Rivalen Google. Man begebe sich nicht in die Hände des Konkurrenten und werde das eigene Suchmaschinengeschäft stark ausbauen, ließ der Konzern verlauten.
Das könnte schwierig werden, denn die Reihen beim zerrütteten Internetpionier lichten sich zusehends. Jüngster Abgang ist Qi Lu, der als Manager für die Suchtechnologie bei Yahoo verantwortlich war.
Exodus der besten Köpfe
Doch Lu ist nicht der erste prominente Abgang. Gleich nach Bekanntwerden der ersten Übernahmegerüchte durch Microsoft hatte der Exodus der Köpfe begonnen. Die Fusion ist letztlich am Widerstand des Firmengründers Jerry Yang gescheitert, seine besten Mitarbeiter muss er dennoch ziehen lassen.
Seit Anfang des Jahres haben bereits 30 führende Mitarbeiter die Flucht ergriffen. Allen voran die Flickr-Gründer Caterina Fake und Stewart Butterfield. Auch Jeff Weiner, Chef der Netzwerk-Abteilung und Forschungsleiter Usama Fayyad sind nicht mehr an Bord.
Auslöser für die jüngste Abwanderungswelle dürfte aber weder die geplatzte Fusion mit Microsoft noch die Kooperation mit Google gewesen sein. Vielmehr ließ die Ankündigung der Yahoo-Managerin Sue Decker, die Konzernführung künftig schlanker zu gestalten, viele Spitzenleute um ihren Einfluss zittern. Mit der geplanten Restrukturierung des angeschlagenen Konzerns und der Zusammenlegung von Produktsparten droht vielen von ihnen der Fall in die Bedeutungslosigkeit. Also zogen etliche der bedrohten Spitzenleute die Notbremse und gingen aus freien Stücken.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2008)

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