Digitalsphäre

Können Sie das seltsame Wort »Festplattenabgabe« auch schon nicht mehr hören?

 

 

Das ewige Gezerre um die sogenannte Festplattenabgabe zerrt an unser aller Nerven. Eine Entscheidung ist überfällig. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Umstands, dass hier ungeniert Millionen Euro – die Rechteinhabern von Musik, Fotos, Filmen, Texten usw. zugute kommen sollen – seit Jahren von den Konsumenten einkassiert, aber nicht an die vorgesehenen Empfänger ausgezahlt werden. Mittlerweile sind einige der Händler, die dieses Geschäft betreiben und sich zu allem Überdruss auch noch zu Vordenkern eines „modernen Urheberrechts“ erklärt haben, spektakulär pleitegegangen. Jetzt fehlen nur noch ein paar jeder Verschwörungstheorie hinterhermarschierende Hanseln, die meinen, daran wären Andreas Gabalier (wahlweise: Sigi Maron), seine Plattenfirma, die AKM und die Bilderberger schuld.

Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen: mir gefallen Preisaufschläge und Pauschalabgaben auch nicht. Aber dass z.B. ausgerechnet die Arbeiter- und (!) die Wirtschaftskammer unisono gegen eine pragmatisch angelegte Form eines Beitrags zur Existenzgrundlage von Künstlern wettern, lässt sich aus dem Blickwinkel letzterer nur als Chuzpe interpretieren. Wovon lebt eigentlich der gemeine Kammerfunktionär so? Und was treibt all jene an, die meinen, Kreative mögen gefälligst ihre Geistesprodukte herschenken, die Hände falten und den Mund halten? Dass mit aufgeganselten „Geiz ist geil!“-Egoshootern, die nun partout aus Protest ihre Terabyte-Raids in Luxemburg, Großbritannien oder China bestellen wollen, keine weiterführende Diskussion möglich ist, ist schade, aber verschmerzbar.

Die Frage wirtschaftlicher Kompensationen und gerechter Transferzahlungen im Digitalzeitalter ist seit Jahren am Tapet. Und sowohl national wie international von vielen Seiten her beleuchtet, analysiert und diskutiert worden. Ohne finale Erkenntnis. Der Status quo ist, ja, hinterfragenswert. Eine mittelprächtige Regelung sollte aber erst dann abgelöst werden, wenn eine deutlich sinnvollere, zukunftsträchtigere vorliegt. Und mir sind partout jene lieber, die versuchen, konkrete Lösungen auch umzusetzen, als sich entweder aus populistischen Motiven davor zu drücken oder ins weite Reich der Phantasie zu flüchten. Call it Realitätssinn! Ich habe mehr Respekt vor denen, die etwas für Kunst & Kultur tun als vor jenen, die um jeden Cent greinen, den sie eh nicht ausgeben. Oder nur in China.

Mehr unter groebchen.wordpress.com/

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2014)

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