19.06.2013 23:27 Merkliste 0

Österreich - Heimat großer Apps

20.08.2011 | 17:47 |  von Norbert Rief und Alexander Weber (Die Presse)

Das Handy als Fitnesstrainer, als Reiseführer oder auch als Taxifunk: Kleine Programme machen das Smartphone erst wirklich smart. Einige der besten Apps kommen aus Österreich.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Bilder zum Thema

Smartphones sind eigentlich ziemlich dumm. Klug werden sie erst durch Apps, die billigen Zusatzprogramme, mit denen man das Handy zur Spielkonsole, zum Navi, zum Fahrradcomputer oder auch zur Wasserwaage machen kann. „Apps“, schrieb das „Wall Street Journal“, „sind die Butter auf dem Handy-Brot.“ Und ziemlich gute Butter kommt ausgerechnet aus Österreich.

„Wir waren die am meisten heruntergeladene App in Deutschland, der Schweiz, in Österreich, Frankreich, Spanien und Italien“, sagt Florian Gschwandtner, und wer mit dem ehrgeizigen 28-Jährigen spricht, der weiß, dass es nicht dabei bleiben wird. Gut möglich, dass seine App Runtastic im Fitnessbereich bald ist, was Angry Birds bei den Spielen ist.

Apps haben den Markt für Computer- und Handysoftware in den vergangenen Jahren gehörig durcheinandergewirbelt. Früher bedeutete Geld im Softwarebereich oft auch Erfolg: Große Firmen brachten ihre Programme mit enormem Marketingaufwand in die Geschäfte. Heute entfällt das Vertriebsproblem. Jemand kann in seinem Zimmer sitzen, ein Programm schreiben, in die Internetgeschäfte von Apple oder Android hochladen und damit millionenfachen Erfolg haben.


2,8 Millionen Downloads. Wie Runtastic, das 2009 von vier Oberösterreichern für Sportler entwickelt wurde. Die App zeichnet mit Hilfe des im Handy eingebauten GPS die Strecke eines Läufers auf, errechnet die zurückgelegten Kilometer, die Durchschnittsgeschwindigkeit, die überwundenen Höhenmeter und die verbrauchten Kalorien. Ende 2009 wurde die App für das iPhone vorgestellt, mittlerweile gibt es Runtastic auch für Android-Handys, für Blackberry und Windows Phone. 2,8 Millionen Mal wurde das Programm schon heruntergeladen und ist damit mit Abstand Österreichs erfolgreichster Beitrag auf dem weltweiten App-Markt. Für die vier Oberösterreicher, alle unter 30, macht sich der Erfolg seit Mai bezahlt: Seit dem Monat schreibt man Gewinn.

Haben es die Linzer auf hunderttausende iPhones und Android-Handys geschafft, kommt aus ihrem Nachbarbundesland Salzburg eine App, die auf allen neuen Blackberrys (erhältlich ab Herbst) vorinstalliert sein wird: Der Wikitude World Browser. Die Salzburger sind einer der Marktführer im Bereich der erweiterten Realität. Wer die App installiert, hält die Kamera seines Handys beispielsweise auf ein Museum oder eine Statue und erhält aus dem Internet Informationen dazu – oder sieht, wo das nächstgelegene Irish Pub ist oder ein Restaurant.

20 Mitarbeiter sitzen in Salzburg und Wien und entwickeln den Browser und die Kamera-Navigation Wikitude Drive (die Fahrtstrecke wird auf dem Videobild angezeigt) ständig weiter. Man müsse „stets etwas besser sein und etwas mehr bieten als die Konkurrenz“, sagt Geschäftsführer Martin Hedina. „Das App-Geschäft ist ein schnelllebiges Geschäft.“

Das haben zwei junge Tiroler erfahren, die 2010 die Idee für die Taxi-App „Get a Taxi“ hatten. Als sie im heurigen Mai online gingen (verzögert unter anderem wegen einer Einberufung zum Zivildienst) gab es schon etliche andere Unternehmen, die ähnliche Programme anboten, über die man Taxis bestellen und Bewertungen abgeben kann. „Als wir die Idee dazu hatten, gab es noch nichts“, berichtet der 25-jährige Fabian Rauch, der die App mit George Parth entwickelte und mit Innsbrucker Taxifahrern erprobte. Derzeit bereitet man den Sprung in die anderen Landeshauptstädte vor, doch in Wien hat sich schon die App MyTaxi etabliert.

