26.05.2013 04:44 Merkliste 0

Orange-Verkauf wackelt: Kartellgericht muss Deal prüfen

28.06.2012 | 16:09 |   (DiePresse.com)

Der Kauf von Yesss durch A1, eine Bedingung für den Orange-Kauf durch 3, besorgt die Wettbewerbshüter. Orange-Chef Krammer wirft der Behörde "Ahnungslosigkeit" vor.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die insgesamt 1,3 Milliarden Euro schwere Übernahme des Mobilfunkers Orange durch den kleineren Konkurrenten 3 zieht sich weiter, ebenso der dafür notwendige Verkauf der Orange-Billigtochter Yesss an den Marktführer A1. Für diesen Teil des Deals, der 390 Millionen Euro des Gesamtpakets ausmacht, brachten am Donnerstag die Wettbewerbshüter in Wien einen Prüfungsantrag beim Kartellgericht ein. "Beide Anbieter haben die Bedenken der Wettbewerbsbehörde bislang nicht ausräumen können", teilte die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) mit. Man bedauere, dass keine der Parteien zu Zugeständnissen bereit gewesen sei.

Zu starke Marktmacht für A1 befürchtet

Die BWB befürchtet "gravierende Nachteile für den österreichischen Markt und vor allem für die Konsumenten", hieß es in der Aussendung. Die A1-Diskontmarke Bob würde durch den Yesss-Kauf keinen Konkurrenten im Prepaid-Markt mehr haben, lautet die Argumentation. Der Marktanteil von A1 würde im Sprachtelefonie-Bereich auf 39 Prozent anwachsen, im Segment "Breitband Festnetz plus Mobil" (wie es die BWB formuliert) sogar auf mehr als 53 Prozent. Daher gehe die Prüfung in die nächste Phase, die mindestens fünf weitere Monate dauern könne.

Orange-Chef: "BWB ahnungslos"

Die Telekom Austria Group übte nur zwischen den Zeilen Kritik, etwa als man in einer Aussendung betonte, es habe eine „fristgerechte Vorlage von detaillierten Informationen sowie bestimmte Verpflichtungserklärungen" gegeben.
Von Orange hingegen kam scharfe Kritik an der BWB. Dass durch die Yesss/Telekom-Fusion der Prepaid-Markt ausgeschalten würde, wie die BWB schreibt, stimme einfach nicht. "Da sprüht die größte Ahnungslosigkeit hervor", sagt Orange-Boss Michael Krammer. Während nämlich die Orange-Billigtochter Yesss 90 Prozent Prepaid-Kunden habe, seien es bei der A1-Billigmarke Bob 90 Prozent Vertragskunden. Der wahre direkte Konkurrent von Yesss sei vielmehr tele.ring, eine Marke von T-Mobile.

Stefan Keznickl, Sprecher der BWB, widerspricht gegenüber von DiePresse.com allerdings dieser Darstellung und wehrt sich gegen den Vorwurf der "Ahnungslosigkeit". Nach objektiver Analyse der Werbeschaltungen sei die BWB zum Schluss gekommen, dass Yesss und Bob in starkem Wettbewerb stehen. Ein Indiz dafür sei, dass eine wechselseitige Verwendung stattfinden würde. Und, auch darauf legt Keznickl Wert: Die Telekom Regulierungsbehörde RTR vertrete genau dieselbe Auffassung.

Gesamter Orange-Verkauf wackelt

Der Yesss/A1-Deal wird von der BWB in Wien abgehandelt, für die Orange/3-Fusion ist hingegen die EU-Kommission zuständig. Auch bei diesem Deal "gibt es von der Kommission zahlreiche Bedenken", behauptet die BWB. Die Mobilfunker hatten bisher immer erklärt, dass man den Ergebnissen der Prüfungen gelassen entgegen sieht. 3-Chef Jan Trionow hatte immer erklärt, dass ohne Zustandekommen des Yesss-Verkaufs die gesamte Fusion platzen würde. In einer knappen Aussendung ließ er als Reaktion auf die BWB-Entscheidung verkünden, dass sein Unternehmen weiterhin "offen und konstruktiv" mit den Behörden zusammenarbeiten werde.

