Brüssel/Wien/Apa/Eid. Der geplante Kauf des Mobilfunkers Orange durch den Konkurrenten Hutchison („3“) hängt an einem seidenen Faden: Schon vor zwei Wochen hatte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia das Zustandekommen der Übernahme angezweifelt. Am Freitag legte er noch einmal nach: Hutchison müsse strukturelle Zugeständnisse machen, also etwa Frequenzen verkaufen, sagte Almunia.
Hutchison will Orange um 1,4Mrd. Euro kaufen. Die Billigmarke Yesss! soll samt Funkstationen um 380 Mio. Euro an die Telekom Austria weiterverkauft werden. Dieses Subgeschäft prüfen die Bundeswettbewerbsbehörde und das Kartellgericht. Brüssel hat von Anfang an Bedenken angemeldet, weil die Zahl der Mobilfunker von vier auf drei sinken würde. Die EU fürchtet eine Einschränkung des Wettbewerbs und hat deshalb eine vertiefte Prüfung des Deals bis Ende November angesetzt.
„3“ öffnet das Netz
Hutchison versteht die Bedenken nicht. Zumal es in China für 1,3 Milliarden Menschen auch nur drei große Anbieter (China Mobile, China Telecom, China Unicum) gibt. „Ein starker Dritter ist besser als zwei schwache Kleine“, sagte Hutchison-Chef Canning Fok jüngst bei seinem Besuch in Wien.
Die Chinesen haben der EU schon angeboten, „virtuellen“ Mobilfunkern (Betreiber ohne Infrastruktur) ihr Netz zu öffnen. Mit dem Kabelnetzbetreiber UPC wurde bereits ein Vertrag geschlossen. Außerdem stellt Hutchison den raschen Ausbau eines LTE-Netzes in Aussicht. Die neue Handytechnologie LTE ermöglicht superschnelles mobiles Internet. Genau dafür braucht Hutchison aber die Frequenzen von Orange. Der Umstand, dass „3“ nach dem Orange-Kauf bestens mit Frequenzen ausgestattet wäre, ist vor allem der Nummer zwei T-Mobile ein Dorn im Auge.
Ein Nein aus Brüssel hätte vor allem für Orange negative Folgen. Das Unternehmen hat zwar gerade für die ersten drei Quartale ein besseres Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda, plus acht Prozent auf 124,4 Mio. Euro) veröffentlicht. Es hat aber die Kreditlinien von 1,263Mrd. Euro fast ausgeschöpft. Hutchison hat sich verpflichtet, im Fall des Kaufs alle Schulden abzudecken. Platzt der Deal, braucht Orange frisches Geld und/oder ein Schuldenmoratorium.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)
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