„Früher wurden gute Apps automatisch erfolgreich. Das ist heute nicht mehr so“, erklärt Daniel Cronin. Er hat eine Agentur gegründet, die den vielen kleinen App-Entwicklern Hilfe anbietet: Er bewirbt Programme und versucht, sie zu Geld zu machen. „Die meisten Programmierer sind Solisten“, sagt Cronin. Da gebe es viele junge, talentierte Menschen. Ohne die richtigen Kontakte sei es aber immer schwieriger, weiterzukommen.


App fürs Krankenhaus. Das habe auch damit zu tun, dass die App-Welt dabei sei, sich zu professionalisieren. So kommen die „Top 25“-Apps in Apples iTunes-Store – eine Art Hitparade der weltweit beliebtesten Apps – alle aus professionellen Software-Schmieden und nicht mehr von Einzelgängern, die „im Keller des Elternhauses“ programmieren, erklärt Cronin. Er rät Entwicklern, sich auf eine Idee zu konzentrieren. Erfolgreich seien nicht die Alleskönner, sondern Programme, die eine Sache besonders gut können.

Oder die auf eine spezielle Nutzerschicht zielen, wie die Firma Exthex aus Graz. Sie entwickelte die Spezialsoftware E.M.M.A. – „Excellent Mobile Medical Application“. Die App unter anderem für Apples iPad ist „der lange Arm des Krankenhausinformationssystems“, erklärt Firmenchef Peter Danner. Ärzte können damit Medikamente verschreiben, über das eingebaute Mikrofon Befunde diktieren und Patienten entlassen, notfalls auch vom Golfplatz aus. In drei österreichischen Krankenhäusern wird das System gerade implementiert, bei mehr als zehn weiteren liefen die Projekte an, berichtet Danner. Auch im arabischen Raum gebe es großes Interesse an dem System.


Riskantes Geschäft. Geld verdient Exthex mit jeder verkauften Lizenz von E.M.M.A. und hat damit einen großen Vorteil gegenüber anderen App-Herstellern: Deren Programme sind nämlich meist kostenlos, die Entwickler verdienen entweder an vermittelten Taxifahrten, wie „Get a Taxi“, an reservierten Tischen und gebuchten Hotelzimmern, wie Wikitude, oder an geschalteter Werbung innerhalb der Apps.

„Es ist sehr riskant, wenn man allein von einer App anhängig ist“, erklärt Gschwandtner. Deswegen belassen es die Linzer auch nicht bei bezahlten Profiversionen von Runtastic, die mehr können als die Gratisversion. „Wir bauen ein ganzes Geschäftsfeld rund um unsere App.“ Für fünf Euro pro Monat bietet das Unternehmen beispielsweise die Möglichkeit, die Daten vom Handy auf eine Webseite hochzuladen und eine detaillierte Auswertung zu erhalten. Sportler können sich einen Trainingsplan herunterladen, der einem persönlichen Trainer auf dem Handy gleichkommt – inklusive mehr oder weniger motivierender Anfeuerungsrufe aus dem Lautsprecher. Über die Plattform vertreibt Runtastic zudem Laufzubehör, und demnächst „werden wir auch mit einer eigenen Hardware auf den Markt kommen“, kündigt Gschwandtner an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

16 Kommentare

MyTaxi zahlt die Presse - Unseriöse Berichtserstattung

MyTaxi hat den Markt Wien nicht fest im griff, dass ist unsinn. Die Presse ist doch eindeutig gekauft. So sieht das aus! Bei MyTaxi sind in Wien 12 Taxi angemeldet - 12 Taxis auf 1,6 Mil. sind 0,003..

Gast: Unbeantworte Fragen zu den Auflagen dieser APP's
23.08.2011 14:58
0 0

Ein Bravo dazu!

Also, wer die Vorschriften kennt im Medizinischen Bereich und die damit verbundenen Auflagen, sorry ich zweifle mal an das das Gerät selbst diese Auflage erfüllt, weiters zweifle ich an das die Firmen die notwendigen Garantien hergeben können, wenn doch, dann ist die Auflage meist so das das System nur unter Zustimmung der Herstellerfirma geändert werden kann und darf.

Und jetzt geht das fast so nebenbei zumindest scheint das so zu sein, tsss....

