Nokia C6 im Test: Alte Technik neu serviert

Nokia hat ein neues Touchscreen-Gerät mit integrierter QWERTZ-Tastatur auf den Markt gebracht. Das C6-00 ähnelt auf den ersten Blick gleich zwei bekannten Modellen des finnischen Herstellers. Einerseits dem N97 mini, andererseits den Touchscreen-Geräten der Musikhandy-Reihe XM. DiePresse.com hat sich angesehen, ob Nokia mit dem C6 einen ernsthaften Konkurrenten für die Smartphone-Welt produziert hat.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Das Kunststoffgehäuse, das Nokia wahlweise in Schwarz und Weiß anbietet, sieht real deutlich besser aus als auf den Fotos, gewinnt aber trotzdem keinen Schönheitspreis. "Form follows Function" scheint Nokias aktuelles Designcredo zu sein. Die spiegelnde Vorderseite ist ein Magnet für Fingertappser.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Auf der Rückseite verbergen sich die Linse für die Fünf-Megapixel-Kamera, der LED-Blitz und Lautsprecher. Einen Mechanismus, um die Linse zu schützen, sucht man vergeblich. Ein dünnes Stück Plexiglas liegt davor und muss regelmäßig gereinigt werden. Unter der Abdeckung erhält man Zugang zum Akku mit 1200 mAh und der SIM-Karte.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Der Schacht für die MicroSD-Karte ist über eine Gummiabdeckung auf der Seite zugänglich. Nokia liefert zwei Gigabyte mit, um den mit 200 Megabyte etwas knapp bemessenen internen Speicher aufzufetten.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Mit fast 17 Millimetern ist das C6 etwas dick geraten. Grund dafür ist die Ausziehbare Volltastatur. Die Schiebemechanik rastet mit einem laut und deutlich hörbaren Klacken ein. Heimliches SMS-Tippen unter der Schulbank oder im Kino klappt auf die Weise nicht. Dann muss schon der Touchscreen herhalten, der allerdings etwas träge auf Fingereingaben reagiert. Die Tasten sind deutlich enger und kleiner als beim N97 mini. Dadurch haben jetzt auch alle Umlaute Platz, nicht nur das Ü. Der Schreibkomfort leidet aber etwas darunter.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Nokia hat die EU-Vorgabe der einheitlichen Ladegeräte nach Micro-USB-Standard auf der Agenda. Das C6 lässt sich dennoch nicht über den USB-Anschluss laden. Man muss für den Ladevorgang also auf den proprietären Nokia-Anschluss zurückgreifen. Eine Nachlässigkeit, die nur schwer zu begreifen ist und in Nokias Support-Foren auch schon für Aufregung sorgte.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Die dedizierten Tasten auf der rechten Gehäuseseite dienen zum Sperren und Entsperren des Bildschrims, zum Auslösen von Fotos und der Lautstärkeregelung. Letzteres klappt aber nur, wenn man in Gesprächen ist oder Musik hört beziehungsweise ein Spiel geöffnet hat. Die Klingeltonlautstärke muss etwas mühsam über die Profileinstellungen geregelt werden.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Will man diese Tasten nutzen, verschiebt sich je nach Handhaltung das Oberteil der Gehäuses ein wenig. Nicht unbedingt ein großes Problem, aber doch etwas lästig.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Das Nokia C6 liegt recht gut in der Hand, fühlt sich aber recht schwer an. Mit 150 Gramm ist es schwerer als etwa ein iPhone 3GS (135 Gramm) oder auch das N97 mini (138 Gramm). Wenig Freude löst das Wiedersehen mit dem Betriebssystem aus. Symbian S60 5th Edition läuft auch auf dem C6, genauso wie auf den Touchscreen-Vorgängern von Nokia. Und genauso langsam und träge wie bei den Vorgängern reagiert es auch jetzt. Der Nachfolger Symbian^3 wird erst mit dem N8 veröffentlicht.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Etwas lieblos wirkt die Anzeige, wenn der Bildschirm gesperrt ist. Symbole zeigen an, wieviele SMS und Anrufe man verpasst hat. Im letzten Fall blinkt dann auch der mittlere der drei Buttons. Neue E-Mails werden leider nicht angezeigt. Für Erheiterung sorgte in der Redaktion die Aufforderung "Zur Freigabe streichen", eine etwas holprige Übersetzung von "Swipe to Unlock". Immerhin hat Nokia nicht "streicheln" geschrieben.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Nokia wirft sein volles Marketing-Schwergewicht in seinen Ovi Store, über den man weitere Programme und Erweiterungen herunterladen kann. Aufgrund der eher schwachbrüstigen Hardware aktueller Nokia-Geräte und deren CPUs mit nur 434 Megahertz, die selbst in aktuellen Top-Modellen eingebaut werden, sind auch die Programme wenig spektakulär.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Recht witzig ist das Rennspiel Ovi MapsRacing, in dem man selbst Rennstrecken zusammenbasteln kann. Als Ausgangsmaterial dienen Karten vom Navigationsdienst Ovi Maps, der inzwischen kostenlos auf allen Nokia-Handys mit GPS verfügbar ist. Leider zeigt das Spiel aber Häuser und Sehenswürdigkeiten nicht an, sondern lediglich graue Klötze. Es ist also egal, in welcher Stadt man unterwegs ist.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Etwas ärgerlich war der Installationsvorgang bei mehreren Anwendungen. Mittendrin brach das Gerät einfach ab und war durch Benutzereingaben nicht zur Kooperation zu bewegen. Die Installation von Skype etwa war erst nach mehreren erfolglosen Versuchen möglich. Natürlich ist das immer auch stark davon abhängig, wie gut die aktuelle mobile Internetverbindung gerade ist.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Klappt der Download, dann ist die Installation eines alternativen Browsers, wie hier etwa Opera Mini, Pflicht. Der mitgelieferte Webbrowser ist leider nur für Notfälle zu gebrauchen.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Bei der E-Mail-Verwaltung bietet Nokia inzwischen eine halbwegs brauchbare Anbindung an Exchange-Server, wie sie viele Firmen nutzen. Etwas ärgerlich ist aber, dass man etwa bei Kontakten nur zwei Auswahlmöglichkeiten hat: Entweder überschreibt das Telefon die Firmenserver oder umgekehrt. Dass die jeweils aktuelle Version für die Synchronisierung hergenommen wird, fehlt als Einstellmöglichkeit komplett.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

