Blackberry vs. Windows Phone: Kampf der Fliegengewichte

02.02.2013 | 18:12 |  von Daniel Breuss (Die Presse)

Apple und Google dominieren das Smartphone-Geschäft. Dem einstigen Schwergewicht Blackberry bleibt die Verteidigung von Platz drei. Neue Konkurrenten betreten aber den Markt.

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Einmal wischen und alles ist geregelt. So in etwa sieht der kanadische Hersteller Blackberry (vormals RIM) die Zukunft der Smartphones. Seine neue Software Blackberry 10 setzt auf Fingergesten. Mit einem Daumen soll man auf dem dazu passenden neuen Gerät Z10 mehr machen können als auf anderen Geräten mit mehreren Fingern. Hinzu kommen Tricks wie ein Keyboard, das Text erstaunlich gut vorhersehen kann, und eine Funktion, die beruflich genutzte und private Anwendungen trennen kann. Der Traum jedes IT-Beauftragten? Blackberry hofft das zumindest und will seinen dritten Platz im Smartphone-Geschäft hinter den aktuellen Titanen Google und Apple mit allen Mitteln verteidigen.

Erste Testberichte aus den USA lassen aber die Vermutung zu, dass weder das Gerät noch die Software eingefleischte iPhone- oder Android-Fans hinter dem Ofen hervorlocken werden. Zwar lobt die „New York Times“ das Z10 und gibt bisher entworfene Untergangsszenarien für den Hersteller wieder auf. Tech-Szenegrößen wie „The Verge“ oder „Cnet“ zeichnen aber ein kritischeres Bild. Das neue Blackberry 10 weise „Ineffizienzen“ auf, heißt es dort. Auch die verfügbaren Programme, neudeutsch Apps genannt, werden kritisiert. Apple und Google kratzen an der Million, Microsoft bietet knapp 150.000 Stück für sein Windows Phone. Blackberry kann 70.000 Apps vorweisen. Allerdings sind nur 1000 davon wirklich für Blackberry 10 programmiert. Der Rest sind Portierungen von anderen Systemen oder nur Web-Apps.

Letztere bieten zwar nicht die Leistungsfähigkeit direkt für ein System programmierter Software. Dafür sind sie plattformübergreifend verfügbar. Darauf setzt die Konkurrenz. Einerseits Firefox OS, das Betriebssystem des gleichnamigen Browsers. Es soll vor allem auf günstigen Geräten in Schwellenländern eingesetzt werden. Auch die beliebte Linux-Distribution Ubuntu stellte kürzlich eine eigene Smartphone-Version vor, die auch voll auf Gestensteuerung setzt. Letzteres hatte schon Nokia mit seinem gescheiterten Smartphone N9 versucht. Nun haben ehemalige Entwickler des Herstellers das Konzept als Sailfish OS weitergeführt.


B-Liga.
Einst war Blackberry der Inbegriff des Smartphones. Der Kampf ging aber mit der Einführung der App Stores weg von reinen Geräten hin zu „Ökosystemen“. Googles Android ist derzeit mit 75 Prozent Marktanteil der große Gewinner. Apples iPhone kommt auf knapp 15 Prozent, berichtet Marktforscher von IDC. Gemeinsam machen diese Schwergewichte also 90 Prozent aller Smartphones aus. Blackberry ist schon längst nicht mehr an der Spitze. Gerade einmal 4,3 Prozent hält die Marke noch. Die Milliardenfirma Microsoft spielt mit Windows Phone mit zwei Prozent genauso in der B-Liga.

Windows-Phone-Verfechter Nokia hat vor zwei Jahren vollmundig angekündigt, das dritte Pferd im Rennen um die Smartphone-Krone werden zu wollen. Bevor es aber eine Schlacht zwischen dem Microsoft-System und den beiden Branchenkönigen gibt, werden sich Blackberry und Windows Phone noch gehörig in die Haare kriegen. Der Kampf in der Fliegengewicht-Klasse, in der es langfristig auch um das Überleben beider Firmen geht, ist voll entbrannt. Das zeigt sich auch daran, dass Blackberry bei der Präsentation von Blackberry 10 keinerlei abschätzige Bemerkungen für die Konkurrenz übrig hatte – außer für Microsoft. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Gegenangriff aus Redmond folgt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2013)

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4 Kommentare

Apps

Also ich verstehe wirklich nicht, was die Journalisten andauernd über die APPs Anzahl meckern....

Ok, Blackberry hat noch viel zu wenig, aber Windows hat - meines erachtens - ausreichend Apps. Ich brauche nicht 50 Apps für ein Kompass.

Wieviel Apps braucht man eigentlich?

Alles eine Frage des Ökosystems

Im Endeffekt können alle Smartphones das Gleiche (was sinnvolle Funktionen angeht). Mal ist das eine System vorne und wird gehypt, dann das andere.
Ich denke am Ende ist es eine Frage der Systeme mit/in denen man lebt.
Google bietet Web, Tablets, Smartphones, Medien (Musik, etc.) und Chrome OS - für jemanden der hauptsächlich im Browser lebt alles dabei.
Apple bietet Web (eingeschränkter), Tablet, Smartphone, Desktop OS, Medien und ich glaube es gibt auch Server - wer nichts anderes verwendet braucht nicht mehr.
Microsoft bietet Web, Tablet, Smartphone, Desktop, Medien, Server, BI, Office (die anderen nehmen halt Google Docs oder LibreOffice - in vielen Fällen sicher ausreichend, ich kann ohne Outlook halt nicht leben) - mMn das vollständigste System, kostet halt auch und es braucht bei weitem nicht jeder.
Blackberry hat Blackberry und die BB Services - es muss also auf jeden Fall mit anderen Produkten kombiniert werden - für mich ist das nix.
Aus diesem Grund sehe ich noch eher für Windows Phone eine Zukunft als für BB (schon einfach weil WP von MS in den Markt gedrückt wird). Man darf halt nicht vergessen, dass Blackberry nicht so ganz wohlhabend ist während die 3 großen zig Milliarden Dollar in den Kriegskassen haben und auch jahrelange Verlustgeschäfte wegstecken wenn sie was durchsetzen wollen.

Nur meine persönliche Ansicht ;)

Re: Alles eine Frage des Ökosystems

Blackberry hat Mrd. $ gehabt, aber sie haben über Iphone damals gelacht und den Privat-Markt nicht ignoriert. Das war deren schwerster Fehler.... Danach haben sie ein halbherziges Tablett erstellt, was eigentlich gar nicht so schlecht war, abgesehen von der Software, die nicht wirklich fertig war... und wieder 1-2 Mrd. versenkt...

Nokia hat es cleverer gemacht: Sie haben ein Neustart gemacht und sich wieder auf die Hardware konzentriert. Ob es nun gescheit ist auf Windows zu wechseln - meines Erachtens: JA, weil mit Android hätten sie keine Change gehen Samsung, HTC oder Sony. Wenn Windows8 erfolgreich sein wird, sind sie die Führenden in diesem Betriebssystem und kein Mitläufer bei Android.

Ich hätte nie geglaubt, dass sich die smartphones durchsetzten.

Diese klobigen Dinger muss man mitschleppen mögen.

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