Das SMS ist tot – es lebe „Joyn“

01.03.2012 | 18:29 |   (Die Presse)

Die Killerapplikation hat in Zeiten des Smartphones ausgedient. Die Industrie will mit einem neuen Standard wieder Geld verdienen. Auf neuen Smartphones soll Joyn bereits integriert sein.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Barcelona/Wien/Eid. Rasch fliegen die Finger über die Tastatur, beziehungsweise jetzt über den Touchscreen: Als am 3. Dezember 1992 das erste SMS (mit dem Text „Merry Christmas“) im britischen Vodafone-Netz versendet worden ist, wusste noch niemand, dass dieses „Short Message Service“ die zwischenmenschliche Kommunikation revolutionieren wird. Milliarden dieser maximal 160 Zeichen umfassenden Infos schwirren täglich weltweit durch die Netze – allein in Österreich sind es jährlich rund sieben Milliarden. SMS: Das war die Killerapplikation, auf die die Industrie gesetzt hat und die sie über 20 Jahre jene Milliarden verdienen ließ, die sie in Innovationen und Netze gesteckt hat.

Mit dem Smartphone hat sich das allerdings geändert: Warum sich auf kurze – und gleichzeitig teure – SMS beschränken, wenn man riesige Datenpakete um niedrige Flatrates bekommt oder kostenlose Onlinedienste nutzen kann? Immer mehr Kunden sind mit ihrem Smartphone auf Facebook Messenger, Google Talk, Twitter oder Messaging-Apps wie WhatsApp umgestiegen. Ihre unmissverständliche Botschaft an die Industrie: Das SMS als Geldquelle versiegt. Allein im Vorjahr entgingen den Netzbetreibern knapp 14 Milliarden Dollar (10,5 Mrd. Euro) an SMS-Einnahmen, errechnete der britische Marktforscher Ovum.

Dieser Erlösschwund ist offenbar so schmerzhaft, dass sich die Mobilfunker – über alle Rivalitäten hinweg – zu einem Schulterschluss aufrafften. Die Vereinigung der Mobilfunkanbieter (GSMA) hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona einen neuen Standard für Kommunikationsdienste vorgestellt: „Joyn“, bisher bekannt unter Rich Communications Suite Enhanced (RCS-e).

 

Texte, Bilder und Videos

Joyn steht für Erreichbarkeit, Sicherheit, Qualität und Verbindung über alle Netze hinweg, hieß es bei der GSMA. Joyn gehört einer neuen Generation von IP (Internet-Protokoll)-basierten Nachrichtensystemen an und soll eine Alternative zu Nachrichten-Apps darstellen. Neben Texten, und zwar unbegrenzt langen, lassen sich künftig auch Bilder und Videos übermitteln, genauso wie eine Unterhaltung mit mehreren Nutzern (Gruppen-Chat) möglich ist. Dokumente, Fotos und Angaben über den eigenen Standort können mittels Joyn auch während eines Telefonats verschickt werden. Zudem können alle Nachrichten im „Cloud“ gespeichert werden, um jederzeit Zugriff zu haben.

 

Kein Starttermin in Österreich

Dass Joyn noch heuer startet, dafür wollen aufseiten der Gerätehersteller HTC, Huawei, LG, Nokia, RIM, Samsung, Sony und ZTE sorgen. Deutsche Telekom, KPN, Telefonica und Vodafone sind als Netzbetreiber mit an Bord. Auf neuen Smartphones soll Joyn bereits integriert sein, auf alten Geräten werden die Kunden mittels einer App den Dienst aktivieren können. Schon im April soll in Spanien der neue SMS-Standard umgesetzt werden. In Österreich ist der Start offen. Bei der Telekom Austria evaluiere man Joyn, heißt es zur „Presse“. Einen konkreten Termin habe man noch nicht.

Bleibt als große Unbekannte Apple: Der US-Konzern, der mit dem iPhone den Smartphone-Hype erst so richtig in Gang gesetzt hat, hat noch nicht entschieden. Apple bietet mit iMessage bereits ein SMS-Konkurrenzprodukt an. Das funktioniert allerdings nur zwischen Apple-Geräten. Ob Apple zugunsten von Joyn auf das hauseigene Produkt verzichten wird, ist offen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

22 Kommentare

Totgesagte leben länger

. meist im Tarif includiert
. sehr stabiele Dienstqualität
. für alle Betriebssysteme gleich
. selbst für die heutige Seniorengeneration leicht verständlich.

also brauche ich mir keine Gedanken machen ob mein Gegenüber nun iMessage, Joyn oder gar nur SMS hat...


