Orange-„3“-Deal als Vorbild für Europa

11.12.2012 | 17:31 |   (Die Presse)

Am Mittwoch will die EU entscheiden, ob der Handyanbieter „3“ seinen bisherigen Konkurrenten Orange über-nehmen darf. Die Entscheidung könnte der Startschuss für weitere Fusionen auf dem Handymarkt in Europa sein.

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Wien/Brüssel/RIE. Monatelang hat man verhandelt, gepokert, hat Gutachten erstellt und Zugeständnisse gemacht. Jetzt wird sich zeigen, ob die EU damit zufrieden ist: Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wird am Mittwochnachmittag bekannt geben, ob der Handyanbieter „3“ (Hutchison) in Österreich den bisherigen Konkurrenten Orange übernehmen darf. Allgemein wird mit einer positiven Entscheidung gerechnet.

Bereits seit Februar verhandelten die beiden Firmen mit Brüssel über die 1,3 Milliarden Euro teure Übernahme. Dass das Verfahren derart lange gedauert hat, hat vor allem einen Grund: Der Deal soll als Musterbeispiel für künftige Fusionen auf dem Handymarkt in Europa dienen. Seit Langem rechnen Experten mit einer Marktbereinigung, weil sich die vielen kleinen und mittelgroßen Mobilfunkbetreiber nicht auf Dauer halten können. 102 verschiedene Handyfirmen kämpfen in Europa um Kunden.

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UPC als neuer Handybetreiber

„Man hat uns sicherlich auch deswegen so viele Auflagen gemacht, um anderen Firmen zu signalisieren, dass die EU eine Übernahme und eine Reduzierung der lokalen Anbieter nicht so einfach genehmigt“, mutmaßt man bei Hutchison. Der in Hongkong ansässige Mobilfunkkonzern musste mehrmals in Brüssel antreten, um die Wettbewerbshüter zufriedenzustellen. Erste Zugeständnisse genügten der Kommission nicht, die befürchtete, dass es bei einer Reduzierung der Handyanbieter in Österreich von vier auf drei zu höheren Preisen kommt.

Welche weiteren Zugeständnisse Hutchison in einer letzten Anhörung Ende November in Brüssel gemacht hat, ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach wird man aber Frequenzen an einen möglichen neuen Handyanbieter in Österreich abtreten. Fix ist, dass „3“ bei einer erfolgreichen Übernahme von Orange sein Netz für virtuelle Anbieter (Mobilfunkbetreiber ohne eigenes Netz) öffnen wird. Anfang Oktober wurde ein entsprechender Deal mit dem Internetanbieter UPC unterzeichnet.

Die Sorge, dass Mergers zu höheren Preisen führen könnten, ließ in der Vergangenheit mehrere Übernahmegespräche scheitern. In der Schweiz gaben 2010 Orange und TDC Fusionspläne auf, weil Wettbewerbshüter Bedenken geäußert hatten. In Griechenland musste Vodafone sein Vorhaben aufgeben, den Konkurrenten Wind Hellas zu übernehmen.

Die Wirtschaftskrise, der harte Wettbewerb um Kunden und anstehende Milliardeninvestitionen in neue, schnellere Netze stellen die Betreiber vor große Herausforderungen. Um seine Netze zu modernisieren, will beispielsweise in Deutschland O2 mit dem Rivalen E-Plus zusammenarbeiten. Der Besitzer von O2, die spanische Telefónica, verkaufte erst im Oktober 23 Prozent an seinem deutschen Handybetreiber, um Mittel für Investitionen zu haben.

Die Übernahme in Österreich wird deshalb von Handybetreibern in ganz Europa verfolgt. Wie die „International Herald Tribune“ in einem Bericht mutmaßt, wolle die EU die Schaffung von grenzüberschreitenden Mobilfunkbetreibern forcieren, um nicht nur nationale Gesprächsgebühren zu senken, sondern auch innereuropäische. In Europa gibt es derzeit vier große Spieler auf dem Handymarkt: Telefónica (Spanien), Vodafone (Großbritannien), die Deutsche Telekom und Orange (Frankreich). Diese Unternehmen hätten die technischen und finanziellen Möglichkeiten, um europaweite Dienste anzubieten und sich auch in bisher sakrosankten Märkten zu konkurrieren. So ist die Deutsche Telekom beispielsweise nicht in Frankreich vertreten, Orange nicht in Deutschland.

