Handy-Viren: Der Feind in deiner Tasche

Der Virenschutz-Anbieter Ikarus über Apple, Android und Online-Banking. Das größte Sicherheitsrisiko ist und bleibt der User selbst.

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Handy-Viren: Der Feind in deiner Tasche
Symbolbild – Reuters

Handys haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum digitalen Taschenmesser entwickelt, bei dem das Telefonieren nur eine Funktion von vielen ist. Dass so ein Smartphone in der Hosentasche nicht nur sehr praktisch ist, sondern als vollwertiger Computer ähnlich wie sein großer Bruder auf dem Schreibtisch Ziel von Attacken aus dem Internet werden kann, ist aber noch nicht in viele User-Köpfe gedrungen.

"Handy-Viren gab es schon für Nokias Betriebssystem Symbian", erklärte Joe Pichlmayr, Chef des Wiener Security-Software-Herstellers Ikarus. "Allerdings haben die fast alle nur unter Laborbedingungen funktioniert. Mir ist von damals kein einziger Fall einer Symbian-Infektion in Österreich bekannt", es habe sich damals eher um "proofs of concept" gehandelt. "Die Geschichte hat sich geändert, als Googles Betriebssystem Android seinen Siegeszug angetreten hat."

Apple ist sicherer

Vom Standpunkt der Sicherheit wäre Apples iPhone "definitiv" der Vorzug gegenüber Android-Handys zu geben, sagte Pichlmayr im Gespräch. Während das Apple-Betriebssystem iOS ohne "Jailbreak" schwer auszuhebeln sei - d. h., der Anwender muss das Betriebssystem bewusst "öffnen", um darauf Programme zu installieren, die nicht von Apple abgesegnet wurden -, sei Android eine offene Plattform. Das erkläre einerseits, warum Android so erfolgreich sei und warum es rasch sehr viele Apps für dieses Betriebssystem gegeben habe, aber auch die Anfälligkeit von Android für "Malicious Apps", also Schadprogramme.

"Ich würde mit einem Smartphone, das auf Android basiert, sicher nicht mehr ohne Virenschutz online gehen", bringt der Ikarus-Chef sein eigenes Produkt ins Spiel. Das gelte besonders dann, wenn man das Handy auch für Online-Banking verwende. Wer das nämlich ohne Virenschutz und damit nicht dem Stand der Technik entsprechend mache, agiere auch rechtlich gesehen fahrlässig und hafte für einen möglichen Schaden selbst.

Trojaner in der Android-Welt

Online-Banking-Trojaner für PCs gebe es schon lange, "die ersten, die wir in Österreich registriert haben, stammen aus 2005/2006", erklärte Pichlmayr. In der Android-Welt sei man inzwischen schon bei mehr als 33.000 entdeckten Schadprogrammen angelangt.

Kein Wunder, dass in so einem Umfeld auch die Anbieter von Anti-Viren-Programmen gut gedeihen. Der Kunde hat die Wahl und damit auch die Qual, auch die Produkte einiger Mitbewerber seien durchaus empfehlenswert, räumt der Ikarus-Chef ein. Sein Schutzprogramm "Ikarus mobile.security" gibt es gratis in einer "Lite"-Variante - punkten und Geld verdienen will Ikarus mit der Vollversion, die unter anderem über einen Diebstahlschutz, einen Sperrfilter gegen unerwünschte SMS und einen URL-Filter verfügt. Einen kräftigen Anschub erhofft sich die Wiener Software-Firma von einer kürzlich geschlossenen Kooperation mit Erste Bank und Sparkassen, die ihren Kunden den Kauf der Drei-Jahres-Lizenz zum Hälftepreis von 9,90 Euro nahelegen.

200.000 neue Viren-Files pro Tag

Der manchmal geäußerte Verdacht, dass die Anbieter von Virenschutz-Programmen ein Interesse daran haben könnten, selbst Viren in die Welt zu setzen, ist für Pichlmayr nachvollziehbar, aber leicht zu entkräften. "Wir haben an Spitzentagen mittlerweile über 200.000 neue Viren-Files pro Tag. Da noch eines dazu zu schreiben, würde auch keinen Unterschied machen."

Das größte Sicherheitsrisiko ist für Pichlmayr immer der User selbst. Zum Hochrisiko-Verhalten gehöre es etwa, mit ungesicherten Browsern Games-, Cracks- oder Pornoseiten zu besuchen. "Das sind immer noch die meistfrequentierten Seiten im Netz."

Die in den 1980er-Jahren gegründete Ikarus Security Software GmbH beschäftigt derzeit 54 Leute, die alle in Wien sitzen, "und hier werden wir auch bleiben", betonte Pichlmayr. Ihm gehören 49 Prozent der Anteile an dem Unternehmen, das zuletzt rund fünf Millionen Euro Umsatz erzielt hat. Zwei andere führende Mitarbeiter halten jeweils 26 Prozent.

 

(APA)

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