Huawei: Spionage für China? "Das wäre Selbstmord"

05.03.2013 | 11:25 |  Sara Gross (DiePresse.com)

Als Telekomausrüster ist Huawei bereits auf Niveau des Marktführers Ericsson. Nächstes Ziel ist der Smartphone-Markt und auch das läuft bisher wie geschmiert.

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Der Name Huawei ist in Europa noch wenig bekannt, obwohl die chinesische Firma eines der Schwergewichte der Telekom-Branche ist. "Wir sind ein sehr junges Unternehmen", sagt der Brite Scott Sykes, der bei Huawei für die internationale Medienkommunikation zuständig ist. In den 25 Jahren seit die Firma in Shenzhen in China gegründet wurde gelang es Huawei mit dem weltgrößten und einem der ältesten Netzausrüster, Ericsson, gleichzuziehen.

Beeindruckend ist auch die rasche Eroberung des stark umkämpften Smartphone-Marktes. Erst seit zwei Jahren vermarktet Huawei die Geräte unter dem eigenen Namen und im letzten Quartal 2012 gestand der Marktforscher IDC der Firma bereits den dritten Platz hinter Samsung und Apple zu. Alte Hasen wie Blackberry, Nokia, Sony oder HTC haben das Nachsehen. Beim Marketing steht der Konzern am Mobile World Congress, der größten Handy-Messe, in Barcelona den beiden Marktführern um kaum etwas nach - egal, ob es um das größte oder schnellste Smartphone geht.

USA trotz des Erfolgs skeptisch

Obwohl das Geschäft kaum besser laufen könnte, hat Sykes keinen einfachen Job. Immer wieder muss er sich denselben Fragen stellen: Warum warnt die US-Regierung vor Huawei? Sind die Netze tatsächlich unsicher, arbeitet Huawei für die chinesische Regierung und spioniert für sie in den USA? Wie automatisiert gibt der PR-Manager im Gespräch mit DiePresse.com alle Punkte zu Protokoll, die die Bedenken entkräften sollen. Man sei in 140 Ländern erfolgreich, wären die Netze unsicher, wäre das wohl nicht so. 70 Prozent der Umsätze macht Huawei außerhalb Chinas - ein Geschäft, das man verlieren würde, würde man für die chinesische Regierung arbeiten. "Das wäre unternehmerischer Selbstmord", sagt Sykes. Die britische Regierung habe die Technik von Huawei bis ins kleinste Detail untersucht und kein Problem entdeckt. Und überhaupt: Huawei habe in den USA keinen nennswerten Marktanteil, wie könnten angeblich aus China stammende Hacker da über Huawei-Technik angreifen?

Geheimnisse um Eigentümer und Gründer

Die USA ließen sich bis zuletzt nicht überzeugen. Eine Untersuchungskommission empfahl in ihrem Schlussbericht vergangenen Oktober Providern auf den Einsatz von Huawei-Ausrüstung zu verzichten. Huawei glaubt, dass hinter der US-Blockade Protektionismus steckt. "Wem nutzt so ein Bericht, wenn nicht unserer Konkurrenz?", fragt Sykes. Vielleicht sind aber auch die kleinen Geheimnisse, die das Unternehmen umgibt, mitschuld an der Skepsis. Eines davon ist die komplizierte Eigentümerstruktur. Huawei ist nicht börsennotiert, sondern gehört 65.000 chinesischen Mitarbeitern, die auch den Verwaltungsrat wählen, erklärt Sykes. Außer dem Konzernchef hält angeblich kein Manager oder Verwaltungsrat mehr als 1 Prozent. Den Handel mit den Anteilen untersagt die Firma. Einen Börsengang, der für Kritiker mehr Transparenz bedeuten würde, lehnt Huawei bisher ab.

Gründer und Chef Ren Zhengfei sorgt ebenfalls immer wieder für Spekulationen. Dem ehemaligen Offizier werden enge Verbindungen zur chinesischen Regierung und vor allem zum chinesischen Militär nachgesagt. In Europa hätte man niemals solche Probleme gehabt, meint Sykes. "In Europa fühlen wir uns willkommen", sagt er. "Wir haben 7000 Mitarbeiter dort und betreiben acht Entwicklungs- und Forschungszentren". 4,5 Milliarden Dollar Umsatz machte Huawei 2012 in Europa - weltweit waren es mehr als 35 Milliarden Dollar, wobei die Hälfte davon nach wie vor auf den asiatischen Raum entfällt.

Kampf mit "Made in China"-Image

Am Smartphone-Markt steht Huawei vor einem weiteren Problem. Das Image der Marke als chinesisches Billigprodukt. Lange wurden Smartphones und andere Geräte von Huawei als günstige Produkte unter dem Namen anderer Firmen verkauft - zum Beispiel T-Mobile. Die Marketingabteilung ist sichtlich bemüht das "Made in China"-Image abzulegen, was sich auf großen Produktmessen sehr deutlich äußert. Die großen Stände brauchen den direkten Vergleich mit Samsung oder Nokia nicht scheuen. 2012 zierte das Gelände des Mobile World Congress in Barcelona sogar ein überlebensgroßer Pegasus, gebildet ausschließlich aus dem neuen Flaggschiff-Smartphone von Huawei. Die Geräte selbst spielen technisch in der Oberliga und beim Design ist man um ein edles Gefühl bemüht, etwa, wenn der Kunststoffrücken mit Struktur und Musterung teurere Materialien suggeriert. Ein Trick, auf den auch andere Hersteller setzen. Der Preis ist trotzdem niedriger als bei der Konkurrenz. Ob Huawei das nächste Samsung werden kann, wird sich weisen. Der Markt jedenfalls ist schnellebig genug, wie der rasche Aufstieg von Samsung oder der ebenso spektakuläre Abstieg von Blackberry und Nokia zeigen.

 

(sg)

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3 Kommentare
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Argumente

1) "Das wäre Selbstmord das zu tun". Diese Verteidigung habe ich schon oft gehört. Und drei Monate später wurde dann oftmals zugegeben, dass es doch getan wurde.
2) "Die britische Regierung hat die Technik untersucht und kein Problem entdeckt." Die britische Regierung erlaubt auch Echelon Abhörstationen in ihrem Land. Weiß nicht, ob das ein brauchbarer Beweis ist. Außerdem werden die unwahrscheinlich alle Produkte untersucht haben.
3) "Sie haben nur einen kleinen Marktanteil" Was ist das für ein Argument? Jeder Polizeispitzel hat nur sehr beschränkten Kundenkontakt. Mit dem selben Argument könnte man behaupten, es gäbe keine Spitzel.

es

... Geht nicht nur um direkte spionage, die natuerlich immer schwer ist zu beweisen. Es geht auch um das verhalten im Ernstfall. Wo wird wohl die loyalitaet eines chinesischen managers liegen wenn es im ernstfall um den zugriff oder um einschraenkungen der kritischen Telecom-infrastruktur geht?

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Re: es

Und diese Manage noch dazu ehemaliger Offizier des chinesischen Militär ist.

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