Featuritis, oder warum das Galaxy S8 zu viel kann

Das Debakel rund um das Galaxy Note 7 soll endgültig Geschichte sein. Dafür soll das Galaxy S8 sorgen. Doch es ist ein schmaler Grat zwischen Innovation und zu sehr bemüht.

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REUTERS

Es ist der tägliche Begleiter, der ständig in der Hosentasche, Jacke oder Tasche auf seinen Einsatz wartet. Egal, ob zum Fotografieren, Snapchatten, Instagramen, WhatsAppen, Facebooken, Googeln. Das Handy ist allzeit bereit. Sogar, wenn man damit telefonieren will. Smartphones sind Statussymbol und Lifestyle-Produkt. Zum Arbeiten verwenden es nur noch die wenigsten.

Fesch soll es sein, damit sich auch der Besitzer der achten Galaxie hübsch fühlt und auf seinen Selfies strahlen kann. Simpel und schlicht ist am Galaxy S8 nämlich nichts. Das war auch nicht Samsungs Ziel. Es soll "perfekt" sein. Die letzten Monate sollen durch das neue Topmodell überstrahlt werden und vergessen lassen, dass Samsung bis vor kurzem noch die Brandursache des Galaxy Note 7 untersucht hat.

Dabei haben die Südkoreaner vieles bei ihrer Rückrufaktion richtig gemacht: Es wurden rechtzeitig Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet und der Verkauf gestoppt. Die Kunden bekamen Ersatz oder das Geld zurück. Die Strategie "Better safe than sorry" wurde mit aller Konsequenz durchgezogen. Koreanisch halt. Aber es wurden auch Maßnahmen gesetzt, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Dafür wurde auch der Start um einen Monat verschoben. Damit alles perfekt ist. Nichts darf schiefgehen. Es muss alles wie am Schnürchen laufen. Kein Hicksen, Ruckeln oder Stolpern, denn davon würde sich das Unternehmen nicht mehr erholen.

Es gibt auch Grenzen des Zumutbaren

Genau deswegen hat Samsung in dieses Gerät alles gepackt, was derzeit möglich ist. Das Display macht 84 Prozent der Front aus. Fingerprint-Scanner, Iris-Scanner, Gesichtserkennung, schnelleres LTE, hochauflösende Kameras an der Front und eine Dual-Pixel-Kamera auf der Rückseite, doppelter statt einfacher Sound und ein Assistent, der selbst als Shopping-Begleiter eingesetzt werden kann. Zwar nicht so gesprächig wie vielleicht der beste Freund, aber besser informiert, wenn man sich damit begnügt, dass Bixby vorerst nur Englisch oder Koreanisch kann. 

Das Galaxy S8 ist ein Sinnbild für die Featuritis, die sich in den Smartphones aller Hersteller festgesetzt hat. Je mehr ein Handy kann, umso besser ist es, so der allgemeine Konsens. Dabei ist es den Herstellern egal, ob die neuen Features zum Start auch wirklich funktionieren oder gar verfügbar sind. Hauptsache, sie können damit werben und weil der Nutzer sowieso von der Ausstattung erschlagen wird und mitunter sogar überfordert ist, vergisst er sowieso, was es noch hätte alles können müssen. Eigentlich keine schlechte Strategie.

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