Orange-„3“-Deal auf wackligen Beinen

13.12.2012 | 16:46 |  Von Norbert Rief (Die Presse)

Die Bundeswettbewerbsbehörde könnte an einer Nebenfront die Übernahme der Orange-Diskonttochter Yesss durch A1 verzögern. Daran könnte der ganze Orange-„3“-Deal scheitern. Für Orange wäre es ein schwerer Schlag.

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Wien. Man könnte glauben, die größte Hürde bei der 1,3 Milliarden Euro teuren Übernahme des Mobilfunkanbieters Orange durch „3“ sei mit dem Okay der EU am Mittwoch genommen. Doch die echte Herausforderung wartet in Österreich: Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) muss noch den Verkauf der Orange-Diskonttochter Yesss an A1 absegnen. Und daran könnte die gesamte Übernahme am Ende scheitern – worüber gerade A1 angeblich nicht sonderlich unglücklich wäre.

Die BWB fährt seit Beginn eine strikte Linie gegen den Mobilfunkdeal. Bereits Anfang Februar, als Orange und Hutchison („3“) ihre Pläne bekannt gaben, ließ die Behörde wissen, dass „ein Okay für dieses Paket nur schwer vorstellbar“ sei. Die Wettbewerbshüter begründeten das damit, dass Marktführer A1 mit dem Kauf von Yesss (um 390 Millionen Euro) noch mächtiger werden würde. Das könnte zu höheren Preisen führen, so die BWB.

Im Juni ging die Behörde in die sogenannte zweite Phase und befasste das Kartellgericht mit der Übernahme. Der Grund: A1 und Orange seien „trotz Bemühungen (. . .) nicht zu Zugeständnissen bereit  gewesen“. Das sorgte bei den involvierten Firmen für Irritationen. Man sei sehr wohl zu Zugeständnissen bereit gewesen, habe aber schlicht nicht gewusst, was sich die Wettbewerbshüter erwarten.

Positiver Gerichtsentscheid

Das Kartellgericht gab ein Gutachten in Auftrag, das die Auswirkungen der Übernahmen beleuchtet. Die Gutachterin kam zum Schluss, dass „die Telekom Austria nach dem Erwerb von Yesss! keine marktbeherrschende Stellung hat“.

Aufgrund des Gutachtens genehmigte das Kartellgericht Ende November den A1-Yesss!-Deal. Das sorgte bei der BWB für heftige Kritik: Das Gutachten sei in wesentlichen Teilen falsch, unzureichend und im „ökonometrischen Modell nicht schlüssig nachvollziehbar“. Interessant ist die Kritik, weil die Sachverständige, die das Gutachten erstellt hatte, von der BWB vorgeschlagen worden war. Der Experte, den A1 im Kartellverfahren nominiert hatte, war vom Gericht abgelehnt worden.

Die Behörde hat bis Ende des Jahres Zeit, um gegen das Urteil zu berufen. Ob sie das macht, dazu gibt es unterschiedliche Signale. Das „Wirtschaftsblatt“ zitierte einen Sprecher der Behörde, der einen Rekurs ankündigte. Einen Tag später relativierte eine BWB-Sprecherin und erklärte, ihr Kollege sei falsch zitiert worden. Jetzt sagt man bei der BWB gar nichts mehr und erklärt nur, man werde kommende Woche eine Entscheidung treffen.

Bei den involvierten Firmen versteht man die negative Haltung der BWB nicht. „Die Behörde war von Beginn an gegen den Deal. Vielleicht spielt da mehr mit als nur die Bedenken wegen des Wettbewerbs; vielleicht will sich jemand bei dem Deal persönlich profilieren.“ Zitieren lassen will sich kein Gesprächspartner, nicht einmal den Namen der Firma will man in Zusammenhang mit Kritik an der BWB in der Zeitung lesen.

In der Bundeswettbewerbsbehörde weist man die Mutmaßungen zurück: Es gehe einzig um den Wettbewerb in Österreich.

