Wien/New York (auer/ag.). „Java ist die wichtigste Software, die wir jemals zugekauft haben“, jubilierte Oracle-Chef Larry Ellison noch im Jänner anlässlich der Übernahme von Java-Erfinder Sun Microsystems. Ein halbes Jahr später wird klar, was Java für den US-Softwarekonzern so wertvoll macht.
Am Freitag brachte Oracle eine Klage gegen Google wegen Patentverstößen bei dessen Handybetriebssystem Android ein. Google habe bei der Entwicklung der populären Software „wissentlich und mehrfach Patent- und Urheberrechte von Java verletzt“, heißt es in der Anklageschrift. Nun fordert Oracle „angemessenen Schadenersatz“.
Google-Chef früher bei Sun
Suns Java-Technologie ermöglicht es Programmierern, Software zu erstellen, die mit unterschiedlichen Geräten und Betriebssystemen funktioniert. Heute wird die Software auf Milliarden Handys verwendet. Googles Android, ein offenes Betriebssystem für Smartphones, wurde vom Konzern 2007 vorgestellt und wird seither gratis an die Hersteller vergeben. Im Gegenzug erhofft sich der Internetgigant steigende Marktanteile auf dem stark wachsenden Markt für Mobilfunkwerbung. Allein in den USA sollen damit heuer 600 Mrd. US-Dollar (468,8 Mrd. Euro) umgesetzt werden. Da Googles Android erstens gratis und zweitens eben mit vielen Geräten kompatibel ist, können sich immer mehr Hersteller wie etwa Motorola oder HTC für die Software erwärmen.
Laut Klage kannte Google die Sun-Patente „seit Mitte dieser Dekade“. Damals waren etliche Sun-Mitarbeiter zum Suchmaschinenbetreiber gewechselt. Auch Google-Chef Eric Schmidt kam erst im Jahr 2001 von Sun Microsystems zu Google. Zuvor war der Informatiker als Leiter der Java-Entwicklung und späterer Technikchef maßgeblich am Erfolg der Software beteiligt.
Sun betonte damals stets, seine Patentrechte nicht gegen „Open Source“-Software wie Googles Android durchsetzen zu wollen. Oracle, das sich die Softwareschmiede zu Jahresbeginn um sechs Mrd. Dollar gekauft hat, hält davon offenbar nichts. Stattdessen spielt das Unternehmen im Kampf um Marktanteile auf dem rapide wachsenden Smartphone-Markt bewusst die „Patentkarte“ gegen Google aus. Nähere Details zur Klage wollte Oracle nicht nennen. Google will die Klage erst prüfen und dann kommentieren.
Android erobert Platz drei
Die Attacke kommt just in dem Moment, in dem erstmals mehr Android-Handys als iPhones von Apple verkauft wurden. Im zweiten Quartal kletterte das Google-Produkt mit einem Marktanteil von 17,2 Prozent auf den dritten Rang, berichtet der US-Marktforscher Gartner (siehe Grafik). Damit liegt Android nur noch knapp hinter dem Blackberry-Hersteller RIM. Der Marktführer Nokia rutschte mit seiner Software Symbian auf 41,2 Prozent stark ab.
Schon im Jahr 2012 wird ein Fünftel aller Smartphones weltweit mit der Software von Google laufen, schätzen die Marktforscher von Nielsen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2010)
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