Orange-„3“-Deal als Vorbild für Europa

Am Mittwoch will die EU entscheiden, ob der Handyanbieter „3“ seinen bisherigen Konkurrenten Orange über-nehmen darf. Die Entscheidung könnte der Startschuss für weitere Fusionen auf dem Handymarkt in Europa sein.

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Symbolbild – (c) REUTERS (HEINZ PETER BADER)

Wien/Brüssel/RIE. Monatelang hat man verhandelt, gepokert, hat Gutachten erstellt und Zugeständnisse gemacht. Jetzt wird sich zeigen, ob die EU damit zufrieden ist: Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wird am Mittwochnachmittag bekannt geben, ob der Handyanbieter „3“ (Hutchison) in Österreich den bisherigen Konkurrenten Orange übernehmen darf. Allgemein wird mit einer positiven Entscheidung gerechnet.

Bereits seit Februar verhandelten die beiden Firmen mit Brüssel über die 1,3 Milliarden Euro teure Übernahme. Dass das Verfahren derart lange gedauert hat, hat vor allem einen Grund: Der Deal soll als Musterbeispiel für künftige Fusionen auf dem Handymarkt in Europa dienen. Seit Langem rechnen Experten mit einer Marktbereinigung, weil sich die vielen kleinen und mittelgroßen Mobilfunkbetreiber nicht auf Dauer halten können. 102 verschiedene Handyfirmen kämpfen in Europa um Kunden.

UPC als neuer Handybetreiber

„Man hat uns sicherlich auch deswegen so viele Auflagen gemacht, um anderen Firmen zu signalisieren, dass die EU eine Übernahme und eine Reduzierung der lokalen Anbieter nicht so einfach genehmigt“, mutmaßt man bei Hutchison. Der in Hongkong ansässige Mobilfunkkonzern musste mehrmals in Brüssel antreten, um die Wettbewerbshüter zufriedenzustellen. Erste Zugeständnisse genügten der Kommission nicht, die befürchtete, dass es bei einer Reduzierung der Handyanbieter in Österreich von vier auf drei zu höheren Preisen kommt.

Welche weiteren Zugeständnisse Hutchison in einer letzten Anhörung Ende November in Brüssel gemacht hat, ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach wird man aber Frequenzen an einen möglichen neuen Handyanbieter in Österreich abtreten. Fix ist, dass „3“ bei einer erfolgreichen Übernahme von Orange sein Netz für virtuelle Anbieter (Mobilfunkbetreiber ohne eigenes Netz) öffnen wird. Anfang Oktober wurde ein entsprechender Deal mit dem Internetanbieter UPC unterzeichnet.

Die Sorge, dass Mergers zu höheren Preisen führen könnten, ließ in der Vergangenheit mehrere Übernahmegespräche scheitern. In der Schweiz gaben 2010 Orange und TDC Fusionspläne auf, weil Wettbewerbshüter Bedenken geäußert hatten. In Griechenland musste Vodafone sein Vorhaben aufgeben, den Konkurrenten Wind Hellas zu übernehmen.

Die Wirtschaftskrise, der harte Wettbewerb um Kunden und anstehende Milliardeninvestitionen in neue, schnellere Netze stellen die Betreiber vor große Herausforderungen. Um seine Netze zu modernisieren, will beispielsweise in Deutschland O2 mit dem Rivalen E-Plus zusammenarbeiten. Der Besitzer von O2, die spanische Telefónica, verkaufte erst im Oktober 23 Prozent an seinem deutschen Handybetreiber, um Mittel für Investitionen zu haben.

Die Übernahme in Österreich wird deshalb von Handybetreibern in ganz Europa verfolgt. Wie die „International Herald Tribune“ in einem Bericht mutmaßt, wolle die EU die Schaffung von grenzüberschreitenden Mobilfunkbetreibern forcieren, um nicht nur nationale Gesprächsgebühren zu senken, sondern auch innereuropäische. In Europa gibt es derzeit vier große Spieler auf dem Handymarkt: Telefónica (Spanien), Vodafone (Großbritannien), die Deutsche Telekom und Orange (Frankreich). Diese Unternehmen hätten die technischen und finanziellen Möglichkeiten, um europaweite Dienste anzubieten und sich auch in bisher sakrosankten Märkten zu konkurrieren. So ist die Deutsche Telekom beispielsweise nicht in Frankreich vertreten, Orange nicht in Deutschland.

BWB entscheidet über Yesss-Verkauf

Auch für internationale Investoren könnte der europäische Handymarkt bei grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen interessant werden. Der mexikanische Milliardär Carlos Slim Helú kaufte sich heuer nicht nur mit 23 Prozent bei der Telekom Austria ein, sondern auch mit 28 Prozent beim niederländischen Telekomanbieter KPN.

Für Orange und „3“ ist der Kampf um eine Fusion mit der Entscheidung aus Brüssel noch nicht ausgestanden. Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) muss noch den Verkauf des Billiganbieters Yesss von Orange an A1 absegnen. Eine Entscheidung soll nächste Woche fallen.

Auf einen Blick

Die Übernahme von Orange durch „3“ (Hutchison) in Österreich wird von den europäischen Handyanbietern mit Interesse verfolgt. Die EU will mit ihren Auflagen für die Übernahme zeigen, unter welchen Bedingungen sie sich Fusionen auf dem Handymarkt vorstellen kann. Dass diese unausweichlich sind, davon gehen Telekomexperten aus: Derzeit kämpfen in ganz Europa 102 Handyanbieter mit niedrigen Preisen um Kunden. Eine Marktbereinigung sei unausweichlich, glauben Experten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2012)

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