In Ordnung ist die Klangqualität, wenn man das C6 als Musikplayer nutzen möchte. Die mitgelieferten Kopfhörer kann man aber getrost in die Kategorie "gar nicht erst auspacken" reihen. Der klang ist Blechern und bei unserem Testexemplar begannen sie zu knacken und zu krachen, sobald man das Kabel nahe der Buchse auch nur ein bisschen bewegte. Steuerknöpfe für die Musik sucht man vergeblich, lediglich ein Knopf zum Abheben von Telefongesprächen und Aktivierung der Sprachbefehle ist vorhanden.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Wer gerne unterwegs Fotos schießt, findet in der fünf-Megapixel-Kamera des C6 eine brauchbare, wenn auch nicht überragende Lösung. Die Fotos bieten eine gute Schärfe, aber etwas stumpfe Farben. Videos nimmt das C6 in VGA-Auflösung auf. HD-Formate sind nicht möglich. Vor Aufnahmen ist es ratsam, die Linse zu putzen, da sie sehr leicht verschmiert.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Fazit

"Never change a running system" dürfte sich Nokia beim C6 gedacht haben. Denn bis auf wenige Änderungen gleicht es dem N97 mini technisch bis aufs Haar. Derselbe Prozessor, derselbe RAM, dasselbe Betriebssystem, dieselben Stärken, dieselben Probleme. Positiv fällt der Formfaktor auf, negativ das Gewicht. Mit dem Symbian-System muss man sich erst anfreunden, den leichten Einstieg oder die Reaktionsfreudigkeit anderer Smartphone-Systeme bietet es nicht. Dafür ist das C6 schon ab rund 260 Euro ohne Vertrag erhältlich, deutlich billiger als das N97 mini.(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

Technische Daten

Typus: Slider mit 3,2-Zoll-Display (640 x 360 Pixel)
Kommunikation: HSDPA/EDGE/UMTS, WLAN, Bluetooth
Kamera: 5 Megapixel, LED-Blitz, Auto-Fokus, Geo-Tagging
Besonderheiten: A-GPS, microSD-Slot
Größe/Gewicht: 113 x 53 x 17 Millimeter
Verfügbarkeit/Preis:ab 260 Euro ohne Vertrag(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)

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