Sollte die Behörde in die zweite Instanz gehen, könnte das den gesamten Deal zu Fall bringen. Denn Hutchison will nur dann Orange übernehmen, wenn der Kaufpreis unter einer Milliarde Euro liegt. Und auf diesen Betrag kommt man nur, wenn A1 Yesss kaufen kann.

Doch bei A1 hat sich die Liebe zu Yesss dem Vernehmen nach deutlich abgekühlt. A1 leidet unter schlechten Ergebnissen, da kommt eine Ausgabe von 390 Mio. Euro wenig gelegen. Angeblich hat der Leiter der Investor Relations bei der Telekom, Matthias Stieber, vor Investoren bereits erklärt, dass man an der Übernahme nicht mehr interessiert sei. Stieber dementiert das gegenüber der „Presse“. Ein A1-Sprecher erklärt, man stehe zu der Vereinbarung.

Kein Netzausbau bei Orange

Die Vereinbarung würde mit einer Berufung der BWB freilich hinfällig werden. Denn A1 kann vom Vertrag zurücktreten, wenn es bis Ende Jänner 2013 keine Entscheidung über den Verkauf gibt. Der Oberste Gerichtshof (OGH) als zweite Instanz des Kartellgerichts wird nach Meinung von Rechtsexperten „erst im Februar oder März“ über die Causa befinden.

Für Orange wäre es ein schwerer Schlag, würde der Deal platzen. Der Mobilfunkbetreiber hat seit Monaten nicht mehr in den Ausbau seines Netzes investiert, weil man von der Übernahme durch „3“ ausging. Das ganze Unternehmen sei „auf Sparflamme“ gefahren worden, heißt es.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2012)

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16 Kommentare

keine rechte?

bei orange ganz unauffällig kündigungsfrist von 8 W. auf 12 W.
geändert+gilt für alle vorherigen verträge auch gleich.vertragsverlängerung:irgendwelche uralt-geräte die maximal €50.-
kosten+nix können.service-nummer=mitarbeiter inkompetent,unfreundlich,u.s.w
vergleich 3 zu orange= maserati +trabant. orange ab ins nirwana...gggg

die Bwb,hat kein Geld für lange Verfahren!

Hallo!
ich hatte,in der Vergangenheit privat,mit der Bwb zu tuen , und einen Verdacht ,bei A1 gemeldet, wegen Wettbewerbsverzerrung , und Benachteiligung von Internetanschlüssen von Privatanbietern, da diese an meinem Wohnort absichtlich langsamer geschaltet wurden, als wie das bei einem A1 Kunden der Fall gewesen wäre!
die Antwort der Behörde Bwb,läst mich bis zum heutigen Tag,an der Sinnhaftigkeit dieser Einrichtung zweifeln !
man sagte mir,es tut und sehr leid, wir haben zuwenig finanzielle Mittel, um gegen die mobilkom gerichtlich , in diesem Fall vorzugehen!
ich denke , das sagt alles!
bleibt nur noch die Frage offen, wohin unsere Steuergelder fliesen,wenn sie,die Bwb selbst nicht zur Verfügung hat?
was 3 angeht, ich hatte in meinem Wohnort über 18 Monate eine miserable Geschwindigkeit von 200 bis 300 kb, man konnte keine Videos anschauen !
bin damit ,nach 10 Monaten warten,mit einer Klage bei der Rtr Regulierungsbehörde gescheitert!
der Kunde hat bei 3 keine Rechte!

BWB hat keine Ahnung

die ganze Sache stinkt wieder einmal nach Korruption a la Oesterreich....Die TKA hat fuer die marode YESSS einfach einen viel zu hohen Preis in Aussicht gestellt...jetzt wird mit Hilfe der OeIAG die BWB ins Rennen geschickt um den deal aus den Angeln zu heben... die Eigentuemer von Orange werden die Finanzholding wohl in den Konkurs schicken muessen. Ein weiterer Politskandal unserer korrupten Politiker und Behoerden....

Konkurs von Orange

Was ist, werte Bundeswettbewerbsbehörde, wenn die Eigentümer von Orange die Firma schlicht und ergreifend in die Insolvenz schicken?

