N8 im Test: Nokias bestes Handy ist nicht gut genug

Die Finnen haben große Hoffnungen auf ihr neues Flaggschiff gesetzt. Das Nokia N8 soll der bisher technisch und bedienungsfreundlich überlegenen Konkurrenz von iPhone, Android und Windows Phone die Stirn bieten können. Nach einigen Fehlschlägen soll das neue Betriebssystem Symbian^3 wieder frischen Wind bringen. DiePresse.com hat geprüft, ob dieser ein Orkan oder eher ein laues Lüftlein ist.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Gleich zu Beginn fällt auf: Das N8 ist wie ein Panzer gebaut. Das Gehäuse wirkt wie aus einem Guss, das viele Metall gibt ein Gefühl der Sicherheit. Fast glaubt man, man könnte damit in den Krieg ziehen. Dennoch wiegt es mit 135 Gramm etwa gleich viel wie ein iPhone 4. Der Höcker für die Kameralinse von Carl Zeiss und den Xenon-Blitz stört das schlanke Bild aber.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Von den Bedienelementen bietet das N8 keine Überraschungen. Kamera-Auslöser, Bildschirmsperre und Lautstärketasten sind alle dort, wo man sie vermuten würde und gut erreichen kann.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Da das N8 eine Unsitte von Apple übernommen hat, und keinen selbst austauschbaren Akku bietet, wird die SIM-Karte auf der Seite eingelegt. Ebenfalls dort befindet sich der Einschub für MicroSD-Karten. Selbst ohne eine Karte bietet das N8 mit 16 Gigabyte aber schon einen üppigen Speicher für Musik, Videos, Fotos und Spiele.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Auf den ersten Blick gleicht das neue Betriebssystem Symbian^3 seinem Vorgänger fast bis aufs Haar. Erst nach genauerem Hinsehen und Erleben werden die Neuerungen deutlich. Nokia-typisch wird der Startbildschirm von Programm-Verknüpfungen, Kontakten und einem Social-Network-Widget beherrscht.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Die einzelnen Widgets lassen sich beliebig auf mehrere Bildschirme verteilt anordnen. Jeder dieser Home-Screens kann mit einem separaten Hintergrundbild unterlegt werden.

Symbian^3 ist von Anbeginn deutlich flotter als bisherige Versionen. Allerdings sind die Einstellungen und die Menüstruktur nach wie vor wenig eingängig. Auch die Optik des Systems wirkt immer noch altbacken.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Kein modernes Smartphone ohne E-Mail. Die erweiterte Mail-Anwendung bietet Unterstützung für zahlreiche Formate, das N8 erkennt sogar anhand der Lokalität, welche Anbieter (etwa UPC) sich anbieten würden. Allerdings dauerte es zwei Tage, bis diese Ansicht überhaupt zur Verfügung stand. Zu Beginn des Tests war die Liste nahezu leer.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Will man dann ein E-Mail (oder SMS oder irgendetwas anderes) schreiben, offenbart sich, dass Nokia seiner Mobiltelefon-Geschichte treu bleibt. Eine Hochformat-Volltastatur gibt es nicht, man muss sich mit den Zahlentasten begnügen. Dadurch kommt fast schon Retro-Feeling auf. Immerhin reagiert das N8 sehr flott auf Eingaben, ganz im Gegensatz zu bisherigen Touchscreen-Inkarnationen von Nokia.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Dreht man das Gerät in die Horizontale, offeriert sich dann endlich die gewünschte QWERTZ-Tastatur. Im Gegensatz zu anderen Herstellern sind Umlaute und das scharfe S direkt erreichbar, ohne länger auf eine Taste drücken zu müssen.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Natürlich will man mobil auch ins Internet. Da ist der Nokia-Browser aber wie schon bisher einfach nicht zu gebrauchen. Opera Mobile oder Opera Mini, beide im Ovi Store, bieten sich dafür an.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Der Ovi Store selbst war aus unerfindlichen Gründen auf dem N8-Testgerät noch nicht vorinstalliert, sondern musste erst heruntergeladen werden. Erst dann offerierte sich Nokias App-Angebot. Inzwischen gibt es schon eine große Auswahl. Vom iPhone her bekannt sind Apps wie etwa "Angry Birds", "Shazam" oder "Fring". Dank Grafikbeschleunigung laufen Spiele deutlich flüssiger als auf bisherigen Nokia-Geräten.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Über das Social-Network-Widget lässt sich beim N8 direkt auf Facebook oder Twitter zugreifen. Äußerst sympathisch wirkt dabei Nokias Übersetzung von "What's on your mind?". Ansonsten bietet die Anwendung keine Überraschungen.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Nokia rühmt sich damit, dass Symbian immer schon Multitasking beherrscht hatte. In der Tat waren kaum Leistungseinbußen zu bemerken, wenn man mehrere Anwendungen im Hintergrund geföffnet hat. Allerdings hat auch das N8 seine Grenzen.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Für Musik bietet das N8 nicht nur einen integrierten Player, sondern auch ein Paar Ohrstöpsel samt Freisprecheinrichtung. Das Flachbandkabel ist schon vom N97 her bekannt, bietet aber in der Praxis keine Vorteile gegenüber herkömmlichen Rundkabeln.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

