Hoch an der Zeit, hierorts wieder einmal ein handfestes Stück Technik auf den Seziertisch zu legen, anstatt sich in Orwell-Szenarien und Zukunftsspekulationen zu verlieren. Man kann sich da nämlich schön täuschen. So schrieb ich vor zwei Jahren – damals war die Krise noch neu, mittlerweile hat man sich fast daran gewöhnt –, dass der Wirtschaftsleithammel des 20.Jahrhunderts, die Autoindustrie, sich neu erfinden müsse. Es sei quasi ihre letzte Chance. Und saurierhafte Zweieinhalb-Tonnen-Benzinkutschen würden am Markt vorbeiproduziert.
Was passierte? Heute brummt die Kfz-Industrie mehr denn je. Die Zulassungszahlen sind formidabel – nur jene der als Instant-&-Universal-Zukunftshoffnung gepriesenen Elektromobile (noch) nicht. Die längsten Lieferzeiten haben bezeichnenderweise SUVs. Das Kürzel steht für „sport utility vehicle“, also voluminöse Fahrzeuge, die zumindest optisch so tun, als könnte man mit ihnen die Serengeti durchqueren. Natürlich sitzen drin hauptsächlich Senioren, die nie auch nur auf einen Feldweg abbiegen. Der schöne Wagen könnte ja durch aufgewirbelten Staub verdrecken! Das Erfolgsgeheimnis dieser Fahrzeugklasse ist die hohe Sitzposition. Und der bequeme Einstieg. Ich war diesen Sommer über zu Testzwecken mit einem (Billig-)SUV unterwegs, einem Dacia Duster. Der rustikale Karren fährt sich kaum schlechter als ein Mitsubishi ASX. Und was die Blechmaterialschlacht, die gefälligst zu beeindrucken hat, betrifft, ist auch der GLK von Mercedes kein Schönling. Sonst fällt mir zum Dacia wenig ein.
Dafür blieb erst vorgestern mein Blick auf der Website www.spassmarktplatz.de hängen. Dort werden angebliche reale, aber hauptsächlich kuriose bis obskure Angebote von Ebay zusammengetragen. Darunter das Offert, Ferraris, Maseratis, Porsches oder gar einen Bugatti Veyron – mit 1001 PS das stärkste Serienfahrzeug der Automobilgeschichte – zu einem Bruchteil des Originalpreises zu liefern. Als Replica. „Vom Original nicht zu unterscheiden, aber viel wartungs- und kostenfreundlicher“, heißt es. Den Bugatti könne man etwa mit Zwölf-Zylinder-Motor von Mercedes bestellen, zu einem Fünftel des ursprünglichen Preises. Hübsche Idee. Ich bestell mal probeweise einen Duster-Nachbau mit Rasenmäher-Motor. Der Nachbar, aber erst recht der Lieferant werden schauen. Mehr als zweitausend Euro kann der Spaß ja nicht kosten.
Mehr unter: groebchen.wordpress.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2011)
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