Volle Kraft voraus durch die Technikwelt

Mobilität. Geschichten, die das Leben schreibt - und zwar mit einer Hand: Radtest, Schlüsselbeinbruch, Bestnote.

Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist“, hat Friedrich Torberg einst die Tante Jolesch weissagen lassen. Ich kann mir den Spruch ins Tagebuch schreiben. Denn ich hatte noch Glück im Pech. Als Profi-Maschinist und Tester im Auftrag der „Presse am Sonntag“ schwang ich mich vor wenigen Tagen in den Sattel, um ein Elektro-Bike zu prüfen. „Nur mal so“, also ohne Helm, und mit unbekümmertem Karacho. Das Rad fordert Tempo heraus: Es ist der Prototyp eines Leichtbau-Bikes – wiegt gerade zwölf Kilogramm – mit einem Elektromotor, der permanent die gesetzlich höchstzulässige Dauerleistung von 250 Watt abgibt. Die dünnen 28-Zoll-Rennreifen, die Zehn-Gang-Schaltung von Shimano und ein niedrig gebauter Lenker geben einem das Gefühl, im Windschatten von heimischen Radlegenden wie Max Bulla, Ferry Dusika oder Bernhard Kohl unterwegs zu sein. Es kam, was kommen musste: Ich riss eine Mordsbrezn. Es war und ist nun einmal keine gute Idee, die Schienen der Wiener Straßenbahnlinie 6 queren zu wollen. Und, ja, ich hatte Glück: kein Auto oder gar die Bim direkt hinter mir – und der Kopf blieb auch verschont. Dafür musste das Schlüsselbein dran glauben. Glatter Bruch links. Die nächsten Wochen im Freibad kann ich mir abschminken. Wenn Sie jetzt meinen, der gefährliche fahrbare Untersatz bekäme meinen Unmut über dieses Malheur ab, muss ich Sie enttäuschen. Das Rad ist wunderbar und gut zu beherrschen – sofern man Gleisrillen vermeidet. Der Preis von knapp 4000 Euro für das gute Stück der Newcomer-Marke Freygeist ist eventuell schmerzlich hoch, aber die Konkurrenz für den Urban Professional im Bereich Mobilität heißt Vespa oder Smart. Und man ist mit dem Freygeist in der Stadt tatsächlich so flott unterwegs wie mit dem Kleinauto, kann legal gegen Einbahnen fahren und muss sich nicht den Kopf über Steuer, Pickerl und Kurzparkzonen zerbrechen. Höchstens über die Begehrlichkeiten von Fahrraddieben: Dem Rad sieht man nicht seine spezielle Konstruktion, dafür aber seinen Preis an. Zu kaufen gibt es das hiermit höchst positiv getestete Freygeist-Bike – weitere Modelle sind in Planung – noch nicht.

Jedenfalls nicht regulär. Wenn die Begehrlichkeit siegt, werden Sie Crowdfunding-Pionier! Ich selbst überlege noch. Mindestens, bis ich den schmerzlich engen Rucksack-Verband entfernen darf.

Mehr unter http://groebchen.wordpress.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2015)

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