Telekom Austria: „Wir nehmen Yesss! auf jeden Fall“

14.12.2012 | 19:39 |   (Die Presse)

Die Telekom Austria hält die Übernahme der Orange-Billigmarke für eine einmalige Chance. Hutchison-Chef Fok ist optimistisch, dass der Kauf von Orange klappt.

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Wien/Auer/Eid. „Für uns ist die Sache abgeschlossen“, sagt Georg Serentschy. Die „Sache“ – das ist der größte Deal in der heimischen Handybranche seit der Übernahme von Tele.ring durch T-Mobile. Der Telekom-Regulator hat den geplanten Kauf des Mobilfunkbetreibers Orange durch Hutchison („3“) genehmigt und gleichzeitig auch die Überlassung von Funkfrequenzen von Orange an die Telekom Austria durchgewunken. Das entscheidende Signal für Serentschy war das grüne Licht (mit Auflagen) aus Brüssel für den 1,3 Mrd. Euro schweren Deal, das am Mittwoch erfolgte.

Aber auch die letzte Hürde auf dem Weg zur Fusion – die Genehmigung des Weiterverkaufs der Orange-Billigmarke Yesss! an die Telekom Austria um 390 Mio. Euro – dürfte genommen werden. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) dürfte nämlich ihre Bedenken nach intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten ad acta gelegt haben, wie „Die Presse“ erfuhr. Die BWB hatte das Kartellgericht mit der Prüfung des Yesss!-Verkaufs beauftragt – und dieses hat am 27. November das Geschäft ohne Auflagen genehmigt. Gegen diesen Spruch kann die BWB noch bis 27. Dezember Rekurs beim OGH erheben. Das würde die Übernahme verzögern – und im Extremfall kippen, sollte die Telekom Austria von ihrer Möglichkeit Gebrauch machen, im Jänner vom Deal zurückzutreten.

Das dürfte aber nicht passieren. Letztlich ausschlaggebend soll ein weiteres Zugeständnis sein, das Hutchison-Chef Canning Fok am Freitag BWB-Chef Theodor Thanner unterbreitet hat. Dem Vernehmen nach streicht der Mobilfunker die bisher eingehobene Servicegebühr bei einigen Tarifen.

 

Keine Servicegebühr

„Wir haben über weitere Vorteile für die Konsumenten gesprochen“, berichtete Fok in einer Pressekonferenz nach dem BWB-Termin, ohne Details zu nennen. Es sei noch nichts entschieden, aber „die Gespräche waren sehr konstruktiv“. Um dann gleich mehrfach die BWB zu loben: „Sie arbeiten sehr hart für die Konsumenten.“

Prinzipiell sei er, Fok, positiv gestimmt. Denn man nähere sich immer mehr der Übernahme an: „Wir haben die positive Entscheidung des Kartellgerichts, dann jene der EU, und jetzt auch des Telekom-Regulators erhalten.“ Für den Fall, dass der Kauf fix wird, will Fok schon im Jänner die Pläne für die Umsetzung der Fusion veröffentlichen. Die Marke Orange wird jedenfalls im Laufe des nächsten Jahres verschwinden. Wie berichtet haben sich die Chinesen auch verpflichtet, die Schulden von Orange in Höhe von knapp 1,3 Mrd. Euro zu übernehmen.

„Wir nehmen Yesss! auf jeden Fall“, sagte Telekom-Sprecher Peter Schiefer zur „Presse“. Man stehe zu der Übernahme, das sei eine einmalige Chance. Wann habe ein Marktführer schon die Gelegenheit, einen Konkurrenten ohne jegliche Auflage zu übernehmen und dadurch seinen Marktanteil auf knapp 50 Prozent auszubauen?

Für Telekom-Regulator Serentschy gilt es, die Auflagen, die Brüssel Hutchison auferlegt hat, möglich zu machen. Allen voran: den Eintritt eines vierten Mobilfunkanbieters in Österreich. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Rückgang von vier auf drei Anbieter die Preise steigen und Service nach unten gehen lassen kann“, sagte Serentschy. Darum muss Hutchison Frequenzen und Basisstationen an einen möglichen vierten Mobilfunkanbieter abgeben. Frequenzen, um seine Dienste in Ballungszentren anzubieten, sowie Basisstationen hat das Unternehmen aus Hongkong mehr als genug. Hier muss Hutchison in jedem Fall etwas abgeben.

 

Frequenzen für vierten Anbieter

Die Frequenzen im sogenannten Flächenspektrum inklusive der sogenannten Digitalen Dividende, die für Mobilfunk im ländlichen Raum notwendig ist, werden voraussichtlich im September 2013 komplett neu vergeben. Die Ausschreibung will Serentschy im April starten. Ein Teil der Frequenzen soll für einen neuen Konkurrenten reserviert werden. „Wir können aber niemanden zwingen, in den Markt einzutreten“, sagte Serentschy. Sollte sich bis zum Start der Auktion kein Telekomunternehmen für diese Frequenzen bewerben, werden sie unter den drei übrigen Anbietern versteigert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2012)

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