Microsoft rudert nach dem offiziell eingestandenen Scheitern der Übernahme-Gespräche mit Yahoo zurück: Im Falle eines Führungswechsels bei dem Suchmaschinen- und Portalbetreiber wolle Microsoft ein neues Kaufoffert nicht ausschließen, sagte Microsoft-Manager Kevin Johnson der "Financial Times Deutschland" (Montag) in Cannes. "In der gegenwärtigen Situation ist es schwer zu spekulieren, was passieren wird. Dies ist etwas, was Yahoo und Jerry Yang sowie deren Aktionäre und Vorstände klären müssen."
Auf der für den 1. August angesetzten Hauptversammlung wird sich entscheiden, ob sich Yahoo-Großaktionär Carl Icahn, der bisher einen Verkauf des Unternehmens angestrebt hatte, mit eigenen Kandidaten durchsetzen wird und es ihm gelingt, den bisherigen Unternehmens-Chef Jerry Yang abzusetzen.
Unmittelbar nach dem zuletzt bekanntgegebenen Scheitern der Gespräche hatte die derzeitige Yahoo- Führung bereits eine umfangreiche Partnerschaft mit Konkurrent Google angekündigt. Ob diese Zusammenarbeit möglicherweise Kartellrechts-Bedenken von offizieller Seite weckt, steht noch aus.
Yang will nichts verkaufen
Eine in der vergangenen Woche nach außen gedrungene E-Mail von Kevin Johnson an seine Mitarbeiter hatte zuletzt die derzeitige Yahoo-Führung unter Jerry Yang erneut unter Druck gesetzt. Yang lehnte danach ein letztes Angebot von Microsoft ab, die Suchmaschinensparte für eine Milliarde Dollar zu kaufen sowie weitere 8 Mrd. Dollar in Yahoo-Aktien zu investieren. Gegen einen Teilverkauf nur des Suchmaschinen-Geschäfts hatte sich allerdings zuletzt selbst Übernahme-Freund Icahn ausgesprochen. Eine wie ursprünglich angestrebte Komplett-Übernahme hatte Microsoft am Ende der Gespräche ausgeschlossen.
"Kann sein, dass Yahoo wieder auf uns zukommt", bestätigte auch Microsofts oberster Werbestratege Yusuf Mehdi der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zunächst plane das Unternehmen allerdings erst einmal eine Zukunft ohne Yahoo.
Nach zuletzt kleineren Zukäufen unter anderem für die stärkere Verknüpfung von traditioneller und Online-Werbung und Rabatt-Aktionen für Werbekunden plane Microsoft im kommenden Jahr in erster Linie die Verbesserung der eigenen Produkte und will dafür in Europa ein eigenes Forschungszentrum aufbauen. Unter anderem mit strategischen Partnerschaften etwa mit Hewlett-Packard wolle das Unternehmen zudem seine Suchmaschinen-Marke MSN stärken.
Seit Jahren rangiert Microsoft im Suchmaschinengeschäft deutlich hinter dem Branchenprimus Google und dessen Verfolger Yahoo.
(Ag.)

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