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Datenschutz: Das Handy liest und hört mit

02.12.2011 | 17:22 |   (Die Presse)

Eine heimlich auf Millionen Handys installierte Software kann unter anderem SMS aufzeichnen und selbstständig Audioaufnahmen starten. Offiziell dient das Programm dazu, Netz- und Sprachqualität zu verbessern.

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NEW YORK/WIEN/RED. Der Zähler läuft unaufhörlich, so wie die Schuldenuhr der USA: Bei 141 Millionen hielt die Zahl auf der Webseite der Firma Carrier iQ am Freitag an. Sie zeigt die Anzahl der Handys, auf denen eine Software des Unternehmens installiert ist, die kaum jemand kennt.
Das kleine Programm CIQ kann SMS und Anrufe aufzeichnen, Eingaben auf der Tastatur protokollieren, den Standort speichern und selbstständig Audioaufnahmen starten. Und das alles, ohne dass der Besitzer des Handys davon weiß.
Seit ein User das versteckte Programm auf seinem Android-Handy gefunden und ein 17 Minuten langes Video über die Fähigkeiten von CIQ gepostet hat, ist die Aufregung groß.
Das US-Magazin „Wired“ schreibt, dass die Software auf allen in den USA verkauften Android-Handys, auf Geräten der Hersteller Blackberry und Nokia und auch auf dem iPhone vorinstalliert sei. Es gebe keine Möglichkeit, das Programm zu löschen.

Die Software schreibt mit

Offiziell dient die Software laut einer Stellungnahme von Carrier iQ gegenüber „Wired“ dazu, „das Service der Telefonhersteller und der Provider“ zu verbessern. Dabei gehe es nur um die Sprachqualität und die Netzwerkstabilität. „Wir sammeln Informationen über abgebrochene Gespräche, über schwache Signale, über die Laufzeit der Batterie und warum Apps abstürzen.“ Sonst verwende man keine Daten.
Doch das Video von Trevor Eckhart zeigt, dass das Programm weitaus mehr macht. Die Software schreibt mit, wonach Eckhart im Internet sucht, jede Nummer, die er wählt, wird aufgezeichnet. Alle Informationen würden im Hintergrund heimlich an die Computer von Carrier iQ geschickt, behauptet Eckhart, der das – im Gegensatz zu den Aufzeichnungen – im Video aber nicht nachweisen kann.
In den USA räumten AT&T und Sprint am Freitag offiziell ein, dass sie auf Dienste von Carrier iQ zurückgreifen. Man habe aber keine sensiblen oder privaten Daten gesammelt. Der größte amerikanische Mobilfunkbetreiber Verizon Wireless ist kein Kunde.
Obwohl es anfänglich hieß, nur US-Geräte würden mit dem Programm ausgeliefert werden, will das deutsche Magazin „Chip“ laut seiner Internetseite Dateien der Software auch auf einem Galaxy Tab P1000 gefunden haben. In Österreich erklärten T-Mobile und Orange, man habe von dem Programm bisher nichts gehört, man untersuche die Vorwürfe. Von A1 war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Orange: Nicht verwendet

Orange schloss dezidiert aus, dass CIQ auf irgendeinem Handy installiert sei, das vom Netzbetreiber selbst hergestellt wurde. „Wir machen so etwas nicht“, sagte Sprecher Tom Tesch.
In Deutschland betonten Telekom und Vodafone, nicht mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten. Nokia, LG und Sony Ericsson versicherten ebenfalls, CIQ nicht zu nützen. Apple veröffentlichte in den USA am Freitag eine Stellungnahme, in der es hieß, man habe das Programm in der Vergangenheit „in einem Diagnosemodus“ verwendet. Von dem neuen Betriebssystem iOS5 werde Carrier iQ nicht mehr unterstützt.
Mit den Dementis ist es nicht getan. US-Senator Al Franken forderte Carrier iQ, Netzbetreiber und Hersteller auf, bis Mitte Dezember detaillierte Informationen vorzulegen.
Nicht zum ersten Mal sorgen spionierende Handys für Aufregung: Im Frühjahr wurde bekannt, dass das iPhone Bewegungsprofile anlegt – also aufzeichnet, wo sich der Nutzer aufhält.

Auf einen Blick
Carrier iQ ist auf mehr als 140 Millionen Handys weltweit installiert. Laut Auskunft des Herstellers dient das Programm dazu, Informationen zu sammeln, um die Sprach- und Netzwerkqualität zu verbessern. Der Sicherheitsexperte Trevor Eckhart postete auf YouTube ein Video, das zeigt, dass das Programm weitaus mehr macht.

