Prozess: Breivik will Freispruch oder Todesstrafe

Der norwegische Attentäter hält eine langjährige Gefängnisstrafe für seine Taten für "erbärmlich". Weiters betont er, dass Norwegen weitere Anschläge drohen würden. Zwei "Zellen" seien zu Anschlägen bereit.

Norwegian mass killer Anders Behring Breivik looks on before being escorted for a 30-minute recess sh
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Norwegian mass killer Anders Behring Breivik looks on before being escorted for a 30-minute recess sh
Anders Behring Breivik – (c) REUTERS (Stoyan Nenov)

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hält eine langjährige Gefängnisstrafe für seine Taten für "erbärmlich". Es könne nur zwei gerechte Urteile geben: Freispruch oder Todesstrafe. "Ich will die Todesstrafe nicht, aber ich hätte das Urteil respektiert", sagte Breivik am Mittwoch bei seiner Befragung vor dem Gericht in Oslo. "Nach meiner Ansicht ist eine 21-jährige Haftstrafe eine erbärmliche Strafe."

Zuvor hatte er erklärt, dass Norwegen jederzeit weitere Anschläge drohen würden. Zwei weitere "Zellen" seien zu Anschlägen bereit, so Breivik am dritten Tag seines Prozesses. Auf die Frage von Staatsanwältin Inga Bejer Engh, ob die Norweger weitere Attacken dieser "Zellen" zu befürchten hätten, antwortete er "ja".

Bereits am Dienstag hatte Breivik vor Gericht erneut auf weitere angeblich existierende "Zellen" verwiesen: Er sei ein "Kommandant", der "lose Verbindungen" mit zwei weiteren unabhängigen Ein-Mann-Zellen unterhalte. Breivik hatte in der Vergangenheit in seinem im Internet veröffentlichten 1500 Seiten starken Manifest erklärt, Mitglied einer Tempelritterorganisation zu sein, die er 2002 mit drei Verbündeten gegründet haben will. Der norwegische Geheimdienst hat jedoch keine Hinweise auf die Existenz einer solchen Organisation.

Tempelritter? Breivik verweigert Antworten

Abgesehen von dieser Drohung gab sich Breivik am Mittwoch schweigsam. Er weigerte sich vor dem Osloer Gericht, tiefergehende Fragen von Staatsanwältin Inga Bejer Engh zu beantworten. So sollte Breivik zu seinem angeblichen Kontakt zu anderen militanten Nationalisten und dem angeblichen Netzwerk der "Tempelritter" Auskunft geben. "Ich möchte das nicht kommentieren. Sie können dieses Thema einfach überspringen", sagte der 33-Jährige mehrmals. "Wenn Sie nicht antworten, kann das gegen Sie verwendet werden", bemerkte Richterin Wenche Elizabeth Arntzen.

"Ich hoffe, Sie legen weniger Gewicht darauf, mich lächerlich zu machen, und mehr auf die Sache", sagte Breivik an Engh gerichtet. Die Staatsanwaltschaft wolle ja nur anzweifeln, dass die "Tempelritter" existierten.

Auch ansonsten gab er sich verschlossen: "Mein Eindruck war, dass die meisten militanten Nationalisten in Norwegen unter Beobachtung standen", sagte er. Das sei für ihn ein großes Problem gewesen. "Wenn es zu vermeiden ist, möchte man nicht erfasst werden", ergänzte er. Etwaige Kontakte oder Treffen vor den Anschlägen des 22. Juli 2011 nannte er ebenfalls nicht: "Ich möchte keine Informationen geben, die zu weiteren Festnahmen führen könnten."

Der 33-jährige muss sich in Oslo für den Tod von 77 Menschen verantworten. Er ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Breivik bekennt sich zu den Taten, spricht aber von "Notwehr". Entscheidende Frage im Prozess wird sein, ob er zurechnungsfähig ist.

Prozess gegen Breivik: Der Attentäter ohne Reue

Manifest als "Terrorschule"

Am Mittwoch wollten sich die Staatsanwälte auf die Zeit von 2001 bis 2006 konzentrieren, in der Breivik seinen Hass auf alles Multikulturelle und seine politische Ideologie entwickelte. Er habe vor allem über das Internet Kontakt zu Gleichgesinnten gesucht, erklärte Breivik. Welche Personen dies waren, wollte er nicht sagen. Er soll einen gesuchten serbischen Nationalisten in Liberia getroffen haben.

Sein 1500 Seiten starkes Manifest betrachtet der Massenmörder als "Terrorschule". Man müsse nicht sonderlich begabt sein, um Anschläge wie im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya zu begehen, gab er zu.

(Ag./Red.)

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