Eine Ode an den Home-Button

Samsung stand bereits vor dem Verkaufsstart des Galaxy S8 unter enormem Druck. Bei der Software-Implementierung hat man aber Maß und Ziel aus den Augen verloren.

Das S8 kann richtig viel, sogar ein bisschen zu viel.
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Das S8 kann richtig viel, sogar ein bisschen zu viel.
Das S8 kann richtig viel, sogar ein bisschen zu viel. – (c) APA/AFP/JUNG YEON-JE

Er war einfach immer da. Egal wie sehr man sich in den Tiefen des Menüs eines Smartphones verloren hat, der Home-Button hat einen immer wieder sicher an den Anfang der Reise zurück gebracht. Mit der Zeit bekam der kleine physische Button immer mehr praktische Funktionen. Immer mehr Hersteller sehen aber in diesem Jahr in dem Knopf einen unnötigen Platzhalter. Vielerorts wurde er aufgrund der Platzoptimierung wegrationalisiert. Eine Tatsache, die besonders bei Samsung undenkbar schien. Eben wegen der vielfältig eingebetteten Funktionen. Smartphones werden immer größer, und damit einhergehend wurde die Einhandbedienung zum Wunschdenken. Ein Problem für viele Smartphone-User, zumindest glauben das die Hersteller. Immerhin will angeblich auch Apple den runden Knopf entfernen.

Beim Galaxy S8 musste er schon aus platzökonomischen Gründen weichen. Das Display spielt jetzt die Hauptrolle und nimmt 86 Prozent der Frontseite ein. Zusätzlich wurde das Seitenverhältnis von 16:9 auf 18,5:9 geändert. Der Vorteil liegt darin, dass es schmaler ist und trotz einer Größe von 5,8 Zoll angenehm und rutschfest in der Hand liegt.

Das „Aber“ liegt im Detail

Samsung hatte wohl nicht mehr genügend Zeit, den Fingerprint-Scanner direkt im Display zu platzieren, das hätte aber mehr Sinn gehabt als die jetzige Position, für die es Vor- und Nachteile gibt. Einerseits ist es beim Entsperren praktisch. Irgendein Finger liegt ja ohnehin immer auf der Rückseite. Doch die Platzierung könnte ungünstiger nicht sein.

Kamera, Pulsmesser und der Scanner sind bündig im oberen Drittel. Das ist schön, aber unpraktisch. Denn die Kamera muss ständig geputzt werden. An das Putzen gewöhnt man sich schnell, und sollte man darauf vergessen, erinnert einen die Kamera-App an die mögliche Verschmutzung. Erwischt man den Scanner, Punktlandung vorausgesetzt, dann reagiert er immerhin schnell und zuverlässig.

Vom direkten Einstieg in die Kamera-App kann man sich beim S8 direkt verabschieden. Die Aufgabe übernimmt jetzt mehr schlecht als recht der seitliche Power-Button.

Bixby, ein halbfertiges Drama

Der smarte Assistent Bixby könnte tatsächlich einen Mehrwert bieten, wenn er denn funktionieren würde. Die von Samsung entwickelte künstliche Intelligenz ist zudem derzeit nur auf koreanisch verfügbar. Und das wird sich auch nicht so schnell ändern. Das Erkennen von Objekten hat bislang kein einziges Mal im Test funktioniert. Die Spracherkennung ist nur in der Theorie vorhanden. Unter optimalen Bedingungen funktioniert zumindest die Texterkennung. Das Frustlevel steigt schnell, ob der geringen Funktionalität.

Altbekannte Stärken

Nach dem zweiwöchigen Test lässt sich sagen, dass Samsung weiterhin bei Display, Kamera und auch Design punkten kann. Auch die Akku-Ausdauer ist ein Punkt auf der Pro-Liste. Samsung hat den selben Akku wie im Note 7 verbaut. Explosionsgefahr besteht aber (noch) keine. Aber vieles ist gewollt und erweckt den Anschein, als hätte man alles, was die Forschungs- und Entwicklungsabteilung im Köcher hatte, implementiert. Die Unmenge an Software wirkt erschlagend, und das trotz überarbeiteter, verschlankter Benutzeroberfläche. Zum Vorgänger bietet es, abgesehen vom Design, hinsichtlich der Software keinen Mehrwert. ?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2017)

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