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12 Kommentare
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CIQ aufspüren

Es gibt mittlerweile gratis Software, die man sich für Android Handys downloaden kann - diese sollen CIQ aufspüren. Das funktioniert aber nur dann, wenn das Handy gerootet ist (rooten = man verschafft sich Adminrechte über das Betriebssystem des Handys).

http://www.chip.de/downloads/Logging-Test-CIQ-Checker-fuer-Android_52949890.html

http://www.all4phones.de/forum/handy-flashen-debranding/24529-bedeutet-rooten-ueberhaupt-faq.html



Gast: MO ZART
03.12.2011 08:45
1 1

überall ist das drin.........

.....aus verlässlicher Quelle weiß ich, dass in einigen Firmen gar kein Handy mit in Besprechungen genommen werden darf - auch wenn es abgeschaltet ist!!! Das Mikrofon des Handys kann auch im abgeschalteten Modus aktiviert werden. Genau aus diesem Grund gibt es in militärischen Einrichtungen dementsprechende Richtlinien. ........

Gast: Die Applehotline meint dazu offiziell:
03.12.2011 06:54
0 2

Wir machen das nicht. ( !!!!??!!!)

Leider steht auf der Apple-Supportseite aber genau das Gegenteil, was die Hotline verkündet:

>>Falls die Option "Ortungsdienste" aktiviert ist, sendet Ihr Gerät in regelmäßigen Abständen die per Geotagging markierten Positionen von nahegelegenen WLAN-Hotspots und Mobilfunkmasten in anonymisierter und verschlüsselter Form an Apple, um die Crowdsourcing-Datenbank mit den WLAN-Hotspot- und Mobilfunkmastenpositionen zu erweitern. Wenn Sie unterwegs sind (z. B. mit dem Auto) sendet ein GPS-fähiges iOS-Gerät bei aktivierten Ortungsdiensten zusätzlich auch in regelmäßigen Abständen die GPS-Position und Informationen zur Fahrgeschwindigkeit in anonymisierter und verschlüsselter Form an Apple, damit eine Crowdsourcing-Datenbank für den Straßenverkehr aufgebaut werden kann. Die von Apple erfassten Crowdsourcing-Daten werden in einer Form gesammelt, die keinerlei Rückschlüsse auf Ihre Person zulässt.
Quelle: http://support.apple.com/kb/HT4995?viewlocale=de_DE

Früher hatte ja der Subunternehmer Skyhookwireless dies durchgeführt - der ist aber seit einigen Monaten aus dem Rennen und Apple erledigt es selber, weil vermutlich günstiger.

Antworten Zwanglos
04.12.2011 01:49
1 1

Re: Im Artikel geht es um ganz etwas anderes

Wollten sie damit vielleicht nur ihre Ahnungslosigkeit zum Ausdruck bringen?

mecreant
03.12.2011 00:49
6 0

auf allen in den USA verkauften Android-Handys, auf Geräten der Hersteller Blackberry und Nokia und auch auf dem iPhone

oh mann
haben die Regierenden und Herrscher der Demokratien solche Angst vorm einfachen Bürger?
na, sie werden schon wissen, warum sie sich vorm eigenen Volk so fürchten müssen....

Gast: MönchMaier
02.12.2011 23:30
1 1

Wer glaubt die Freiheit ist ein heilig Gut?

Der sollte sein Handy verschrotten! Das Handy ist nämlich Überwachungsinstrument Nr. 1, leider aber nicht unter Kontrolle des Anwenders und Datenschutz und Schutz der Privatsphäre sind doch ausgediente, altmodische Konzepte, oder?

Schon seit Anfang 2002 laufen alle SMS Messages über Server, die sie nach Keywords durchsuchen und die SMS Daten zusammen mit dem Kommunikationsprofil bevorraten. Zumindest in Frankreich und USA ist das Usus.

Übrigens ist die komprimierte Sprachqualität wirklich immer noch sehr besch...en.

Gast: künstliche Aufregung
02.12.2011 22:47
2 0

das ist einfach Echolon ...

... für alle, zu jeder Zeit und an jedem Ort.

Gast: bin auf urlaub
02.12.2011 20:45
6 3

wer kein handy hat ist glücklicher


4 2

Re: wer kein handy hat ist glücklicher

Wer heute kein Handy hat, ist schnell arbeitslos.

Antworten Antworten Gast: Gastname*
05.12.2011 09:22
0 0

Re: Re: wer kein handy hat ist glücklicher

Diese Aussage entbehrt jeglicher Logik...