Warum Frequenzen für Mobilfunker so wichtig sind

08.03.2012 | 14:01 |  von Daniel Breuss (DiePresse.com)

Ohne entsprechende Frequenz-Ausstattung können Provider nicht genug Daten über den Äther schicken.

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Fast jeder erwachsene Österreicher hat inzwischen schon ein Handy. Die wichtigste Ressource dahinter ist aber nicht die Rechenleistung, der Akku oder der Speicherplatz eines Smartphones oder Tablets, sondern die Frequenzen, auf denen diese Geräte ihre Daten übertragen dürfen. So wie ein Auto nicht ohne Benzin fahren kann, können Handys ohne die nötigen Frequenzen nicht funktionieren. Um diese gibt es seit Einführung des Mobilfunks in Österreich ein wildes Gerangel, denn die Ressource ist endlich und wird vom Staat streng verwaltet. Die Zuteilung erfolgt deshalb nach einem rigiden Schema, damit unterschiedliche Funk-Dienste sich nicht gegenseitig stören.

Je kürzer desto teurer

Aktuell dürfen die vier Betreiber A1, T-Mobile, Orange und 3 auf vier verschiedenen Frequenzbändern funken. Klassische GSM-Telefonie (oft als 2G bezeichnet) wird über 900 MHz und 1800 MHz abgewickelt, für UMTS  (auch 3G genannt) stehen 2,1 GHz zur Verfügung. Die neue Funktechnik LTE, die auf Datenverkehr optimiert ist, darf derzeit nur auf 2,6 GHz geliefert werden. Das ist aus einem technischen Grund problematisch. Je höher die Frequenz wird, desto kurzwelliger wird sie und desto kürzer müssen die Abstände sein, in denen Basisstationen stehen. Der Ausbau wird also teurer. Daher eignet sich 2,6 GHz nur für Ballungsräume, wo bereits auf jedem zweiten Hausdach ein Handymast steht.

Alte Frequenzen für neue Technik

Mit Herbst 2012 soll sich die Sache für LTE verbessern. Dann werden die alten TV-Frequenzen (die "Digitale Dividende"), die im Bereich von 800 MHz funken, für die neue Funktechnik freigegeben. Die Regierung erhofft sich dadurch hohe Versteigerungserlöse, die Anbieter dafür eine Möglichkeit, LTE und Mobilfunk im Allgemeinen am Land besser ausbauen zu können. Allerdings stehen nur wenige Frequenzblöcke in diesem neuen Bereich zur Verfügung. Sie reichen nicht, um allen Anbietern genug Ressourcen zu geben, um LTE in voller Geschwindigkeit landesweit auszuliefern.

Neuvergabe der Frequenzen hilft Ausbau

Daher haben die Mobilfunker schon seit Jahren für Refarming die Werbetrommeln gerührt. Das bedeutet, dass die vorhandenen 900- und 1800-MHz-Frequenzen für neue Zwecke freigeschaltet werden. Da die Betreiber dafür bereits österreichweit entsprechende Standorte besitzen, würde das den LTE-Ausbau deutlich günstiger gestalten. Das Refarming soll ebenfalls im Herbst diesen Jahres stattfinden. Einzig 3 würde leer ausgehen, da das Unternehmen keine dieser Frequenzen besitzt, sondern nur bei 2,1 und 2,6 GHz eingekauft hat. Das soll sich durch die Übernahme von Orange ändern, sofern die Wettbewerbshüter das nicht verhindern.

"900 MHz" sind nicht nur 900 MHz

Auch wenn von 900, 1800, 2100 oder 2600 Megahertz die Rede ist, verteilen sich die Frequenzen der Mobilfunker unterschiedlich. Die Blöcke reichen etwa von 880 bis 915 und 925 bis 960 MHz für den Bereich, der 900 MHz genannt wird und von 1710 bis 1785 und 1805 bis 1880 MHz für den Bereich, der 1800 MHz genannt wird. Davon besitzt A1 etwa jeweils 17 Mhz im 900er-Bereich für Uplink und Downlink, Orange dagegen nur jeweils 4 MHz. Bei 1800 MHz hat A1 dagegen nur zweimal 15 MHz und Orange zweimal 29 MHz. Die genaue Verteilung hat der Telekom-Regulator RTR auf seiner Website aufgelistet:

Übersicht 900 MHz >>>
Übersicht 1800 MHz >>>
Übersicht 2100 MHz >>>
Übersicht 2600 MHz >>>

Frequenzen in Österreich

 

Genutzte Bänder

bis Herbst 2012 ab Herbst 2012
800 MHz TV LTE
900 MHz GSM GSM, UMTS, LTE
1800 MHz GSM GSM, UMTS, LTE
2,1 GHz UMTS (3G) UMTS
2,6 GHz LTE (4G) LTE

 

Verteilung auf Mobilfunker in MHz
vor Orange-Kauf

A1 T-Mobile Orange 3
900 MHz 2 x 17 2 x 12,8 2 x 4 -
1800 MHz 2 x 15 2 x 25,4 2 x 29 -
2,1 GHz 2 x 14,8 2 x 15 2 x 14,8 2 x 14,8
2,6 GHz 2 x 20 2 x 20 2 x 10 2 x 20





nach Orange-Kauf

A1 T-Mobile 3
900 MHz 2 x 20,2 2 x 12,8 2 x 0,8
1800 MHz 2 x 15 2 x 25,4 2 x 29
2,1 GHz 2 x 19,8 2 x 15 2 x 24,6
2,6 GHz 2 x 25 2 x 20 2 x 25

 

(db)

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