Oder bei Sportgeräten, da gibt es auch so nette Auflagen, ebenso wie bei anderen medizinischen Geräten für den "Hausgebrauch" ob Blutdruck oder Puls, und alle diese Auflagen werden dir nix mir nix erfüllt, bravo dazu!

P.s.: An die Redaktion, es wäre interessant zu lesen über die Erfüllung dieser Auflagen, btw. warum diese hier nicht notwendig sind, könnte ja sein das da darauf auch ein Arzt eine Antwort will, schlicht weil er keine Lust hat mehrer Jahre gesiebte Luft zu atmen...

Gast: Unverständlich
22.08.2011 23:12
0 0

warum nicht für Nokia?

Nokia hat Österreichs Markt fest im Griff
http://diepresse.com/home/techscience/mobil/685892/Oesterreich_Nokia-hat-den-Handymarkt-fest-im-Griff-?_vl_backlink=/home/techscience/mobil/index.do

Trotzdem gibt es weder dieses Runtastic noch die Taxi app für Nokia.
Ein wenig unverständlich.

Re: warum nicht für Nokia?

Es gibt noch Leute mit Nokia Handies?

Gast: Peter martus
22.08.2011 15:57
0 0

Oje

Schoen das fuer Runtastic Werbung gemacht wird. Wenn man sich allerdings in deren Forum schlau macht, kommt man drauf, dass sie eine Android App VERKAUFEN die nicht funktioniert. Es gibt Probleme mit GPS und ohne GPS ist die ganze App fuer den Muell.

Also keine besonders gute Werbung fuer die Innovation aus Oesterreich. Dinge verkaufen die nicht funktionieren ist einfach daneben. :-(


Gast: Traveler
22.08.2011 10:28
1 0

City Maps 2Go von Ulmon nicht vergessen!

Super Artikel! Hab jetzt alle Apps, die genannt wurden. Die meisten hatte ich schon. Aber eine fehlte mir: City Maps 2Go von ulmon.com - eine der erfolgreichsten Austroapps überhaupt. Waren letztes Jahr die zweitmeistverkaufte Navi-App in Österreich und Deutschland. Verwende ich auf all meinen Reisen - einfach Karten runterladen und dann offline ohne Datenroaming nutzen. Lässige Sache :-)

0 0

http://convergingtechnology.eu/threats-for-developing-countries/


a nice site showing how Telecom Austria organizes Cartels in CEE through controlling managers and regulators with converging technologies that allow mind control

0 0

http://convergingtechnology.eu/threats-for-developing-countries/



a nice site showing how Telecom Austria organizes Cartels in CEE through controlling managers and regulators with converging technologies that allow mind control

welcher vollpfosten hat das wort app in die welt gesetzt?

jetzt plappert es jeder nach, unglaublich!

Re: welcher vollpfosten hat das wort app in die welt gesetzt?

was ist am Wort Applikation schlecht?

Re: Re: welcher vollpfosten hat das wort app in die welt gesetzt?

app, nicht applikation

app ist weder deutsch noch englisch noch sonst irgendwas qualifiziertes

2 1

Re: Re: Re: welcher vollpfosten hat das wort app in die welt gesetzt?

app ist ein schon sehr lange gebräuchlicher begriff für eine kleine applikation.

Re: Re: Re: Re: welcher vollpfosten hat das wort app in die welt gesetzt?

dummheit ist auch schon sehr lange gebräuchlich!

Gast: Gasti
21.08.2011 10:10
1 1

Wo sind die Innovationen

unserer grossen Toechter?

Wie die gibt es gar nicht?

Da sind bestimmt die poehsen Maenner dran schuld.

Antworten Gast: AppMaedchen
22.08.2011 08:25
2 1

Re: Wo sind die Innovationen

DAS sind auch Innovationen großer Töchter, oder meinen Sie, dass es keine weiblichen App-Developer gibt?
Ich für meinen Teil kenne einige und Sie mit mir jetzt auch.

Antworten Antworten Gast: Gast4711
22.08.2011 14:11
1 0

Re: Re: Wo sind die Innovationen

Also ich bin seit 20 Jahren im IT-Bereich tätig. Die Anzahl der Frauen im IT-Bereich ist äusserst gering.

JobNavi3 Jobs auf

» Mehr Tech-Jobs auf Karriere.DiePresse.com