Kauf ist fix: 3 schluckt Orange, A1 übernimmt Yesss!

Für 0,9 Milliarden Euro schluckt der kleinste den zweitkleinsten Mobilfunker. A1 zahlt 390 Millionen für Yesss!. Die Marke Orange wird verschwinden, die Kunden von 3 übernommen.

Handys kauft Orange uebernimmt
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Handys kauft Orange uebernimmt
(c) EPA (RADEK PIETRUSZKA)

"Aus 3 wird operativ nichts." Diesen Satz sprach Orange-Chef Michael Krammer vor einem Jahr im DiePresse.com-Interview. Nun soll sein eigenes Unternehmen in den Bestand des bisher kleinsten Konkurrenten aufgehen. Wenn die Wettbewerbshüter zustimmen, wird es in wenigen Monaten nur noch drei Mobilfunkunternehmen in Österreich geben. 3 hat am Freitag kurz nach Mitternacht bekannt gegeben, dass ein Kaufvertrag über 100 Prozent von Orange mit den bisherigen Eigentümern Mid Europa Partners und France Telecom unterzeichnet wurde. 0,9 Milliarden Euro zahlt 3-Betreiber Hutchison 3G Austria für Frequenzen, Infrastruktur und vor allem Kunden des bisher drittgrößten Handy-Anbieters Österreichs.

A1 holt sich Yesss! und Marke "One"

Weitere 390 Millionen Euro kommen von A1, die die Orange-Diskonttochter Yesss!, sowie mehr als 600 Basisstationen und mehrere Frequenzen übernehmen. Auch die alte Marke "One", wie Orange früher hieß, geht an A1. Beide Kaufverträge sind von einander abhängig. Lehnt die Wettbewerbsbehörde einen ab, wird auch der andere hinfällig. 3 wird durch den Kauf 22 Prozent des Mobilfunkmarkts abdecken und langfristig bis zu 500 Millionen Euro einsparen. Offenbar trat das Unternehmen die Flucht nach vorne an. Denn hinter vorgehaltener Hand hieß es bereits vor Monaten, dass es im höchst schwierigen österreichischen Umfeld anders kaum noch möglich sei, zu wachsen.

Für die Kunden bleibt (fast) alles beim alten

Für die Kunden beider Mobilfunker wird sich zunächst nichts ändern, sagte 3-Chef Jan Trionow in einem Pressegespräch am Freitag. Bis zur Genehmigung des Deals durch die Wettbewerbsbehörden, die für Mitte 2012 erwartet wird, bleiben beide Unternehmen unabhängig. Dann werde es eine "Migration" geben und die Marke Orange verschwindet, so Trionow. "3- und Orange-Kunden werden vom besseren Netz profitieren". In die bestehenden Verträge werde nicht eingegriffen, sagt der 3-Chef auf Nachfrage von DiePresse.com. Ein außerordendliches Kündigungsrecht ist nicht vorgesehen.

Die Bundeswettbewerbsbehörde sieht den Deal übrigens eher kritisch - also ganz so selbstverständlich ist die Zustimmung der Wettbewerbshüter im Sommer dann doch nicht. Eine Reduktion auf drei Anbieter bedeute eben auch eine Reduktion des Wettbewerbs, erklärte der Sprecher der Behörde, Stefan Keznickl. Der Behörde lagen zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine näheren Informationen der Mobilfunker vor.

Ob mit der Übernahme auch ein Mitarbeiterabbau verbunden ist, ist derzeit noch unklar. 3 und Orange haben zusammen knapp 1300 Mitarbeiter. "Natürlich wird es Redundanzen geben", erklärte Trionow. Yesss! hatte zuletzt laut Firmen-Compass lediglich 15 Mitarbeiter, 740.000 Kunden und erwirtschaftete 2010 einen Umsatz von 56,4 Millionen Euro. 