Zukunftstechnologie kommt nicht

Sowohl 3 als auch Orange stehen vor einem Problem. 3 benötigt neue Frequenzen, um die kommende Funktechnik LTE sinnvoll nutzen zu können. Und bei Orange stockt der Netzausbau. Der Mutterkonzern France Telecom und das Private-Equity-Konstrukt Mid Europa Partners (MEP) sind nicht mehr bereit, in den übersättigten österreichischen Markt zu investieren. Trionow und Orange-Chef Michael Krammer hatten bereits angedroht, dass bei einer für sie ungünstigen Konstellation der LTE-Ausbau nur mit minimalstem Einsatz betrieben werden würde. Die Betreiber argumentieren, dass damit ein noch größerer Nachteil für Kunden entsteht, als durch den Verkauf von Yesss an A1.

(APA/db)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

15 Kommentare
Gast: NMJ
28.06.2012 18:41
0 0

ss ich nicht unfreiMir ist nur wichtig, dawillig Kunde von 3 werde.

Hauptsächlich weil mir chinesische Firmen suspekt sind.

Re: ss ich nicht unfreiMir ist nur wichtig, dawillig Kunde von 3 werde.

chinesische Firmen sollten dir nicht suspekt sein, denn die lassen sich nicht von lokalen und westlichen bürgerüberwachungsinstitutionen bezirzen. und die chinesische regierung willst du ja nicht stürzen, oder?

Die Wettbewebshüter haben absolut Recht

Im Hochpreisland Österreich ist der Mobilfunk eines der ganz wenigen Produkte die hier billiger sind als in anderen Ländern. Und dafür sind logischerweise Anbieter wie yesss, bob und telering verantwortlich. Wenn es hier zu einer Marktbereinigung kommt kann das langfristig nur zu höheren Preisen führen. Und was den Ausbau mit neuen Techniken betrifft, Herr Krammer, die braucht in Wahrheit kein Mensch. Meine monatliche Handyrechnung beträgt 8,80 für 1000 Minuten und 1000 SMS, und beides verbrauche ich nicht. Internet am Handy kommt überhaupt nicht in Frage. Bezeichnen sie mich meinetwegen als rückständig. Ich bin lieber rückständig als verschuldet aufgrund hoher Handyrechnungen.

Gast: Take one und es ist ein klax to be really free
28.06.2012 17:27
1 1

Die BWB hat mehr Ahnung vom Markt als Krammer von BWL

Krammer meint wohl, die BWB hätte vom Mobilfunktmarkt so viel Ahnung wie er von BWL.

Ich erinnere mich noch: "Wir schreiben 30 Prozent Gewinn." :-)

Man muß gestehen: Er hat die Chance, die sich mit "Weg mit dem Speck" geboten hat, genützt und hat sich so einen Namen gemacht.

Wenn man von nichts eine Ahnung hat, dann senkt man halt Preise. :-)

Mit Jorgen Bang-Jensen und Lars Reichelt hat man in der Brünnerstraße schon echte Kaliber gesehen. Lang ist's her.

4 0

Gesaettigter Markt = Billig Telefonieren

seien wir froh, dass unser telekom-markt so uebersaettigt ist. telefonieren ist in kaum einem land so billig wie bei uns.

Wie Behörden wieder Verhindern!

Typisch österreichisch. Von nix eine Ahnung aber die Finger immer im Markt haben wollen!

Antworten Gast: OE7
29.06.2012 07:52
0 0

Re: Wie Behörden wieder Verhindern!

Schon derzeit stehen die 2010 versteigerten 2,6GHz LTE Frequenzen zur Verfügung.
Ausgebaut wurde bisher kaum, obwohl insgesamt 190MHz an Frequenzspektrum vorhanden sind und die Funkausbreitung nur unwesentlich schlechter als bei UMTS ist.

Auch wenn die jetzt anstehende Versteigerung bereits stattgefunden hätte, so könnten nur der 800MHz Bereich mit 60MHz Frequenzspektrum sofort genutzt werden, da die 900/1800MHz Frequenzen erst 2016,2018 und 2020 zur Verfügung stehen. (Von den 3,4MHz Schutzband im 1800MHz Bereich mal abgesehen).