Wo ist er dann, der ach so notwendige vierte Mitbewerber?

Was geschieht eigentlich mit den Frequenzen, wenn Orange nicht verkauft sondern einfach liquidiert wird - können sich die Eigentümer die Frequenzen behalten, so wie man sich einen Markennamen behält?

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Dann lässt die BWB lieber Orange untergehen

Ich frage mich schön langsam was da wirklich dahintersteckt!
Orange hat einen riesen Schuldenberg und Orange France investiert nicht weiter.
3 würde die Verbindlichkeiten von Orange übernehmen! Der EU wurden seitens 3 jede Menge Zugeständnisse für den Kauf von Orange gemacht (ua. Freigabe von Frequenzen für einen möglichen vierten Anbieter, mehrere virtuelle Betreiber zu mehr als günstigen Konditionen Zugang zum 3 Netz ermöglichen usw.)
Unsere ach so tolle BWB legt sich quer um ev. zu Zeigen dass Sie doch noch was zu sagen hat.
Wer weiß möglicherweise währe es sogar für die anderen Anbieter praktischer wenn Orange den Bach runter geht, dann könnte es ein Konkurrent noch günstiger kaufen oder Österreich hätte einfach so nur noch 3 Anbieter!

Re: Dann lässt die BWB lieber Orange untergehen

Ach wie herzig, der Glaube an die "Zugeständnisse"... Und was passiert, wenn 3 diese nicht einhält?? Hutchison kann drauf ga...en, denn der Firmenhauptsitz ist in Asien, die werden sich was scheren um den EU-Hansel...

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schon wieder?!

wie viele institutionen müssen den deal eigentlich noch überprüfen? Mir kommt vor als würde ich fast alle 2 wochen lesen dass irgendeine institution den deal genehmigt oder ablehnt oder sonst was.
meiner meinung sind das ein bisschen zu viel institutionen die wir ja auch alle zahlen müssen...

bin mir nicht sicher...

...ob dieser regulatorische Eingriff so schlecht ist! Von einer EUSSR zu sprechen halte ich für übertrieben. Wären wir nicht in der EU wäre es eben Aufgabe der nationalen Wettbewerbsbehörde hier für ausgeglichene Verhältnisse am Markt zu sorgen. Dass Unternehmen gerade in solchen Bereichen tun und lassen können was sie wollen halte ich für gefährlich und nicht für produktiv.

mfg

Die EU

reguliert die "FREIE MARKTWIRTSCHAFT" ist eine entlarfende Angelegenheit. Ein Widerspruch in sich. EUDSSR eben. Nicht die Logik des praktischen sondern die EU sagt, was gut für uns ist. Ich beginne diesen Verein zu hassen.

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Re: Die EU

Wo ist der Widerspruch? Jedes Handeln bedarf Regeln, eine Infrastruktur, die eben nicht auf die selbe Weise (ver)handelbar ist.

Re: Re: Die EU

Ach was, ein grauslicher Lobbyistenverein ist das.

eines ist sicher! dieser deal wir vielen mitarbeitern - in beiden firmen - den job kosten ... das juckt anscheinend niemanden ...


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Re: eines ist sicher! dieser deal wir vielen mitarbeitern - in beiden firmen - den job kosten ... das juckt anscheinend niemanden ...

Und wie würde es aussehen wenn der Deal nicht zustande kommt und Orange France nicht weiter investiert (steht auch im Artikel oben)! Sollte dann Orange untergehen stehen sicher noch mehr Jobs auf dem Spiel!
Weiter ist nichts über die Einzelheiten zum Deal bekannt, Jobgarantien usw!

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Die einzig glaubwürdigen Verpflichtungen wären: Garantie für Preis, Geschwindigkeit...


EUSSR - und so wird die freie Marktwirtschaft einer Konzern-Konzentrations-Wirtschaft geopfert"

Danke !

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Re: EUSSR - und so wird die freie Marktwirtschaft einer Konzern-Konzentrations-Wirtschaft geopfert"

Manchmal ist es besser einfach die Klappe zu halten....

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