Die insgesamt 1,3 Milliarden Euro schwere Übernahme des Mobilfunkers Orange durch den kleineren Konkurrenten 3 zieht sich weiter, ebenso der dafür notwendige Verkauf der Orange-Billigtochter Yesss an den Marktführer A1. Für diesen Teil des Deals, der 390 Millionen Euro des Gesamtpakets ausmacht, brachten am Donnerstag die Wettbewerbshüter in Wien einen Prüfungsantrag beim Kartellgericht ein. "Beide Anbieter haben die Bedenken der Wettbewerbsbehörde bislang nicht ausräumen können", teilte die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) mit. Man bedauere, dass keine der Parteien zu Zugeständnissen bereit gewesen sei.
Zu starke Marktmacht für A1 befürchtet
Die BWB befürchtet "gravierende Nachteile für den österreichischen Markt und vor allem für die Konsumenten", hieß es in der Aussendung. Die A1-Diskontmarke Bob würde durch den Yesss-Kauf keinen Konkurrenten im Prepaid-Markt mehr haben, lautet die Argumentation. Der Marktanteil von A1 würde im Sprachtelefonie-Bereich auf 39 Prozent anwachsen, im Segment "Breitband Festnetz plus Mobil" (wie es die BWB formuliert) sogar auf mehr als 53 Prozent. Daher gehe die Prüfung in die nächste Phase, die mindestens fünf weitere Monate dauern könne.
Orange-Chef: "BWB ahnungslos"
Die Telekom Austria Group übte nur zwischen den Zeilen Kritik, etwa als man in einer Aussendung betonte, es habe eine „fristgerechte Vorlage von detaillierten Informationen sowie bestimmte Verpflichtungserklärungen" gegeben.
Von Orange hingegen kam scharfe Kritik an der BWB. Dass durch die Yesss/Telekom-Fusion der Prepaid-Markt ausgeschalten würde, wie die BWB schreibt, stimme einfach nicht. "Da sprüht die größte Ahnungslosigkeit hervor", sagt Orange-Boss Michael Krammer. Während nämlich die Orange-Billigtochter Yesss 90 Prozent Prepaid-Kunden habe, seien es bei der A1-Billigmarke Bob 90 Prozent Vertragskunden. Der wahre direkte Konkurrent von Yesss sei vielmehr tele.ring, eine Marke von T-Mobile.
Stefan Keznickl, Sprecher der BWB, widerspricht gegenüber von DiePresse.com allerdings dieser Darstellung und wehrt sich gegen den Vorwurf der "Ahnungslosigkeit". Nach objektiver Analyse der Werbeschaltungen sei die BWB zum Schluss gekommen, dass Yesss und Bob in starkem Wettbewerb stehen. Ein Indiz dafür sei, dass eine wechselseitige Verwendung stattfinden würde. Und, auch darauf legt Keznickl Wert: Die Telekom Regulierungsbehörde RTR vertrete genau dieselbe Auffassung.
Gesamter Orange-Verkauf wackelt
Der Yesss/A1-Deal wird von der BWB in Wien abgehandelt, für die Orange/3-Fusion ist hingegen die EU-Kommission zuständig. Auch bei diesem Deal "gibt es von der Kommission zahlreiche Bedenken", behauptet die BWB. Die Mobilfunker hatten bisher immer erklärt, dass man den Ergebnissen der Prüfungen gelassen entgegen sieht. 3-Chef Jan Trionow hatte immer erklärt, dass ohne Zustandekommen des Yesss-Verkaufs die gesamte Fusion platzen würde. In einer knappen Aussendung ließ er als Reaktion auf die BWB-Entscheidung verkünden, dass sein Unternehmen weiterhin "offen und konstruktiv" mit den Behörden zusammenarbeiten werde.
Zukunftstechnologie kommt nicht
Sowohl 3 als auch Orange stehen vor einem Problem. 3 benötigt neue Frequenzen, um die kommende Funktechnik LTE sinnvoll nutzen zu können. Und bei Orange stockt der Netzausbau. Der Mutterkonzern France Telecom und das Private-Equity-Konstrukt Mid Europa Partners (MEP) sind nicht mehr bereit, in den übersättigten österreichischen Markt zu investieren. Trionow und Orange-Chef Michael Krammer hatten bereits angedroht, dass bei einer für sie ungünstigen Konstellation der LTE-Ausbau nur mit minimalstem Einsatz betrieben werden würde. Die Betreiber argumentieren, dass damit ein noch größerer Nachteil für Kunden entsteht, als durch den Verkauf von Yesss an A1.
(APA/db)
HTC One im TestDesignerstück mit Foto-Qualitäten
DiePresse.com/Handy
Technik-Experten-QuizKey Lime Pie zum Frühstück?