Wenn der LTE Bedarf wirklich so groß wäre, dann würden das sofort nutzbare Spektrum im 800HMz Bereich nicht ausreichen. Ein LTE Ausbau im 2,6GHz Bereich wäre aus Kapazitätsgründen in den Ballungszentren sowieso notwendig.
Dass dieser aber bisher noch nicht bzw. kaum stattgefunden hat, liegt wohl eher daran, dass die Betreiber selbst, den Bedarf noch nicht so groß einschätzen.

Die Gegenargumente wackeln

Ich bin yesss-Kunde, und bin sehr wohl zwischen yesss und bob gewackelt.

Ob Vertragsoption oder nicht, macht für mich dabei keinen grossen Unterschied.

Gast: Peter der Kleine
28.06.2012 12:19
2 2

Quersubvention

EUR 390 Mil. für Yess ist eine reine Quersubvention des Deals durch A1. Diese Unsumme für 700,000 nicht profitable Prepaid Kunden zahlen die Konsumenten bald mit höheren Gebühren zurück. Danke BWB!

2 0

Re: Quersubvention

jede konsolidierung im telekommarkt wird in einer gewissen weise negative auswirkungen auf die kunden haben, da telefonieren bei uns ja praktisch nur teurer werden kann. irgendwann werden wir mehr zahlen fuers telefonieren, da werden wir nicht drum herum kommen...

es kann gar nicht sein, dass alle anbieter profitabel arbeiten. 3 war mit sicherheit nicht profitabel in den letzten jahren. hutchinson sieht unser land als testmarkt fuer deren internationales geschaeft und jetzt versuchen sie duch den orange kauf auch hier profitabel fuss zu fassen.

5 3

gravierende Nachteile für Konsumenten

gravierende nachteile für konsumenten entstehen nur durch die verzögerung, denn solange da nichts weitergeht, investieren weder orange noch 3.
damit zögert sich auch die Vergabe weitere LTE frequenzen hinaus, womit dann auch die restlichen konsumenten betroffen sind...

Re: gravierende Nachteile für Konsumenten

das problem fühle ich als orange kunde auch!

Antworten Gast: OE7
29.06.2012 07:37
0 0

Re: gravierende Nachteile für Konsumenten

Schon derzeit stehen die 2010 versteigerten 2,6GHz LTE Frequenzen zur Verfügung.
Ausgebaut wurde bisher kaum, obwohl insgesamt 190MHz an Frequenzspektrum vorhanden sind und die Funkausbreitung nur unwesentlich schlechter als bei UMTS ist.

Auch wenn die jetzt anstehende Versteigerung bereits stattgefunden hätte, so könnten nur der 800MHz Bereich mit 60MHz Frequenzspektrum sofort genutzt werden, da die 900/1800MHz Frequenzen erst 2016,2018 und 2020 zur Verfügung stehen. (Von den 3,4MHz Schutzband im 1800MHz Bereich mal abgesehen).

Wenn der LTE Bedarf wirklich so groß wäre, dann würden das sofort nutzbare Spektrum im 800HMz Bereich nicht ausreichen. Ein LTE Ausbau im 2,6GHz Bereich wäre aus Kapazitätsgründen in den Ballungszentren sowieso notwendig.
Dass dieser aber bisher noch nicht bzw. kaum stattgefunden hat, liegt wohl eher daran, dass die Betreiber selbst, den Bedarf noch nicht so groß einschätzen.

Antworten Gast: Martin_S
28.06.2012 18:28
1 3

Re: gravierende Nachteile für Konsumenten

Und? Wo liegt das Problem? Telefonieren geht sowieso nicht via LTE (dazu schalten die beteiligten Stationen wieder runter auf UMTS/HSDPA), und ob eine SMS 1 sec oder 2 sec braucht, ist völlig schnurzpiep! Und TV am Handy... Das ist genauso sinnvoll wie das 3D Fernsehen mit Brille - diese Hype ist ja auch wieder vorbei...

0 0

Re: Re: gravierende Nachteile für Konsumenten

Mein Smartphone hat zu 90% den PC ersetzt. Und ich wäre sehr froh über den LTE Standard um schneller zu surfen. TV am Smartphone ist ausserdem was feines ab und an. Das über LTE gestreamt flutscht fix wie Butter.