Re: Totgesagte leben länger

Der ganz simple Vorteil von SMS: Jeder, der eine Mobilnummer hat, kann SMS empfangen. Ohne Notwendigkeit für eine Rückfrage was der andere installiert hat, aktiviert hat oder was auch immer.

.

Email irgendwer? :)

Warum wird hier zensiert???

Hier noch mal der Text:

für und wider (02.03.2012 07:39)

Stirbt die SMS ganz? Was ist dann mit Leuten, die kein Smartphone haben und kein Datenpaket? Und im Ausland? Teures Datenroaming?

Da lobe ich mir iMessage, schaltet selbstständig zwischen SMS und Internet basierten Dienst um....

[@ Zensi: fühlt sich hier dadurch wer beleidigt, politisch inkorrekt, Nordkorea?]


Gast: kluftinger
02.03.2012 09:07
3

SMS teuer?

Also die Behauptung "SMS sind teuer" kann ich nicht nachvollziehen.
Wenn man bei uns in Österreich Tarife ansieht, wo man für 1.000 Minuten, 1.000 SMS und 1 GB Daten genau € 7,-- (ohne SIM-Pauschale!) bezahlt, dann frage ich mich, was da "teuer" sein soll ...

...wirklich durchsetzen wird...

... sich der kurztextdienst http://www.TWITTER.com . ist dem sms sehr ähnlich und bereits auch in europa schon ganz gut bekannt. seit ich meinen blog zeile für zeile auf twitter poste, kommen die follower scharenweise. diesen dienst kann man für empfehlungen im privaten bereich ebenso nutzen wie für werbung im geschäftlichen kontext. ist sehr individuell verwendbar.

Quelle: http://diary-of-a-future-millionaire.blogspot.com/2012/02/cc1-1-soziale-kontakt-agentur-fur.html

Re: ...wirklich durchsetzen wird...

Ich kenne mich zwar nicht aus, aber ich denke wenn man bei Twitter etwas reinschreiben will, dann muß man sich wahrscheinlich wie bei dem bescheuerten Face book auch registrieren, oder nicht? Also warum soll ich denn so bescheuert sein mich in irgendeine dieser Institutionen registrieren lassen? Aber aus dieser Spirale werden wir uns nicht mehr befreien können, leider, und es wird noch böse enden, das ist sicher, daß Internet ist einerseits super, andererseits nicht zu kontrollieren und den Schaden der durch das Internet bereits entstanden ist ist nicht mehr zu messen, aber es dürfte die Leute anscheinend freuen, auch wenn sie durch Spam nur Probleme bekommen und man sich nicht dagegen wehren kann!

Gast: Gast20120203
02.03.2012 08:00
2

Ist eine Totgeburt ....

... weil ...

"Die Industrie will mit einem neuen Standard wieder Geld verdienen"

Ist es doch billiger eine Email zu verschicken und den Empfänger mit einer SMS darauf hinzuweisen.

Wenn auch "etwas komplizierter" ....

Re: Ist eine Totgeburt ....

Es ist weniger kompliziert als den anderen zu fragen was er alles installiert oder aktiviert hat. Wenn ich von ihm eine E-Mail-Adresse und Handynummer habe, dann weiß ich, dass das funktionieren wird.

Gast: tututu
02.03.2012 00:17
15

---

...lassen sich künftig auch Bilder und Videos übermitteln...

Nicht weitersagen, aber soetwas nennt man MMS. Is aber streng geheim!

Und wer heutzutage noch für SMS einzeln bezahlt is mir ein Rätsel. Es gibt kaum och einen Tarif, welcher nicht Freisms enthält, die man im Monat sowieso nicht verbraucht!

