Am Mittwoch richtet die gesamte Smartphone-Branche ihre Aufmerksamkeit wieder auf San Francisco. Am Abend europäischer Zeit wird dort der nächste König unter den Mobiltelefonen inthronisiert. Das hofft zumindest Apple, denn so leicht wie seine Vorgänger hat es das nächste iPhone nicht. Die Konkurrenz ist stark und die Erwartungen hoch. Als Apple vor rund einem Jahr das iPhone 4S vorstellte, waren viele Analysten und Fans enttäuscht, dass Apple das Rad nicht wieder neu erfunden hatte.
Wie immer gibt sich der Konzern im Vorfeld der Präsentation verschwiegen. Der einzige karge Hinweis ist eine Einladung, auf der das Datum, 12. September, einen Schatten in der Form eines Fünfers wirft. Wie immer geistern auch diesmal zahlreiche Gerüchte durch Internet und Medien. So soll das neue iPhone genauso breit sein, aber einen etwas längeren Bildschirm haben. Glaubt man den vielen Bildern und auch Videos im Internet, behält das neue Apple-Telefon grundsätzlich die Form des iPhone 4 und 4S, wird aber etwas dünner und bekommt eine Metall-Rückseite sowie einen neuen kleineren Verbindungsanschluss.
Dem "Wall Street Journal" zufolge wird es im Gegensatz zum aktuellen iPad den schnellen LTE-Datenfunk nicht nur in Nordamerika, sondern weltweit unterstützen. Hier sollte sich der geneigte Käufer freilich nicht zu früh freuen, den in Österreich ist das LTE-Netz wie in vielen anderen Ländern noch kaum ausgebaut.
iOS 6: Neues Betriebssystem startet
Zudem startet mit iOS 6 zeitgleich die nächste Version von Apples Betriebssystem für iPhones und iPads. Unter anderem sollen dabei die Google-Karten durch ein eigenes Angebot ersetzt und Facebook tieft integriert werden. Mit der App Passbook führt Apple ein digitales Portemonnaie für Tickets und Bonuskarten ein - das wohl auch zu einer vollwertigen Geldbörse ausgebaut werden könnte.
Reichen die Innovationen aus, um die Apple Kunden zu überzeugen? Im vergangenen Quartal waren die Verkäufe abgesackt, weil viele lieber auf die nächste Generation warten wollten. Apple verkaufte noch 26 Millionen iPhones, während Hauptrivale Samsung etwa doppelt so viele seiner Smartphones verschiedener Modelle und Preisklassen loswurde.
Bis zu 10 Mio. iPhones in einer Woche
Vergangenes Mal punkte Apple noch mit einem kleineren Upgrade: Als Neo-Chef Tim Cook einen Tag vor dem Tod des Apple-Gründers Steve Jobs im vergangenen Oktober statt des erwarteten runderneuerten iPhone 5 nur ein aufgefrischtes Modell 4S präsentierte, sackte zunächst der Aktienkurs ab. Doch die Kunden griffen zu und bescherten Apple den bisherigen Absatzrekord von 37 Mio. iPhones in einem Quartal. Der bekannte Branchenanalyst Gene Munster schätzt, dass Apple allein in einer Woche sechs bis zehn Millionen iPhones verkaufen könnte, wenn die neue Generation wie erwartet am 21. September in den Handel kommt. Und JP Morgan-Chefökonom Michael Feroli glaubt sogar, dass die iPhone-Verkäufe das aufs Jahr hochgerechnete US-Wirtschaftswachstum im Schlussquartal 2012 um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte nach oben treiben können.
Neues Futter für den Patentkrieg
Stärkster Rivale für das nächste iPhone ist das bereits im Mai vorgestellte Samsung-Flaggschiff Galaxy S3. Es ist dünn, hat einen großen Bildschirm, einen schnellen Chip und ausgefallene Funktionen wie Entsperrung per Gesichtserkennung. Es wurde in den vergangenen Monaten rund 20 Millionen Mal verkauft. Die neuen Geräte spielen auch im Patentkrieg eine Rolle. Beflügelt vom Patenterfolg gegen Samsung in Kalifornien weitete Apple jüngst eine andere Klage auch auf das S3 aus. Samsung versprach im Gegenzug, Apple in Europa und den USA zu verklagen, wenn das nächste iPhone die vierte Mobilfunkgeneration LTE unterstützen sollte.
Nokia und Microsoft, die verzweifelt darum kämpfen, mit dem Betriebssystem Windows Phone zur dritten Kraft im Smartphone-Markt neben Googles Android und der Apple-Plattform iOS zu werden, tun dem iPhone zunächst einmal einen großen Gefallen. Sie stellten vergangene Woche zwar neue Lumia-Modelle mit der nächsten Software-Version Windows Phone 8 vor, doch nannten keinen Starttermin. Dem Vernehmen nach wird es Ende Oktober oder erst im November soweit sein.
(APA/dpa/Red. )
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