Google will künftig Hardware selbst herstellen

Googles Android-Software ist auf unzähligen Geräten installiert. In Zukunft will Google auch die Geräte liefern. Langjährige Partner werden zu Konkurrenten.

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Googles Stand in Halle 2 war zugleich eine interaktive Wand. Jedes Pixel war auch ein Button. – (c) REUTERS (PAUL HANNA)

Google hat bis jetzt immer stark mit Hardware-Herstellern zusammengearbeitet, um neue Nexus-, oder Pixel-Geräte auf den Markt zu bringen. Das soll sich jetzt aber ändern, auch wenn man einen Konflikt mit längjährigen Hardware-Partnern, darunter auch LG, riskiert. Googles Software-Produktportfolio ist über die letzten Jahre immens gewachsen. Das der Konkurrenz aber auch, denn diese haben sich in Hard- und Software gleichermaßen weiterentwickelt. Bei Google war das bislang nicht der Fall.

Google will sich aber in seinem eigenen Geräteangebot nur auf wenige Kategorien beschränken. "Wir werden nicht hunderte Produkte haben, wer werden uns auf einige wenige Schlüssel-Bereiche fokussieren", sagte der Chef der Gerätesparte des Internet-Konzerns, Rick Osterloh, auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Das seien unter anderem Smartphone und vernetzte Lautsprecher.

In China Google-Smartphones ergäbe keinen Sinn

Dabei gehe es auch darum, Googles Dienste und Plattformen wie den Assistenten mit künstlicher Intelligenz mit Hilfe von Hardware voranzubringen. "Was wir nicht machen werden, ist ein Gerät in einem Bereich herausbringen, in dem Google nicht engagiert ist." Das gelte auch für China, obwohl es ein riesiger Smartphone-Markt sei: "Da Google in China kein Service-Geschäft hat, ergibt es für uns auch keinen Sinn, dort Smartphones zu verkaufen."

Google brachte im vergangenen Herbst das Smartphone Pixel und den vernetzten Lautsprecher Google Home auf den Markt. In beiden ist der Google Assistant integriert, den der Konzern mit der Zeit in möglichst viele Geräte bringen will. Kunden beklagen sich allerdings darüber, dass bestimmte Google-Geräte kaum verfügbar sind. So ist das Pixel-Smartphone mit 128 Gigabyte Speicher schon seit Wochen "nicht auf Lager".

Ob das Hardware-Geschäft profitabel ist, sei zunächst einmal zweitrangig, sagte der Google-Manager: "Unser Fokus liegt nicht auf finanziellen Kennzahlen, sondern darauf ein gutes Produkterlebnis zu gestalten und es für mehr Nutzer verfügbar zu machen." Damit ist Osterlohs Sparte in einer deutlich komfortableren Position als die vielen Hersteller von Geräten mit dem Google-System Android, die in einem brutalen Wettbewerb meist nur kleine oder gar keine Gewinne einfahren.

Referenz-Geräte aus eigenem Hause

Google riskiert mit dem eigenen Geräte-Angebot, seine langjährigen Hardware-Partner zu verärgern. Der Internet-Konzern stellt ihnen einerseits Android zur Verfügung, konkurriert nun aber auch direkt mit den Herstellern. "Wir wollten Verbrauchern zeigen, wie das bestmögliche Google-Erlebnis aussieht", begründete Osterloh den Einstieg ins Hardware-Geschäft. Das sei auch das gemeinsame Thema bei Googles Geräteangebot insgesamt: "Fast alle unsere Produkte spiegeln diese Strategie wider." Die Technologie habe eine Stufe erreicht, auf der man Software und Hardware in vielen Fällen zusammen entwickeln müsse.

Ähnliche Bedenken über Interessenkonflikte mit Hardware-Partnern vermutete man auch anfänglich bei Microsoft und dem Launch der Surface-Produkte. Nichts davon erfüllte sich. Nach wie vor brauchen die OEMs Microsoft für die Software, weswegen diese Partnerschaften auch weiterhin funktionieren.

Google konzentriere sich auf Premium-Geräte mit aktuellen Innovationen, der Vorstoß in günstigere Produktklassen sei derzeit nicht geplant. Zugleich werde es regelmäßig neue Google-Smartphones geben, versicherte Osterloh. Er wollte auf Anfrage keine Angaben dazu machen, ob der Pixel-Hersteller HTC weiterhin der Fertiger bleibe. Es werde mit der Zeit über Produktkategorien hinweg stärker eine einheitliche Linie beim Design geben, was die Geräte wiedererkennbar machen solle.

Google prüfe eine Produktion in den USA, sagte Osterloh. Der Manager war früher unter anderem beim Handy-Pionier Motorola, der Werke im Heimatland hatte. "Und ich kann ihnen mit meiner Erfahrung sagen, dass es ein schwieriges Unterfangen ist." Das liege unter anderem daran, dass sich die meisten Zulieferer in Asien befänden.

Google-Smartwatch nicht ausgeschlossen

Osterloh schloss nicht aus, dass Google in Zukunft eine smarte Uhr unter dem eigenen Namen herausbringt. Zur Idee einer Neuauflage der Datenbrille Google Glass äußerte er sich hingegen skeptisch - weil dies nicht zum aktuellen Dienste-Angebot von Google passe. Die Notebook-Marke Pixel ließ Google unterdessen vorerst auslaufen: Die erste Generation sei ausverkauft und aktuell keine weitere geplant, sagte Osterloh.

"Google ist nicht als Verbraucherelektronik-Firma bekannt", räumte der Manager ein. "Wir haben angefangen, eine Marke und einen Ruf dafür aufzubauen, aber wir stehen noch am Anfang."

(Red./APA/DPA)

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