Gast: abernein
01.03.2012 22:53
10

Wird sich nicht mehr durchsetzen

Heutzutage gibt es gute und kostenlose Alternativen sodass ein kostenpflichtiger Dienst bei den usern uninteressant ist. Vor 15 Jahren gab es keine alternativen. Schicke sms und zahle dich doof oder lass es bleiben. Aber heute kann man mit den smart phones so viele kommunikations plattformen nutzen
Hd

13

Re: Wird sich nicht mehr durchsetzen

Das denke ich auch. Allein per E-Mail kann ich verschicken was ich will. Warum noch einene weiteren separaten Dienst mit wieder einem Post-Eingang/Ausgang.

Ich glaube auch, dass sich SMS weiterhin halten wird wegen des Vorteils, dass es nicht wie bei E-Mail extra abgefragt werden muss sondern von selbst kommt.

Chats per SMS waren ja nur eine Notlösung. Das wird wegfallen resp. fällt gerade weg. Das dürfte wohl den Rückgang verursachen.

Aber SMS normal als Nachricht wird sich sicherlich halten. Das ist ein robuster Dienst und man muss dafür auch nicht ständig online sein.

So wirds nie wieder ...

Warum soll ich ein kostenpflichtiges Produkt wählen wenn eine kostenlose App dasselbe leistet? Die Konkurrenz ist mittlerweile zu gut etabliert um sich noch durch eine kostenpflichtige Alternative verdrängen zu lassen.

Re: So wirds nie wieder ...

Nach den unglaublichen Erfolgen von WAP, Bluetooth und NFC wird das die nächste Erfolgsgeschichte, wetten?

Nicht ganz zu vergleichen

WAP war eine Übergangstechnologie, Bluetooth ist eine unbestrittene Erfolgsgeschichte und NFC steht noch ziemlich am Anfang.

Re: Nicht ganz zu vergleichen

Mhm...

Re: Nicht ganz zu vergleichen

Ich fand WAP immer schon unnötig, weil es ja schon Pocket-PCs gab, die normal Webseiten anzeigen konnten. Aber seinerzeit war das nicht als Übergangstechnologie sondern als Standard für unterwegs gedacht. Dass es eine Übergangstechnologie war sagt man heute.

MMS war auch schon nciht sonderlich prickelnd. Von NFC habe ich schon vor etwa zehn Jahren gehört. Irgendwie scheint das aber nichts zu werden. Es ist auch unnötig, da es sowieso die Bankomatkarten gibt. Reinstecken ist auch sicherer als kontaktlos, wo immer leichter manipuliert werden kann.

Gast: Bösmensch (dauerzensiert)
01.03.2012 20:04
8

Zudem können alle Nachrichten im „Cloud“ gespeichert werden, um jederzeit Zugriff zu haben.

[...] "im Cloud", aha. Seit wann ist es "der" Cloud.

Re: Zudem können alle Nachrichten im „Cloud“ gespeichert werden, um jederzeit Zugriff zu haben.

Seit dem es ein unwort geworden ist und im Prinzip als Eigenname geführt wird. Aber ich versteh die Unverständnis. Man sollte dieses hässliche Wort wieder vergessen lassen!

Re: Re: Zudem können alle Nachrichten im „Cloud“ gespeichert werden, um jederzeit Zugriff zu haben.

Wichtiger wäre es diese Stasi-Technik zu vergessen als ein noch behübschenderes Wort zu finden. Die Speicherkapazitäten von Speicherkarten sind derart groß mittlerweile, dass das niemand wirklich braucht.

Antworten Antworten Antworten Gast: hehehheheh
02.03.2012 01:05
0

Re: Re: Re: Zudem können alle Nachrichten im „Cloud“ gespeichert werden, um jederzeit Zugriff zu haben.

das apfelphone lässt aber keine speicherkarten zu

Re: Re: Re: Re: Zudem können alle Nachrichten im „Cloud“ gespeichert werden, um jederzeit Zugriff zu haben.

Ja, Windows Phone 7 auch nicht. Sollte man als mündiger Mensch daher auch nicht verwenden. Nur Android und die weniger bedeutenden Symbian und Windows Mobile. Die Leute sollen offenbar gedrängt werden ihre Daten auf fremden Servern abzuladen. Deswegen ist das wohl auch alles so billig und teilweise kostenlos.

AnmeldenAnmelden