An Zubehör spart der Hersteller nicht. Schließt man das HDMI-Adapterkabel und das USB-Adapterkabel an, schaut das N8 aber mehr wie eine Wünschelrute aus. Dazu gibt es noch ein normales USB-Kabel zum Anschluss an den PC und ein Ladegerät.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Per HDMI lässt sich der Bildschirminhalt auf einen Fernseher oder einen geeigneten Monitor übertragen. Schaut man Videos an, wechselt die Telefonansicht in den Steuerungsmodus, während der Inhalt auf dem großen Schirm zu sehen ist. Das N8 beherrscht Dolby 5.1-Soundausgabe und kann Videos in HD-Qualität über die Schnittstelle wiedergeben.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Über das USB-Adapterkabel sollen andere Geräte ihre Inhalte auf das N8 spielen können. Im Test wollte aber kein anderes Gerät so richtig mit dem Nokia-Handy kooperieren. Von einem Konkurrenz-Smartphone wäre das jetzt auch nicht zu erwarten gewesen, aber mehrere Kameras wurden ebenfalls mit einer "Gerät nicht unterstützt"-Meldung abgefertigt. USB-Sticks funktionierten dagegen tadellos.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Die Kamera ist einer der Punkte des N8, auf die Nokia zurecht stolz sein kann. Zwölf Megapixel allein wären jetzt nicht so weltbewegend. Dank eines großen Sensors und vergleichsweise guten Objektivs bietet das N8 die derzeit wohl beste Handy-Kamera. An eine Profi-DSLR kommt die Qualität natürlich noch nicht heran.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Auf der Vorderseite befindet sich ebenfalls eine Kamera. Mit ihr sind Videotelefonate möglich, etwa über die kostenlose "Fring"-App. Qualitativ kann sie natürlich nicht mit der Kamera auf der Rückseite mithalten, muss sie aber auch nicht.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Etwas stutzig machte der Bildschirmschoner. Bei dem Testgerät schaltete sich das Display nicht aus, sondern dimmte sich lediglich. Das hilft natürlich der (durchaus guten) Akkulaufzeit nicht sonderlich, aber wenn die Beleuchtung wohl die meiste Energie frisst. Das Phänomen konnte auch auf einem Nokia C7, das ebenfalls mit Symbian^3 ausgeliefert wird, beobachtet werden.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Fazit

Kann Nokia mit dem N8 Symbian^3 zu iPhone, Android und Windows Phone 7 aufschließen? Die Antwort muss "leider nein" lauten. Das neue System ist zwar deutlich flotter und das N8 ein absolut solides Gerät, was die Hardware anbelangt. Daher sollte auch eher das "leider" als das "nein" betont werden. Vom Bedienkomfort und vor allem der System- und Menüstruktur sind die Konkurrenten Nokia nach wie vor weit voraus. Das N8 ist aber dennoch ein würdiges Flaggschiff, denn es ist das derzeit beste Gerät der Finnen. Ein Bruch mit altem Ballast, ähnlich wie Microsoft es bei Windows Phone 7 gemacht hat, hätte dem N8 aber gut getan.(c) Presse Digital (Daniel Breuss)
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