BWB entscheidet über Yesss-Verkauf

Auch für internationale Investoren könnte der europäische Handymarkt bei grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen interessant werden. Der mexikanische Milliardär Carlos Slim Helú kaufte sich heuer nicht nur mit 23 Prozent bei der Telekom Austria ein, sondern auch mit 28 Prozent beim niederländischen Telekomanbieter KPN.

Für Orange und „3“ ist der Kampf um eine Fusion mit der Entscheidung aus Brüssel noch nicht ausgestanden. Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) muss noch den Verkauf des Billiganbieters Yesss von Orange an A1 absegnen. Eine Entscheidung soll nächste Woche fallen.

Auf einen Blick
Die Übernahme von Orange durch „3“ (Hutchison) in Österreich wird von den europäischen Handyanbietern mit Interesse verfolgt. Die EU will mit ihren Auflagen für die Übernahme zeigen, unter welchen Bedingungen sie sich Fusionen auf dem Handymarkt vorstellen kann. Dass diese unausweichlich sind, davon gehen Telekomexperten aus: Derzeit kämpfen in ganz Europa 102 Handyanbieter mit niedrigen Preisen um Kunden. Eine Marktbereinigung sei unausweichlich, glauben Experten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2012)

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16 Kommentare

dank der Chinesen von 3

funktioniert jetzt die Netzabdeckung bei Orange viel besser - um nicht endlich zu sagen. Es gibt auch Qualitätskriterien und nicht nur das Prinzip Bundesbahn - jeder europäische Staat braucht "eigene" Pseudo - Kleinhäusler.

Re: dank der Chinesen von 3

?? Oida, da hat sich noch gar nix getan, die müssen den Deal erst absegnen lassen...ts

Kein Verständnis mehr!

Ich kann kein Verständnis mehr dafür aufbringen was die Behörden (in diesem Fall die BWB) bei diesem Deal hier aufführen.

In Deutschland gibt es 4 Mobilfunkanbieter (ohne Virtuelle Anbieter) bei einem wesentlich größeren Kundenmarkt und in Österreich machen die Behörden einen Aufstand wenn der Markt von 4 auf 3 Betreiber schrumpfen soll bzw versuchen einen Teildeal den Verkauf von Yess an A1 und gleichzeitig damit auch den Deal Orange an Yess zu verhindern.


Re: Kein Verständnis mehr!

aso nach dieser Logik müsste man aber sagen dass in Deutschland 10 mal mehr Menschen leben als in Österreich darum müsste ein Anbiete wohl reichen. Ich wär für die Telekom da hat der Steuerzahler auch was davon.

Drohungen sind

beim organsierten Verbrechen ganz normal.

Viel Wettbewerb nidirger Preis

Österreich ist ein gutes Beispiel für funktionierenden Wettbewerb in der Telefonbranche. Wenn die Anbieter auf 2 schrumpfen ist es dann wohl vorbei mit billig telefonieren. Also gut wenn sich eine österreichische Behörde mal ihre Arbeit macht.

Re: Viel Wettbewerb nidirger Preis

Wieso auf 2? Ist mir da etwas entgangen? ;-)

Übrig bleiben A1, Drei und T-Mobile und einige kleinere Anbieter ...

Re: Re: Viel Wettbewerb nidirger Preis

die telekom und t-mobile haben gemeinsam 71% marktanteil. da kann man schon von marktbeherrschender position sprechen.

Re: Re: Re: Viel Wettbewerb nidirger Preis

Natürlich, und nimmt man dann noch 3 dazu haben wir ein Telekom-Monopol!

finde die Ironie...

Bitte BWB, verhindere den Deal!

Wenn sich die Rundfunker jetzt schon so daneben benehmen, will ich gar nicht wissen wie es ist, wenn fast keine Mobilfunkunternehmen mehr am Markt sind.dann können wir wohl alle viel mehr Geld fürs telefonieren locker machen! :-(

Wenn das stimmt...

.. wäre es ein Skandal, wie sich die Befürworter des Deals aufführen!

WBW

Manche Behörden suchen wieder einmal nach einer Daseinsberechtigung.

2

Re: WBW

WBW? Wiener Basiswappler?

Re: Re: WBW

Ja na eh. Wettbewerb? Brauch ma nicht!

Geh bitte..

Re: WBW

aber Sie sollten wenigstens den Artikel sinnerfassend lesen. Dann würden Sie herausfinden, daß hier die BWB gemeint ist....

wollen

die alle dass wir pleite werden?

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