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Techniknostalgie

08.05.2010 | 18:42 |  von Walter Gröbchen (Die Presse)

Von der 3,5-Zoll-Diskette bis zum Commodore C64 – nichts verschwindet ganz.

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Wenn Dinge verschwinden, hinterlassen sie Lücken. Aus denen irgendwann Erinnerungslücken werden. Oder können Sie noch aus dem Stegreif sagen, wann Sie die letzte 3,5-Zoll-Diskette in den Diskettenschlitz Ihres Computers gesteckt haben? Wie – Ihr PC hat solch eine ominöse Öffnung gar nicht? Nie gehabt? So rasch kann es gehen. Die Meldung, Sony verabschiede sich mit Ende des laufenden Geschäftsjahres endgültig von diesem Speichermedium, überraschte nicht wirklich. Alles hat seine Zeit. Und die Zeit der „Floppy Disc“ – maximale Speicherkapazität 1,44 Megabyte (!) – ist definitiv abgelaufen. Trotzdem rühren solche Nachrichten immer ans Herz. Jedenfalls kann ich mich gut an die frühen Achtzigerjahre erinnern, als das Plastikteil Modernität verströmte. Und die weit weniger schicken 5,25- und 8-Zoll-Formate plötzlich nur mehr ödes Hinterherhinken signalisierten. Im ORF wurden damals übrigens noch rotierende Magnetbandspulen ins Bild gerückt, wenn Wahlhochrechnungen anstanden. Professor Bruckmann und das Volk fassten erst spät Vertrauen zu PCs.

Aber bevor ich Sie jetzt mit Großväterchens Geschichten aus dem Krieg zu langweilen beginne: Es verschwindet eh nie etwas ganz. Im Fall der 3,5-Zoll-Diskette hat umgehend der Hersteller Verbatim aufgezeigt und eine Fortsetzung der Produktion verkündet. Wahrscheinlich gibt es irgendwo in China auch noch eine Klitsche, die Iomegas Zip-Laufwerke nachbaut. Oder die Magneto Optical Disc (MOD) von Fujitsu. Datasetten für Commodore-C64-Nostalgiker. Oder... Stopp! Die Evolutionsschautafel der Computergeschichte samt allen Hauptarmen und abgestorbenen Seitenverästelungen hat hier nicht genug Raum. Ich kenne Kollegen, die haben für solche Zwecke daheim ein eigenes Regal okkupiert. Eine Abstellkammer. Oder gar den ganzen Keller. Schon chic: ein privates technisches Museum. Inventarnummer eins: die erste Spielkonsole, auf der man dereinst daddelte. Die Sentimental Journey, zu der ganze Generationen neigen, triggert auch kommerzielle Phantasien. Dass etwa der erwähnte legendäre C64-Brotkasten – jener PC, der der gesamten Video- und Computerspielebranche auf die Beine half – in irgendeiner Reinkarnationsform wiederaufersteht, hab ich seit seinem Verschwinden von der Bildfläche sicher schon hundertmal gelesen.

Mehr unter: groebchen.wordpress.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2010)

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