Ein Wiener Jungunternehmen lässt mit einer Art Hosentaschen-Flohmarkt Gebrauchtwaren-Plattformen wie eBay alt aussehen. Shpock zeigt dem Nutzer am Smartphone alle Antiquitäten, Vintage-Schätze und andere ausgediente Gegenstände, die in Wohnungen und Häusern in der direkten Umgebung auf neue Besitzer warten. Shpock? Der eigenartige Name ist nicht tirolerisch für den aus Star Trek bekannten Vulkanier. Vielmehr ist die Kurzform von „Shop in your Pocket“ gemeint, erklären die Gründer.
Second-Hand-Einkaufsstraße. Shpock ist als App für das iPhone und Android-Smartphones kostenlos erhältlich. Gestöbert werden kann ohne Anmeldung, Verkäufer brauchen einen Facebook-Account. Das Design erinnert an die Foto-Pinnwand-Community Pinterest – dem Nutzer präsentieren sich also alle Artikel in drei Spalten mit unterschiedlich großen Bildern, zunächst ganz ohne Text. Sortiert sind die Gegenstände nach der Entfernung zum geneigten Käufer, dessen Standort per GPS und WLAN ermittelt wird. So wird praktisch die ganze Stadt zur Fundgrube für gebrauchte Dinge. Die Einkaufsstraße wird um private Angebote in den Wohnungen darüber erweitert. Shpock ermöglicht also den Gelegenheitskauf von privaten Second-Hand-Sachen. Eine kleine Einschränkung gibt es aber: Aus Sicherheitsgründen wird der Standort des Objektes der Begierde nicht ganz korrekt angezeigt, sondern mitunter ein bis zwei Häuser daneben.
Selbst abholen ist sicherer. Das Konzept erfreut sich derzeit vor allem in Wien einiger Beliebtheit. Am 17.September hat man das Angebot gestartet, und bereits eine Woche später war die App 2000-mal heruntergeladen worden. Natürlich konzentrieren sich die Anzeigen noch auf Wien, erklärt Mitgründer Stefan Fleig. Aber es gebe auch bereits Nutzer in Deutschland und ein Angebot sei sogar in Kanada eingestellt worden. „Auf Nachfrage erklären sich die meisten Verkäufer zum Versand bereit“, meint Fleig. Für Mitgründer Armin Strbac ist die regionale Suche ein wichtiger Punkt. Seit er selbst Opfer eines Betrugsfalles war, will er im Internet gekaufte Dinge nur noch selbst abholen. Bei Shpock gibt es daher auch kein eigenes Bezahlsystem. Ob bei der Abholung bar gezahlt wird, ein Tauschgeschäft möglich ist oder der Gegenstand doch lieber verschickt und das Geld überwiesen werden soll, müssen sich die Nutzer selbst ausmachen.
Dementsprechend einfach ist auch die Kommunikation in Shpock. Gefällt ein Bild, genügt ein Fingertippen um Details aufzurufen, Kommentare zu hinterlassen oder mit dem Verkäufer Kontakt aufzunehmen – per SMS, E-Mail, Facebook, Twitter oder Google+. Eine Anzeige zu schalten geht ebenfalls in Windeseile. Ein Bild – gerne auch direkt mit dem Handy fotografiert –, ein paar Worte und ein Preis genügen, um seine ausgedienten Gegenstände anzubieten. Kosten fallen weder für Käufer noch für den Verkäufer an. Auch Werbung ist in der App keine zu sehen. Wie die Gründer mit ihrer neuen App Geld verdienen wollen, verraten sie nicht. „Es gibt aber bereits erste Ideen“, erklärt Fleig.
Hinter der App steckt das Wiener Start-up „Finderly“, eine Online-Plattform, die mit einer Community dabei helfen soll, die besten Elektronikgeräte zu finden. Ob sich diese beiden Geschäftsideen verbinden lassen, wird sich in Zukunft zeigen – vorerst ist das laut Fleig aber nicht geplant.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2012)
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