Orange-Kunden funken im 3-Netz

In der Branche war der Deal längst bekannt ("Die Presse" berichtete). Orange hatte sich durch Kundenwachstum attraktiv gemacht, allerdings stockten die Gelder für Investitionen ins Netz. Das zeigte sich auch im Anfang Dezember veröffentlichten Connect-Test, der Orange zwar gute Qualität, aber im Vergleich zur Konkurrenz das schlechteste Ergebnis ausstellte. Das soll sich für Orange-Kunden rasch ändern, sobald sie auf das hochmoderne 3-Netz geschaltet werden, das die Bestnote im Test erhielt. 3 hatte 2011 seine gesamte Infrastruktur gegen Hardware des chinesischen Betreibers ZTE ausgetauscht. Üblicherweise werden immer nur sporadisch Basisstationen getauscht, der Schritt galt als sehr drastisch.

Der Anbieter ist damit auch auf die kommende Mobilfunktechnik LTE gerüstet. Hier warten die Anbieter noch mit Produkten, da die einzige Frequenz, in der LTE derzeit erlaubt wird, nur im Stadtgebiet nutzbar ist. Im Herbst soll es hier durch die Versteigerung der alten TV-Frequenzen neue Möglichkeiten geben.

Strebt 3 nach dem Deal nun danach, die Nummer zwei hinter A1 in Österreich zu werden? Derzeit sehen die Machtverhältnisse so aus, dass die A1 mit rund 42 Prozent aller SIM-Karten die Spitze einnimmt, gefolgt von T-Mobile mit 31 Prozent und 3-Orange mit 22 Prozent. "Wir wollen am Markt aggressiv bleiben und streben ein Drittel an", sagt Trionow. 

Nur Spielball der Mutterkonzerne

Aus Kreisen von Orange heißt es, dass der noch mindestens sechs Monate amtierende Chef Krammer mit seiner vorjährigen Aussage nicht so falsch lag. Der Kauf durch 3 wird als "Hauruck-Aktion" gesehen, um möglichst rasch die Kundenmassen zu erlangen, die notwendig sind, um langfristig finanziell stabil dazustehen. 3 hatte Ende 2010 sein Netz an die China Development Bank verkauft und zurückgeleast. Seitdem dürften die Chinesen komplett den Ton angeben. Sowohl von Orange als auch von 3 hört man, die österreichischen Tochterunternehmen seien nur Spielbälle der Mutterkonzerne gewesen. Beteiligt am Deal wurden sie nur am Rande.

Das Ende des Preiskampfs?

Unklar ist, wie sich die Entwicklung langfristig auf die Preissituaiton in Österreich auswirkt. Bisher waren die Kunden die größten Profiteure des gnadenlosen Tarif-Kampfs. Insgeheim wünschen sich alle Mobilfunker schon länger ein Ende der Abwärtsspirale bei den Umsätzen pro Kunde. "Der Wettbewerb wird intensiv bleiben", winkt Trionow ab. Auf den Punkt bringt es schließlich Orange-Chef Krammer: "Letztendlich bringt die Konsolidierung den Kunden günstigere statt teurere Preise", sagte er der Presseagentur APA.

Ebenfalls abzuwarten bleibt, wer in Zukunft die Zügel über 2,8 Millionen Kunden in der Hand hält. Dass 3-CEO Jan Trionow und Orange-Chef Michael Krammer in Zukunft gemeinsam an der Spitze agieren, wurde von Krammer zurückgewiesen. Die Gerüchteküche über eventuelle Jobwechsel brodelt hier derzeit. Krammer wird branchenintern als potenzieller Nachfolger von Telekom-Chef Hannes Ametsreiter gehandelt, sollte dieser über die zahlreichen Affären in der Telekom Austria stürzen. Gestern war bekanntgeworden, dass der komplette ehemalige Vorstand der Telekom in den Korruptionsskandalen von der Justiz als Beschuldigte geführt wird. Ametsreiter selbst war zu dieser Zeit allerdings nicht Mitglied des Vorstandes, sondern Marketingchef der Mobilfunktochter Mobilkom.

(db/sg)

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